Christian Ehrmann: Mit Desserts in die Zukunft

Von Martina Kausch | Fotos: Hans-Rudolf Schulz | Drucken

Vegane Milchalternativen – nein. Mehr süße Nachtischvarianten aus Milch – ja. Christian Ehrmann steuert das Familienunternehmen durch die Corona-Krise und hat Expansion und Diversifizierung fest im Blick.

Die aktuell wohl interessanteste Frage im Mopro-Sortiment beantwortet Christian Ehrmann nach einigem Nachhaken dann doch mit „Nein“. Nämlich die, ob denn Ehrmann auch bald vegane Alternativprodukte entwickeln wird, wie einige Mitwerber. Aber für den Vorstandsvorsitzenden ist klar, dass das Unternehmen andere strategische Schwerpunkte setzt, als bald Hafer oder Soja zu veganer „Milch“ zu verarbeiten.

„Die Prozesse verstehen“

Warum auch? Hört man dem 47-Jährigen zu, ist noch immer seine Begeisterung für Milch spürbar, die er von Kindesbeinen an als Sohn eines erfolgreichen Unternehmervaters und mit einem ebenso starken Onkel entdeckte. Als Sohn, der es als Ehre empfand, in einem Ort im Allgäu mit dem klangvollen Namen Oberschönegg sonntags seinen Vater Alois in die Lab-Produktion begleiten zu dürfen. Der den Beruf des Molkereifachmanns von der Pike auf erlernte, sich zum Molkereimeister sowie Betriebswirt entwickelte und der heute sagt, das Wichtigste sei, Prozesse zu verstehen. Und klar definiert: „Was wir gut können, ist produzieren und innovativ sein.“ Innovativ sein? Nahezu jeden Monat bringt Ehrmann neue Produkte in die Regale. Aktuell zum Frühsommer 2020 sind es: zwei neue Sorten Proteindrink mit den dynamischen Namen „Hi Banana“ und „Hi Strawberry“, drei Sorten High-Protein-Kefir, „Nikos“, ein Joghurt griechischer Art, fünf Sorten High-Vitamin-Joghurt als neue Marke „High Vitamin“ und zwei Saisonumstellungen bei „Obstgarten“ und „Almighurt“. Der neue „VanilleTraum“ im „Ice Cream Style“ wird beschrieben als lockerer Vanillepudding, „unterlegt in vier sommerlichen Geschmacksrichtungen: Cherrissimo, Orange Caprio, Salty Caramel und Magic Mandel“. Wow! Die Variationsmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt, zumal wenn man so mutig kombiniert und formuliert – der Erfolg scheint gesichert.

Pudding als Innovationsquelle

Überhaupt Pudding. 56 Jahre nach der Entwicklung des gerührten Almighurt-Fruchtjoghurts und nach über 50 Jahren Marktführerschaft in diesem Segment kam Ehrmann der Freude der Kunden an Pudding auf die Spur. Konsequent also, den Pudding zum Dessert weiterzuentwickeln, ihm blumige Namen zu geben – und schließlich mit Protein-Joghurt ein Added-Value-Produkt ins enge Kühlregal zu bringen, das eine ganz neue Kategorie begründet hat. Wer kann das schon von sich behaupten, zumal im Mopro-Sortiment?

„Langer Atem, breiter Rücken“ sind Christian Ehrmanns Schlagwörter, wenn es um die Anforderungen an ein Familienunternehmen geht. In der aktuellen Corona-Krise wichtig: Gesundheit aller aktuell 2.400 Mitarbeiter in zehn Ländern und beste Beziehungen zum Handel. Um neue Märkte hat sich Ehrmann immer gekümmert. Nach Russland schickte man beispielsweise zunächst Lkws mit Fruchtjoghurt, dann entschied man, dort ein Werk zu bauen. „Wir waren 1998 der größte Auslandsinvestor in Russland“, erinnert sich Ehrmann. Der damals 25-Jährige lernte Russisch, war bald verantwortlich für das Russlandgeschäft – und spürte mit Wucht die Risiken des Unternehmertums: „Wir hatten im August 1998 die Bagger auf der Baustelle und den drastischen Rubelverfall – ein Fiasko.“ Doch dann zog der Markt an und hat bis zum heutigen Zeitpunkt an Gewicht gewonnen. Das nächste Ziel angesichts schwieriger Mopro-Märkte in Europa? Asien. Nicht China, aber „Diversifizierung ist wichtig.“

Zur Person

Christian Ehrmann leitet das Molkereiunternehmen mit Sitz im Allgäu und internationaler Orientierung in dritter Generation. Im Innovations-Fokus: Added-Value-Produkte.

 

 

 

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