Eine Frage der Philosophie

Von Mirko Jeschke | Fotos: Georg Lukas | Drucken

Auf Wunsch der Firmenerbin kam Michael Huber vor 23 Jahren zu Veltins. Schnell erkannte er: die Kosten müssen runter. Inzwischen läuft es rund. Hubers Credo: Offenheit, Kontinuität und Vertrauen in die eigenen Leute.

Nach seinem Abitur in Dallas und einer durch den Vater abrupt gestoppten DJ-Karriere studierte Michael Huber zunächst Betriebswirtschaft in Berlin. Allerdings ohne Abschluss. „Ich war nie Student. Ich musste immer etwas tun, bei dem du sofort merkst, ob du etwas bewegt hast“, erzählt der 68-Jährige entspannt in seinem Büro bei einer Zigarette.

Verwöhnte Branche

So kam es auch. Bereits in jungen Jahren gründete Huber mehrere Speditionen, bevor er Mitte der Neunziger bei der sauerländischen Brauerei Veltins zunächst eine Kontrollfunktion im Beirat ausüben sollte. Auf seine Fragen an die Geschäftsführung bekam er damals aber kaum Antworten. „Ich war sehr unzufrieden. Man hatte kein Kostenbewusstsein, alles war sehr generös. Man lebte in einer Welt, die es eigentlich nicht mehr gab.“ Hubers Kritik stieß auf offene Ohren, so dass der gebürtige Oberbayer von Susanne Veltins schließlich eine Generalvollmacht erhielt. Heute trifft er sich viermal im Jahr mit der alleinigen Firmenerbin und bespricht mit ihr große strategische Fragen. „Das funktioniert sehr gut. Sie hält sich an die Spielregeln. Wenn sie mal einen Einwand hat, diskutieren wir ihn. Aber dann lässt sie schnell wieder los.“

Gelebte Unternehmenskultur

In seinen Firmen mit rund 9.000 Mitarbeiter pflegt Huber einen familiären Stil mit flachen Hierarchien. Zu Veltins kommt er ein- bis zweimal pro Woche. Morgens um 7 Uhr geht es in die Produktion, danach bespricht er sich mit seinem designierten Nachfolger, Marketing-Geschäftsführer Dr. Volker Kuhl, bevor in der Geschäftsleiter- Runde gemeinsam diskutiert wird. Huber setzt vollstes Vertrauen in seine Mitarbeiter. „Wenn einer meiner Leute eine Entscheidung getroffen hat, dann ist sie getroffen. Ob sie mir gefällt oder nicht.“

Auf die Frage, ob er je Personal abbauen musste, verneint Huber entschieden. „Ich bin seit 42 Jahren Unternehmer und habe niemals Menschen entlassen, sondern immer nur eingestellt. Es ist einfach, wenn du kostenmäßig nicht klar kommst, Stellen zu streichen. Ich halte das für falsch. Es sind Menschen, die Unternehmen bewegen“. Dass ihm sein frühes Image als Pfennigfuchser nicht geschadet hat, und auch er hin und wieder riskante Investitionen wagt, zeigt eine außergewöhnliche Geschichte: „Ich war mit meinen leitenden Mitarbeitern auf Safari in Afrika. Oben auf einem Berg angekommen, war die Stimmung miserabel. Auch deshalb, weil ich zuvor eine Kastenumstellung für 35 Millionen Euro nicht genehmigt hatte.“ Mit einem Holzstock habe er dann bei glühender Hitze in Caprihosen in den Sand gezeichnet, wie es vielleicht doch klappen könnte. Beim Abendessen seien alle übereingekommen, den neuen Kasten im Porsche-Design auf den Markt zu bringen. „Am Ende war es eine der größten Erfolgsstorys, die wir je hatten.“

Back to the Roots

In seiner Freizeit spielt der bekennende Hard Rock-Fan am liebsten Golf oder fährt Harley. Seine einst für Weltumsegelungen erworbene Luxus-Yacht hat er längst wieder verkauft. Mit seiner Frau und seinen Hunden gönnt er sich inzwischen sechs Wochen Urlaub im Jahr, vorzugsweise am Wasser. Sein letzter großer Traum: „Einmal zehn Tage nach Alaska fahren, dort die Wale und Eisbären erleben, und sehen, wie die Eisberge wegbrechen“.

Info

Michael Huber ist seit 1995 Generalbevollmächtigter und Aufsichtsratsmitglied bei Veltins. Der 68-Jährige hat mehrere Transportfirmen gegründet und leitet heute zudem den Beleuchtungshersteller Trilux.

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