BMEL und SELEGGT stellen marktreife Methode zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vor

Von Mirko Jeschke | Fotos: SELEGGT | Drucken

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat heute mit SELEGGT-Geschäftsführer Dr. Ludger Breloh und dem stellvertretenden Rewe-Vorstandsvorsitzenden Jan Kunath ein nun marktreifes Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vorgestellt. Seit diesem Monat können Kunden in 223 Rewe- und Penny-Märkten in Berlin die ersten Konsumeier kaufen, deren Legehennen als Brut-Ei das neue SELEGGT-Verfahren durchlaufen haben.

Gemeinsam mit Dr. Ludger Breloh, Geschäftsführer der Firma SELEGGT, und Jan Kunath, dem stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden der Rewe Group, hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, heute in Berlin das nun marktreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vorgestellt: das SELEGGT-Verfahren. Seit November können Kunden in 223 Rewe- und Penny-Märkten in Berlin die ersten Konsumeier kaufen, deren Legehennen als Brut-Ei das neue Verfahren durchlaufen haben. Die Rewe Group plant bereits für das kommende Jahr, die nationale Markteinführung der sogenannten „respeggt-Freiland-Eier“ auf alle rund 5.500 Rewe- und Penny-Märkte in Deutschland auszudehnen. Parallel erarbeitet SELEGGT ein Geschäftsmodell, um die Technik der Branche kostenneutral als Dienstleistung zur Verfügung zu stellen. Somit ist Deutschland Auftaktgeber der neuen Methode, die das Kükentöten in Brütereien beenden kann. Ab 2020 soll auch ersten Brütereien das patentrechtlich geschützte Verfahren zur Nutzung angeboten werden.

Den Angaben zufolge werden allein in Deutschland pro Jahr rund 45 Millionen männliche Küken getötet, die von Legehennenrassen stammen. Männliche Küken dieser Rassen legen keine Eier und setzen beim Mästen nicht genug Fleisch an. Aufgrund der hohen Kosten werden die männlichen Küken, die so genannten Bruderhähne, oft nicht aufgezogen. Um die Praxis des Kükentötens zu beenden, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit circa fünf Millionen Euro die Entwicklung von Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei gefördert, um männliche Küken nicht erst ausbrüten zu müssen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: „Das ist ein großer Tag für das Tierwohl in Deutschland! Und damit werden wir Taktgeber in Europa. Mein Ministerium hat mit rund fünf Millionen Euro die Erforschung von vielversprechenden Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei unterstützt. Deutschland ist mit der Marktreife des heute vorgestellten Verfahrens Vorreiter. Jetzt ist es möglich, durch ein nadelspitzen-winziges Loch das Geschlecht der Küken im Brut-Ei festzustellen. Männliche Brut-Eier müssen also nicht mehr ausgebrütet und die Küken dann auch nicht mehr getötet werden. Das ist eine Spitzenleistung der Wissenschaftler, und ich freue mich, dass es Praxispartner in der Wirtschaft gibt, die dieses Verfahren zur Anwendung bringen und allgemein zugänglich machen. Auch für den Verbraucher ist es ein deutlich erkennbarer Schritt zu mehr Tierwohl. Es ist auch eine Chance für Brütereien in Deutschland. Für sie ist es eine Alternative, die es ihnen ermöglicht, weiterhin in Deutschland zu produzieren – und gleichzeitig mehr für Tierwohl zu tun. Denn sobald allen das Verfahren zur Verfügung steht und alle Brütereien mit der Methode arbeiten, gibt es keinen Grund und keine Rechtfertigung mehr für das Kükentöten. Unabhängig davon gilt es, das Zweitnutzungshuhn nicht aus den Augen zu verlieren und zu fördern."

SELEGGT ist ein Joint Venture der REWE Group mit einem Technologie- Unternehmen, gefördert durch das BMEL. Beim so genannten SELEGGT-Verfahren wird in die Schale des Brut-Eies mit Hilfe eines Lasers ein maximal 0,3 Millimeter kleines Loch gebrannt. Über dieses wird non-invasiv eine winzige Menge der sogenannten Allantoisflüssigkeit entnommen. Das Innere des Brut-Eies wird dabei nicht berührt und bleibt unversehrt. Im nächsten Schritt wird die Allantoisflüssigkeit auf einen patentierten Marker außerhalb des Brut-Eies gegeben. Dieser zeigt durch Farbumschlag an, ob sich in dem Brut-Ei das geschlechtsspezifische Hormon Östronsulfat nachweisen lässt. Ist dies der Fall, entwickelt sich in dem Brut-Ei ein weibliches Küken. Nach der Geschlechtsbestimmung muss das Brut-Ei nicht verschlossen werden, da sich die innere Eimembran selbstständig zusammenzieht und das winzige Loch von innen verschließt. Am 21. Bruttag schlüpft dann ein weibliches Küken. Fehlt Östronsulfat, handelt es sich um ein männliches Brut-Ei, das aussortiert und zu hochwertigen Tierfutter weiter verarbeitet wird. Das SELEGGT-Verfahren hat in der Praxis eine Bestimmungsgenauigkeit von rund 98 Prozent.

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