Eckes-Granini-Deutschlandchef Kay Fischer: Denker und Macher

Von Mirko Jeschke | Fotos: Heiko Rhode | Drucken

In gut sechs Jahren hat Kay Fischer das Deutschlandgeschäft von Eckes-Granini umgebaut und den Saftgiganten zukunftsfester gemacht. Sein täglicher Antrieb: gestalten können, Verantwortung übernehmen.

Bereits früh zeichnete sich ab, dass Kay Fischer eine Affinität zu Nahrungsmitteln entwickelt. Als Schüler, erinnert sich der 55-Jährige noch gut, hatte er im A&O-Laden seiner Tante in Fleestedt südlich von Hamburg ausgeholfen: „Mein Cousin und ich haben in den Ferien bei der Inventur geholfen, mit der Rechenmaschine und dem Rollwagen gespielt. Die wichtigste Frage war damals immer, wie viel am Ende des Tages in der Kasse ist.“

Ertrags- und wertorientiert wachsen

Dass der Geschäftsführer von Eckes-Granini Deutschland dieses Denken verinnerlicht hat, merkt man ihm heute noch an, wenn er von ertrags- und wertorientiertem Wachstum spricht: „Wert kommt vor Menge, es geht um nachhaltiges Wirtschaften. Ich sage immer, die verkauften Liter kannst du nicht zur Bank bringen.“ Rund 300 Millionen Euro erwirtschaftet das Deutschlandgeschäft jedes Jahr, etwa ein Drittel der Konzernerlöse. 2019 musste Fischer allerdings ein klares Umsatzminus hinnehmen. Er verweist dabei auf den hohen Aktionsanteil, der sich sofort auswirke, wenn man sich kurzfristig uneinig mit einem Handelspartner sei. Trotzdem bleibt er gelassen: „Wir brauchen uns gegenseitig. Wenn es mal kurzfristig hakt mit einer Einigung, sind wir lösungsorientiert und berechenbar.“

Seine aktuell rund 550 Mitarbeiter stehen für den gebürtigen Hamburger an vorderster Stelle: „In diesem Geschäft geht es um Menschen, nicht um Maschinen. Wir sind wertorieniert und prinzipientreu. Innovationen gehen wir im Hinblick auf die Mengenfähigkeit überlegt an und laufen nicht jedem Trend hinterher.“ Ein Ausbau der Belegschaft ist aktuell nicht geplant: „Das kommt, wenn wir weiterhin mehr Umsatz machen. Neue Mitarbeiter muss man sich leisten können. Für uns kommt erst der Umsatz, dann zusätzliche Kosten.“

Kommunikative Stärke

Sein Talent im Umgang mit Menschen musste der Unternehmenslenker beweisen, als es um das Umschalten von „Fahren mit Restwärme“ auf „Zukunft gestalten“ ging: „Wenn man plötzlich Rezepte für die Zukunft entwickeln will, braucht es Fingerspitzengefühl, um die Leute mitzunehmen. Man will schließlich nicht suggerieren, sie hätten ihre Arbeit bislang nicht gut gemacht. Mehr Nachhaltigkeit geplant Dass man mit einer Verpackung mit 25 Prozent rPET-Anteil heute keinen Blumentopf mehr gewinnt, ist Fischer bewusst. Geplant ist deshalb, diesen Anteil bei Hohes C Anfang 2021 auf 100 Prozent zu erhöhen. Bei Glas-Mehrweg habe man derweil deutlich aufgerüstet: „Wir haben hier 15 Millionen Euro investiert und werden Hohes C auch wieder in einer Mehrwegflasche anbieten. Wenn die Wünsche der Verbraucher nach Mehrweg zunehmen, können wir uns auch vorstellen, eine weitere Glasanlage zu bauen und weniger PET-Flaschen herzustellen.“

Einen seiner schönsten Momente verbindet Fischer, der mit seiner Familie seit 20 Jahren Urlaub auf einem Bauernhof in Mecklenburg-Vorpommern macht, mit der erstmaligen Einführung einer Limonade: „Die Limo begann eigentlich als Spinnerei. Aber wenn man sieht, wie ein neues Produkt über viele Monate hinweg langsam erfolgreich wird, gibt einem das schon einen Kick und macht stolz.“

Zur Person

Kay Fischer führt Eckes-Granini Deutschland seit September 2014. Zuvor war er u.a. bei Procter & Gamble, den Schwartauer Werken und Lorenz Bahlsen tätig.

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