"Ab zehn Uhr sagen wir Mahlzeit"

Von Mirko Jeschke | Fotos: Franz Pfluegl | Drucken

Dr. Alfred Schrott schätzt bei Manner vor allem die offene Unternehmenskultur. Um die Süßwarenfabrik zukunftssicher zu machen, hat er in acht Jahren vieles umgekrempelt – und seinen Blick verändert.

Nach 13 Jahren bei Unilever hatte er eigentlich das Denken eines Großkonzerns verinnerlicht. Bis 2009, als Dr. Alfred Schrott als Marketingchef zu Manner wechselte. An die Unternehmenskultur der Wiener Waffelschmiede musste er sich erst gewöhnen. „Es war natürlich eine Umstellung. Die Spielregeln sind ganz andere“, blickt der 46-Jährige zurück. Missen möchte er die Zeit aber nicht: „Ich durfte viel lernen und habe mich hochgearbeitet, vom Trainee bis in die Geschäftsleitung.“

Starke Führungspersönlichkeiten

Beim Hersteller der Manner Schnitte hat Schrott den Enkel des Firmengründers, Dr. Carl Manner (verstorben im April 2017), noch persönlich erlebt. „Er war immer eine menschliche Vaterfigur. Auf den Gängen haben ihn alle gegrüßt. Wenn er in der Kantine essen ging, hatten alle ein Lächeln im Gesicht.“ Und weil durch den Schichtbetrieb bei Manner ständig gegessen wird, hat sich das „Mahlzeit“ ab zehn Uhr inzwischen fest etabliert.

Wenn wir Deutschland ernst nehmen, müssen wir national auftreten und nicht regional.

Tradition und Verantwortung

In Wien ist ohnehin vieles anders als bei seinem alten Job. „Die Entscheidungswege sind kürzer. Es gibt nicht diesen starren Plan mit einer Timeline. Die Teams sind viel kleiner und man muss schauen, was leistbar ist.“ Apropos Leistung: Auch Manner muss sich trotz 127-jähriger Tradition ständig anpassen: „Wenn wir als Mittelständler überleben wollen, müssen wir regelmäßig die Mengen erhöhen. Nur so können wir das Beschäftigungslevel halten.“ Und das Wohl der Mitarbeiter liegt ihm am Herzen: „Die Leute hier und die Stadt haben der Familie die Möglichkeit gegeben, so ein Unternehmen aufzubauen. Da muss man etwas zurückgeben.“ Das Wichtigste war es, weiß Schrott heute, einmal vollkommen den Blick zu verändern. 2016 kratzte der Manner-Umsatz erstmals an der 200-Millionen-Euro-Marke.

Über den Tellerrand schauen

Aber Österreich alleine reicht nicht: „Wir sind hier eine Insel, wollen deshalb verstärkt in den Export gehen. Ziel ist eine Quote jenseits von 60 Prozent.“ Im wichtigsten Exportmarkt Deutschland, wo Manner kürzlich auf regionaler Ebene sein neues Müsli eingeführt hat, will man in Zukunft flächendeckend präsent sein. Hohes Potenzial sieht Schrott zudem in Tschechien, aber auch in China und Nordamerika. Und wie tankt der Vater von drei Kindern Kraft für diese Herausforderungen? „Ich bin ein Familienmensch, das ist mir wichtig.“ Mit seinem Sohn will er demnächst wieder nach Italien, um Neapel und Pompeji zu erkunden.

Info

Dr. Alfred Schrott ist seit September 2009 Marketingvorstand bei Manner. Der studierte Betriebswirt ist verheiratet und hat zwei Töchter und einen Sohn.

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