Coronavirus bei Tönnies: Heil will Haftungsmöglichkeiten prüfen

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Unternehmen | Drucken

Mehr als 1000 Tönnies-Mitarbeiter wurden in Rheda inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will prüfen, inwiefern der Fleischkonzern für die Folgen haften muss.

Mehr als 1000 Tönnies-Mitarbeiter wurden in Rheda inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet. Ein regionaler Lockdown sei deshalb nach Angaben von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nicht mehr auszuschließen. „Wir haben die Schulen und Kitas geschlossen, das ist der erste Teil eines Lockdowns. Und wir werden weitere Schritte in diesen Tagen prüfen“, kündigte er am Sonntagabend im ZDF an.

Indes fordert Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, dass der Fleischkonzern für die daraus entstehenden Schäden aufkommt. „Ich glaube, dass wir prüfen müssen, welche zivilrechtlichen Haftungsmöglichkeiten es gibt in diesem Bereich“, sagte Heil am Montag im ARD-Morgenmagazin. Es entstünden erhebliche Kosten für die gesundheitliche Behandlung der Menschen, „aber auch für das, was da in der Region los ist“. Heil erwarte von Tönnies, dass alles getan wird, um den Schaden zu begrenzen, „um tatsächlich auch einzustehen für das, was da angerichtet wurde“.

Zuletzt wurde am Samstag auf der Homepage der Stadt Rheda-Wiedenbrück vermeldet, dass die Reihentestungen sämtlicher Beschäftigter auf dem Werksgelände der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück noch andauern. Rund 5.800 Tests wurden zu diesem Zeitpunkt gemacht, 3127 Befunde lagen bereits vor, davon waren 2.098 negativ und 1.029 positiv.

Tönnies rechtfertigt verzögerte Adressübermittlung

Tönnies ist zudem in die Kritik geraten, weil Adressdaten der Mitarbeiter nicht schnell genug übermittelt wurden. Hierzu erklärte der Fleischkonzern in einer Stellungnahme am Samstag: „Wir sind uns bewusst, dass für die Nachverfolgung und damit Eindämmung des Infektionsgeschehens die Lokalisierung aller Beschäftigten an ihrem Wohnort essentiell notwendig ist. Wenn es durch teilweise fehlende Daten zu Verzögerungen in dieser Nachverfolgung kommt, ist dies sehr bedauerlich.“ Tönnies widerspricht allerdings dem Eindruck, dass das Unternehmen Daten fahrlässig zurückgehalten hätte, um damit die Arbeit der Behörden zu behindern. „Wir waren als Unternehmen in einer Extremlage. Denn wir mussten in mehreren tausend Fällen gegen geltendes Recht verstoßen und den Datenschutz brechen, um die notwendigen Personaldaten in der geforderten Zeit von unseren Dienstleistern einzufordern und zur Verfügung zu stellen. Letztlich haben wir, in Abwägung aller Konsequenzen, die geforderten Daten der Mitarbeiter unserer Dienstleister zur Verfügung gestellt."

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber sieht darin wiederum eine Schutzbehauptung und verweist via Twitter auf das Infektionsschutzgesetz.

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