Martin E. Schygulla: Echt auf jedem Markt

Von Martina Kausch | Fotos: Hans-Rudolf Schulz | Drucken

Das weltweite Ziel der Groupe Bel ist sportlich: Umsatzverdoppelung bis 2025. Für Martin E. Schygulla als Verantwortlicher für Bel in der Region D-A-CH im Herzen Europas zählt vor allem Glaubwürdigkeit.

Authentisch ist ein großes Wort. Übersetzt man es mit „echt“ oder „glaubwürdig“, ist man schon mittendrin in dem, was Martin E. Schygulla für Bel – und sich selbst – als Ziel formuliert. „Authentisch sein heißt, dass man Stoßrichtungen definiert und transparent umsetzt. Wie verarbeite ich als Unternehmen die Milch? Wie sind die Rezepturen? Ich muss nachhaltig, transparent und glaubwürdig sein, alles andere geht heute nicht. Ein Hochglanzprospekt nützt nichts. Auch weil die Großindustrie so viel Schmu getrieben hat, glauben viele Verbraucher heute ja dem Bauern um die Ecke mehr und fahren zehn Kilometer, um frische Eier zu kaufen.“ O-Ton Schygulla.

Die Quadratur des Kreises

Spricht man mit Martin Schygulla, erlebt man einen Manager, der tatsächlich um diese Transparenzstrategie ringt. Aus dem Norden gebürtig, ist er für die Deutschland- Geschäftsführung eines französischen Konzerns in Grasbrunn vor die Tore Münchens gezogen. Denn: Die inflationäre Verwendung des Wortes authentisch, die Struktur „seines“ Konzerns und manche Produkte der Bel-Gruppe machen die Aufgabe, bei Käse – und Schmelzkäse – authentisch für Wachstum zu sorgen, nicht gerade einfach. Unibel ist eine französische Familienholding, einige Mitglieder der Familie Fiévet, Urenkel des Firmengründers Leon Bel, sitzen in Vorstand und Aufsichtsrat. Zu ihr gehört eben auch die Groupe Bel, die allein im letzten Quartal 2018 weltweit einen Umsatz von 842 Millionen Euro erwirtschaftete (2018 insgesamt: 3,312 Mrd. Euro), 24 Prozent davon in Asien und Nord-/Südamerika sowie 21 Prozent im Mittleren Osten und in Afrika. Der Umsatz in Europa stagniert. Dies sind nicht gerade Kennzahlen, an die man denkt, wenn man im deutschen Supermarkt nach regionalem Käse sucht.

Babybel vom Land

Und doch gibt es viele Möglichkeiten, das Geschäft zu entwickeln. Leerdammer hat in Deutschland eine 93-prozentige Markenbekanntheit und war laut Nielsen 2017 Marktführer in der Gelben Linie. Schygulla, in Vertrieb und Marketing mopro-erfahren, ergreift die Chancen mit Strategie und Dynamik. „Mini Babybel wird unter anderem in Frankreich, in Évron in der Normandie, produziert und ist insofern ein regionales Produkt, weil die Milch ausschließlich von französischen Bauern aus der Region kommt“, berichtet er. Und Leerdammer-„Feine Scheiben“ sind Käsescheiben, aus dem großen niederländischen Laib geschnitten. Eigentlich klar, aber in Kunststoffverpackung eben doch nicht mehr so nature-like. Die (Teil-) Lösung: Die Leerdammer-Milchbauern arbeiten in den Niederlanden nach den Weidemilch-Produktionsvorschriften, das Verpackungsgewicht der feinen Leerdammer-Scheiben wurde um durchschnittlich acht Prozent reduziert, und die Verpackung enthält nun 24 Prozent recyceltes PET in der Schale und besteht aus Monomaterial. Alles gute Nachrichten, die nun doch ebenso gut kommuniziert werden können – ganz nach dem Transparenzanspruch von Martin E. Schygulla.

Kiri und das echte Brot

Leichter macht Schygullas Job außerdem die Tatsache, dass einige Bel-Marken als Portionskäse geboren wurden und quasi von vornherein dem aktuellen Snackingtrend entgegenkommen. Und von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zum „echt“ neuen To-go-Produkt. Namens Kiri Brot-Snack.

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