Bernhard Pointner: Alm-Kultur für urbane Geniesser

Von Martina Kausch | Fotos: Hans-Rudolf Schulz | Drucken

Mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit und konzentriertem Blick auf die Chancen von Produkten in der Nische führt Bernhard Pointner die Milchwerke Berchtesgadener Land in Deutschlands südöstlichem Zipfel.

Ist es Talent? Oder das Ergebnis der Eliteschmiede BMW, die junge Uni- Absolventen des Wirtschaftsfachs konsequent zur Struktur trainiert? Oder die Verwurzelung in einer der schönsten Landschaften Deutschlands? Man möchte wissen, woher die klare Fokussierung kommt, die Bernhard Pointner (44) ausstrahlt, wenn er über seine Arbeit spricht und die Produkte „seiner“ Molkerei positioniert. Und mit der er das Unternehmen seit zwölf Jahren leitet und so formte, das es 2019 als einzige Molkerei jemals den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhielt.

Nachhaltigkeit - ein Dauerthema

Nachhaltigkeit ist in Piding in Deutschlands südöstlichem Zipfel ein Dauerthema. Die Milchwerke Berchtesgadener Land sind Bayerns erste Bio-Molkerei (seit 1973) und die Ziele klar: Immer mehr Bio- Kunststoff in der Verpackung einsetzen, immer mehr Früchte aus fairem Handel verwenden, Palmöl wird nirgends verarbeitet. Die Bauern bekommen bundesweit die höchsten Milchpreise und halten sich seit 2017 ans Glyphosatverbot. In der schicken „Markenwelt“, den durchgestylten Räumen der Verwaltung in Piding, wo selbst die Trennwand auf der Damentoilette aus „Heu im Glas“ besteht, bekommt der Besucher mittels modernster Technik Einblick in Unternehmen und Philosophie. „Wir sind ein kleiner Player, eine Dorfmolkerei“, sagt Pointner und verweist auf Zahlen: Über 200 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete man 2019 aus 320 Millionen Litern Rohmilch von 1.700 Landwirten mit Höfen entlang des Alpenkamms zwischen Watzmann und Zugspitze. 320 Milionen Liter sind 0,8 Prozent der in Deutschland gemolkenen Milch.

Über den Urlaub zur Nachfrage

Zweieinhalb Jahre war Bernhard Pointner Assistent bei seinem Vorgänger, bevor er die Geschäftsführung der Molkerei übernahm. „Ich musste mir ein solides Bild verschaffen und den Markenkern kennen.“ Jetzt hat der kleine Player ein klares Profil. Er liefert nicht an Discounter und lässt die Kernartikel nicht zu üblichen Aktionspreisen verkaufen. Umso wichtiger ist ihm, sich klar und nachhaltig im Herz der Kunden zu positionieren. Im Milcheinzugsgebiet servieren viele Landwirte beim „Urlaub auf dem Bauernhof“ Gästen die Milchprodukte auf Frühstücksporzellan mit Branding. „Wenn die Gäste zurück nach – sagen wir, Köln oder Berlin – fahren, möchten sie die Produkte dort kaufen. Weil sie den Unterschied schmecken.“ Bei vielen Führungen, die 2.500 Besuchern jährlich die Milchwerke zeigen, ist der Geschäftsführer selbst dabei. „Gerade junge Leute haben das Thema CO2-Ausstoß bei Nutztierhaltung im Kopf und fragen: Wie schlecht ist die Kuh fürs Klima?“ Pointner selbst erklärt dann die Verhältnisse. „Wir produzieren hier und verkaufen in der Stadt. Bei den Generationen Y und Z kann man nur mit ehrlicher, transparenter Kommunikation punkten.“ Mitarbeiter im Alter knapp über zwanzig bedienen die Social-Media- Kanäle des Unternehmens.

Und auch beim Thema Fuhrpark geht man in Piding eigene Wege. Die High-Tech-Flotte aus 90 eigenen Fahrzeugen wird von den Fahrern täglich gewaschen. Milchverarbeitung habe mit Sauberkeit zu tun, und diese Botschaft müsse man ausstrahlen, so das Credo. Überflüssig die Frage, ob man sich in alternativen Gefilden wie beispielsweise Hafermilch engagieren wird? „Nein. Wir machen nichts, hinter dem wir nicht stehen können. Und wenn Sie sich die Zutaten von Milchersatzprodukten ansehen, passt das nicht zur DNA der Molkerei Berchtesgadener Land.“ Dafür gibt es nun Joghurt Griechischer Art – mit neun Prozent Fett.

Zur Person

Nach Banklehre, Betriebswirtschaftsstudium und neun Jahren bei BMW in München ist Berhnard Pointner seit 2012 Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land.

 

 

Zurück