Christian Weber: Führen auf Augenhöhe

Von Mirko Jeschke | Fotos: Heiko Rhode | Drucken

Gut sieben Jahre lenkt Christian Weber die Karlsberg Brauerei – und ist durch schwierige Zeiten der Restrukturierung gegangen. Sein Erfolgsrezept für die Zukunft: Eigenverantwortung stärken und Demut vor der Aufgabe.

Als Generalbevollmächtigter der Brauerei Karlsberg mit Sitz in Homburg blickt Christian Weber auf eine lange und ereignisreiche Firmengeschichte zurück. 1878 gründete sein gleichnamiger Ururgroßvater das Unternehmen, das heute durch die Premiummarke Urpils sowie durch die alkoholfreie Biermarke Gründel’s und das Trendgetränk Mixery bekannt ist. Neben den Bier-Aktivitäten, die seit jeher vom weichen Brauwasser der umliegenden Schlossberghöhlen profitieren, gehören unter anderem die Mineralbrunnen Teinach und Krumbach zum Karlsberg-Verbund.

Neues Konsumbewusstsein

Mit den Kernmarken Karlsberg und Mixery sowie dem Exportgeschäft, das mehr als 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, ist sich der 40-Jährige sicher, für die kommenden Jahre gut aufgestellt zu sein. „Die Art, wie Menschen Alkohol konsumieren, wird in Zukunft ein Stück weit selektiver werden“, merkt Christian Weber allerdings an. Entscheidend für die Strategie der Traditionsbrauerei aus der Saarpfalz sei es deshalb, die Liebe für das Produkt, die Inhaltsstoffe und den Geschmack in den Vordergrund zu stellen: „Wir müssen deutlich stärker als bisher über die Menschen sprechen, die unsere Produkte mit viel Leidenschaft herstellen.“

Trend zu Spezialitäten

„Unsere erfolgreichsten Produkte waren immer diejenigen, die für die Menschen nachvollziehbar waren“, erzählt der Brauereichef, der im Verbund die Verantwortung für knapp 1.400 Mitarbeiter trägt. „Unsere Aufgabe als Markenhersteller ist es, einerseits Innovationen zu bringen, andererseits dürfen wir die Menschen mit ihrer Kaufentscheidung nicht überfordern.“ Beim Blick auf die Trends der Zukunft sieht der stets reflektiert auftretende Wirtschaftswissenschaftler nicht nur die alkoholfreien Biere auf dem Vormarsch: „Ich glaube hierzulande viel mehr an das Wachstum von Spezialitätenbieren als an das von alkoholfreien Bieren.“

Führung als Dienstleistung begreifen

Zu seinen besten Entscheidungen im eigenen Unternehmen – nach Stationen bei Nestlé in der Innenrevision und bei Heineken als Exportmanager – zählt Weber eine gelungene Personalpolitik und die erfolgreiche Implementierung eines Wertekanons: „Das Thema Wertschätzung, das heißt Anstand und Respekt vor den Mitarbeitern, hat uns gerade in den Zeiten des Krisenmanagements sehr geholfen.“ Insbesondere bei Führungskräften erwartet Weber, der nach seinem Studium in Schottland gut zwei Jahre für Nestlé als Audit-Manager in Ghana tätig war, ein hohes Maß an Demut vor der Verantwortung – und die Bereitschaft, mit anderen auf Augenhöhe zu agieren. „Führen ist eine Dienstleistung gegenüber anderen Mitarbeitern im Unternehmen. Ich will die Menschen über ein Gespräch auf Augenhöhe überzeugen, nicht mit Zuckerbrot und Peitsche“.

Macher-Mentalität

Dinge voranzubringen – und dabei die Eigeninitiative seiner Mitarbeiter zu stärken – war immer eine der Triebfedern des Firmenlenkers mit Hipster-Bart: „Am Ende ist es immer besser, Entscheidungen zu treffen, als nur abzuwarten“. Für 2019 geht Christian Weber, dessen Vater Richard (75) die operative Verantwortung schon vor Jahren abgegeben hat, erneut von einem Wachstum für seine Kernmarken aus. In seiner Freizeit widmet er sich ganz der Familie und tankt Kraft beim Schwimmen oder einem ausgedehnten Waldspaziergang – zum Beispiel am Karlsberg.

Info

Christian Weber trat 2010 als Prokurist in die Karlsberg Holding ein. Seit 2012 ist er Generalbevollmächtigter der Karlsberg Brauerei KG Weber und verantwortet die strategische Unternehmensentwicklung im gesamten Verbund.

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