Listerien in Wilke-Wurstwaren: Rückrufaktionen bei Metro, Kaufland und Ikea

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Pexels | Drucken

Nach dem Tod zweier Menschen, der auf Listerien in Wurstwaren des nordhessischen Herstellers Wilke zurückzuführen ist, reißen die Rückrufaktionen nicht ab. Auch Metro, Kaufland und Ikea hatten die Wurstwaren bezogen und warnen nun vor dem Verzehr der Produkte.

Das Veterinäramt hat in der vergangenen Woche den Betrieb der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG im nordhessischen Twistetal-Berndorf geschlossen, weil Listerien in Pizzasalami und einer Brühwurst des Herstellers nachgewiesen wurden. Inzwischen hat die Firma die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt, doch zuvor wurden die Produkte weltweit exportiert. Aus diesem Grund hat das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit inzwischen eine Markenliste veröffentlicht, nach der neben allen Eigenmarken der Firma Wilke, die das Identitätskennzeichen „DE EV 203 EG“ tragen, ebenso folgende Marken und Handelsnamen mit dem genannten Identitätskennzeichen betroffen sind: Haus am Eichfeld, Metro Chef, Service Bund „Servisa“, CASA, Pickosta, Sander Gourmet, Rohloff Manufaktur, Schnittpunkt, Korbach, ARO, Findt und Domino. Die Markenliste kann hier abgerufen werden.

Rückrufe bei Metro, Kaufland und Ikea

So hat beispielsweise Metro Deutschland inzwischen eine umfangreiche Rückrufaktion gestartet. Das Unternehmen spezifizierte, dass neben den verkauften Markenartikeln von Wilke die folgenden Eigenmarkenartikel betroffen sind: Aro Peperonisalami, Aro Pizzasalami, Metro Chef Peperonisalami sowie Metro Chef Pizzasalami. Genauere Informationen stellt das Unternehmen unter diesem Link bereit.

Auch bei Kaufland wurden in den Märkten in Schwalmstadt, Korbach und Biedenkopf Wilke-Produkte verkauft. Das Unternehmen die betroffenen Produkte inzwischen aus dem Verkauf genommen, da ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden kann.

Ikea Deutschland wurde über den Großhändler Service-Bund ebenfalls mit einem Wurst-Aufschnitt der Firma Wilke für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants beliefert. Der Verkauf wurde umgehend gestoppt, nachdem das Unternehmen am 2. Oktober über den Fall informiert wurde. „Dieser Stopp betrifft ausschließlich Wurst-Aufschnitt aus dem Restaurantbereich, nicht betroffen ist unser übriges Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus dem Restaurant, dem Schwedenshop und dem Bistro, diese Produkte stammen von anderen Lieferanten“, heißt es auf der Unternehmensseite.

Die Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG war wiederum auf Grundlage eines Werbevideos von der Geschäftsleitung der Firma Wilke unter Verdacht geraten, Salami des Lieferanten für Dr. Oetker TK-Pizzen zu beziehen. Dem widersprach das Unternehmen aber ausdrücklich und betonte, dass keine Geschäftsbeziehung zu Wilke besteht.

Fast jeder NRW-Bürger hatte Zugang zu Wilke-Waren

Die Firma Wilke ist zwar in Hessen angesiedelt, wo es auch zu den zwei bisherigen Todesfällen kam. Doch besonders in Nordrhein-Westfalen schienen die Produkte verbreitet zu sein: Wie die Düsseldorfer Rheinische Post mitteilt, geht das Landesamt für Umwelt- und Naturschutz (Lanuv) davon aus, dass fast jeder NRW-Bürger Zugang zu Wilke-Waren hatte. „Wilke war ein großer Lieferant und stellte auch Vorprodukte für Eigenmarken anderer Unternehmen her. Flächendeckend dürfte fast jeder Verbraucher in NRW einen Zugang zu den Waren der Firma Wilke gehabt haben", sagte demnach Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann. In Nordrhein-Westfalen seien nach Angaben der Düsseldorfer Rheinischen Post Hunderte Unternehmen vom Rückruf der Wurstwaren betroffen, darunter Großhändler, Altenheime, Krankenhäuser und andere Betriebe.

Foodwatch fordert Produkt- und Verkaufsstellenliste

Die Organisation Foodwatch hatte zudem die Behörden aufgefordert, alle bekannten Verkaufsstellen und Produktnamen öffentlich zu machen, an denen Verbraucher mit Wilke-Wurstwaren in Kontakt gekommen sein könnten. Denn diese wurden beispielsweise auch ohne jede Kennung als lose Ware an Wursttheken verkauft, betont die Organisation. Bisher haben die zuständigen Behörden diese Forderung nicht erfüllt.

Diskussion um Lebensmittelüberwachung

Für die Lebensmittelüberwachung ist der entsprechende Landkreis zuständig, im Fall Wilke also der Landkreis Waldeck-Frankenberg. Das Regierungspräsidium und das hessische Ministerium fungieren als Fachaufsicht. Verbraucherschutzministerin Priska Hinz kündigte in diesem Zusammenhang an, die Fachaufsicht zu stärken, um vergleichbare Fälle in Zukunft möglichst verhindern zu können. „Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits im Landtag eingebracht.“

Clemens Tönnies, geschäftsführende Gesellschafter des Fleischkonzerns Tönnies, forderte indes, den Landkreisen die Hoheit über Qualitätskontrollen zu entziehen und die Lebensmittelüberwachung neu aufzustellen. „Wir brauchen einheitliche Standards und mehr Objektivität“, sagte er gegenüber der „Welt“.

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