Matthias Schamel: Scharfe Wurzel, gutes Geschäft

Von Martina Kausch | Fotos: Hans-Rudolf Schulz | Drucken
  • Matthias Schamel.

In Süddeutschland ist er Kult, der Meerrettich, dort auch „Kren“ genannt. In siebter Generation leitet Matthias Schamel seit 2017 das bayerische Familienunternehmen, das die scharfe Wurzel in unterschiedlichster Form ins Glas und in die Tube bringt. Neuerdings auch in Bio-Qualität.

Sie wächst tatsächlich vor der Haustür. Matthias Schamel muss lediglich aus dem Bürogebäude seines Unternehmens heraustreten, über den Hof und um die Ecke einen Feldweg entlang gehen. Nach rund 500 Metern steht er auf den Feldern, auf denen um die fränkische Gemeinde Baiersdorf herum das wächst, was seit Generationen die eigene Familie und die vieler Mitarbeiter ernährt. Eine lange helle Wurzel, nicht besonders ästhetisch, aber dafür umso gesünder und aus der ländlichen Küche nicht wegzudenken: Meerrettich, auch Kren, Pfefferwurzel oder Rachenputzer genannt.

Erst Handel, dann Verarbeitung

Spricht man mit Matthias Schamel über sein Geschäft, so wird bald klar, dass er – natürlich – ein Freund und Kenner der scharfen Wurzel ist. Wie sollte es anders sein, wenn man in diese Firma mit über 170-jähriger Tradition hineingeboren wurde. Dabei war das Geschäft des Ur-Ur-Urgroßvaters noch nicht die Verarbeitung der zur Familie der Kreuzblütler gehörenden Pflanze. Johann Wilhelm Schamel heiratete die Tochter eines Krenhändlers und gründete die Firma Schamel 1846. Sein Sohn dann entwickelte das Exportgeschäft – aber immer noch handelte er mit ganzen Wurzeln. „Seit 1914 wird Meerrettich auch genussfertig im Glas hergestellt, die Idee hatte mein Urgroßvater Johann Jakob Schamel“, erzählt Matthias Schamel aus der Familiengeschichte. Aus der Handelsfirma wurde ein verarbeitender Betrieb – und ein Dienstleister, der Hausfrauen die zu Tränen reizende Prozedur des Meerrettichreibens ersparte. Eine Convenience-Idee, die den Grundstein für den Erfolg legte.

Nichts geht ohne Kren

Weitere Grundsteine des Erfolgs sind die zahlreichen Varianten, die die Produktentwicklung im Lauf der Jahrzehnte kreiert hat und noch kreiert. Zunächst kam der Sahnemeerrettich, nach und nach weitere milde und scharfe Varianten. Auch Meerrettichsenf und Saucen („Senf- Dill“, „Senf-Curry“, Remouladensauce) stehen jetzt im Regal. Aber bei Schamel gibt es kein Produkt ohne die Wurzel von nebenan: „Meerrettichverarbeitung ist unsere Kernkompetenz, die Marke ist unser Fundament“, formuliert Matthias Schamel das Wesentliche des Geschäfts. Mittlerweile verarbeitet Schamel nicht mehr ausschließlich den Rohstoff von fränkischen Feldern, kauft das Gemüse aus dem Raum Coburg, aber auch aus Österreich und Ungarn zu. Der bayerische Bio-Meerrettich allerding, der jetzt, im Frühjahr 2019, in den Handel kommt, der wächst ausschließlich in Hemhofen im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Neues aus Bloggerwelt

Kren ist ein Traditionsgemüse, aber wie sollen die Geschäfte weitergehen? „Die Bedeutung des Meerrettichs soll steigen, er soll zum Bestandteil der modernen Esskultur werden“, sagt Matthias Schamel. „Es gibt durchaus noch Potenziale im deutschen Markt, auch wenn wir Marktführer sind.“ Im Bereich der Kulinarik, durch Zusammenarbeit mit Bloggern und durch Kochvideos will Schamel auf den demografischen und kulturellen Wandel reagieren. Plastikfreie Verpackung, der umgestaltete Deckel und, für bestimmte Produkte, Gläser mit Markengravur sind Schritte in Richtung Markenerneuerung. Auch das Standbein der Zulieferungen im Heilmittelbereich will Schamel ausbauen. Denn nicht nur für die vegetarische, vegane oder flexitarische Ernährung ist die Wunderwurzel wichtig – ihre Heilkräfte könnten viele weitere Menschen überzeugen.

Info

Matthias Schamel arbeitet als Diplomkaufmann seit 2013 fest und in siebter Generation im Familienunternehmen. Seit 2017 ist er einer von zwei Geschäftsführern.

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