Coca-Cola schließt Standorte Liederbach und Sulzbach

Von Mirko Jeschke | Fotos: Unternehmen | Drucken

Im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung will Coca-Cola European Partners Deutschland unter anderem seine Produktionsstandorte in Liederbach und Sulzbach im nächsten Jahr schließen. Insgesamt sollen rund 350 Stellen abgebaut werden.

Das Abfüllunternehmen Coca-Cola European Partners Deutschland (CCEP DE) plant, die beiden Produktionsstandorte in Liederbach und Sulzbach im Laufe des Jahres 2021 zu schließen sowie weitere Veränderungen vorzunehmen. Dies teilte CCEP DE am heutigen Donnerstag mit. Parallel dazu gebe es auf europäischer Ebene ebenfalls Pläne für Veränderungen, die teilweise auch mit dem Abbau von Stellen verbunden seien. Hintergrund sei, dass sich Coca-Cola European Partners in einem zunehmend schwierigen Umfeld – nicht zuletzt durch die aktuelle Coronavirus-Pandemie – zukünftig noch kosteneffizienter und wettbewerbsfähiger aufstellen müsse.

Liederbach: Ausbau- und Wachstumsmöglichkeiten fehlen

Unternehmensangaben zufolge beabsichtigt CCEP DE, den Standort Liederbach zum 15. November 2021 vollständig zu schließen. Die Produktion soll bereits zum 16. Juli 2021 eingestellt werden. Hintergrund ist das Bestreben, die Produktionsaktivitäten an weniger Standorten mit mehr Linien und höherer Leistungsfähigkeit zu bündeln. Aus historischen Gründen hat Coca-Cola im Südwesten Deutschlands eine immer noch hohe Standortdichte. Dazu fehlen in Liederbach, im Vergleich zu anderen Standorten, weitere Ausbau- und Wachstumsmöglichkeiten. Insgesamt sind von der geplanten Maßnahme gut 250 Mitarbeiter betroffen. Das Produktionsvolumen der Mehrwegflaschen-PET-Linie und der kleinen Einwegpfandflaschen-Linie soll innerhalb des Netzwerkes verteilt werden und so die Auslastung erhöhen. Die große Einwegpfandflaschen-Linie soll an den Standort Karlsruhe verlegt werden. Die Logistik-Aktivitäten, das Geschäft mit Getränkeautomaten sowie der Kundenservice sollen an einem neuen Standort im Großraum Frankfurt angesiedelt werden. Zusammen mit dem Außendienst sollen so gut 210 Stellen in der Region erhalten bleiben. Dazu kommen 36 Stellen für die versetzte Linie in Karlsruhe.

Apollinaris: Personalabbau in Bad Neuenahr

Coca-Cola Deutschland hat sich dazu entschieden, die Vertriebsstrategie für die Mineralwassermarke Apollinaris für den deutschen Markt anzupassen. Künftig wird die Traditionsmarke aus Bad Neuenahr ausschließlich im Außer-Haus-Markt erhältlich sein. Demgegenüber werden Apollinaris und alle Untermarken ab dem 1. März 2021 nicht mehr im Handel angeboten werden, da es sich um ein kleiner werdendes Marktsegment handelt, das sich erschwerend durch sehr niedrige Preise auszeichnet. Apollinaris bleibt wichtiger Bestandteil des Außer-Haus-Markt-Portfolios von Coca-Cola in Deutschland. Im Handel konzentriert sich Coca-Cola auf die Mineralwassermarke ViO. In der Gastronomie und Hotellerie werden wie bisher beide Getränkemarken angeboten: das karbonisierte Premium-Mineralwasser von Apollinaris, klar differenziert von dem stillen Premium-Mineralwasser ViO als hochwertige Begleiter. Der Standort in Bad Neuenahr bleibt erhalten: Im Werk füllt das Unternehmen weiterhin kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke sowie Apollinaris Selection für die Gastronomie ab. Eingestellt wird die Herstellung und der Vertrieb von Apollinaris Classic, Apollinaris Medium, Apollinaris Lemon, Apollinaris Big Apple, Apollinaris Presta und das Heppinger Heilwasser zum 28. Februar 2021. Mit der Einstellung der Produktion von Apollinaris für den Handel fällt das entsprechende Produktionsvolumen weg. Daher ist geplant, am Standort Bad-Neuenahr mit insgesamt gut 320 Mitarbeitern 80 Stellen abzubauen.

Sulzbach/Soden: Sodenthaler soll eingestellt oder verkauft werden

Die CCEP DE plant, die Herstellung und den Vertrieb des Mineralwassers Sodenthaler zum 30. Juni 2021 einzustellen und den Standort aufzugeben. Alternativ zu der geplanten Schließung ist auch der Verkauf des Standortes und der Marke Sodenthaler vorstellbar. Voraussetzung dafür ist ein starker Käufer, der einen klaren Plan für die Zukunft hat und bereit ist, in den Standort, die Marke und die Mitarbeiter zu investieren. Hintergrund für die geplante Entscheidung ist das extrem wettbewerbsintensive Wassergeschäft in Deutschland. Innerhalb der europäischen Organisation CCEP kann in Standort und Marke nicht in dem Maß investiert werden, wie es für ein langfristig erfolgreiches Agieren im Wassermarkt notwendig wäre.

Fachbereiche: Vereinheitlichung und Zentralisierung

Vor dem Hintergrund des sehr herausfordernden Marktumfeldes sind auch in einzelnen Fachbereichen der deutschen Organisation Veränderungen geplant: So sollen in den Abteilungen Customer Service & Supply Chain, Business Planning & Technology, Finanzen, People & Culture und Sales & Marketing in der Summe rund 85 Stellen in Deutschland entfallen.

Gespräche mit Arbeitnehmervertretern gemäß Tarifvertrag

Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden: durch alternative Stellen an anderen Standorten des Unternehmens und durch einvernehmliche Lösungen. Dabei bietet Coca-Cola betroffenen Mitarbeitern ein nach eigenen Angaben finanziell attraktives Leistungspaket an, das deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt. Von den geplanten Veränderungen sind insgesamt 485 Arbeitsplätze durch Wegfall oder Verlagerung betroffen. Gleichzeitig entstehen im Großraum Frankfurt und in Karlsruhe insgesamt rund 120 neue Arbeitsplätze. Insgesamt sollen gut 350 Stellen abgebaut werden. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zur Umsetzung gemäß dem Tarifvertrag starten in den nächsten Tagen.

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