Michael Ohlendorf: "Bio passt zu Bauer"

Von Martina Kausch | Fotos: Hans-Rudolf Schulz | Drucken

Von Alpro in Düsseldorf zur Privatmolkerei Bauer nach Wasserburg am Inn – größer kann der Schritt in der Mopro-Kategorie für einen Manager kaum sein. Michael Ohlendorf über Fokussierung, Joghurt und Milchalternativen.

Ein Marketing-Mann, der jahrelang im Rhein-Main-Gebiet Industriekonzernluft genoss und mit Sojaprodukten für Zuwächse auf dem Markt der Milchalternativen sorgte, jetzt bei einer bayerischen Familienmolkerei der fünften Generation? Was für eine spannende Geschichte.

Zum Gespräch im aufgestockten Bürogebäude auf dem Molkereigelände 55 Kilometer östlich von München steht ein Dynamiker am Freitagnachmittag höchstpersönlich zum Empfang in der Eingangstür. Schmunzelnd erzählt er, dass er zunächst gedacht habe, die Familienmolkerei Bauer sei in München beheimatet. Nun befindet sich sein Arbeitsplatz in Wasserburg, im tiefsten Oberbayern, am Inn, der dem Viertel zwischen Bayern und Österreich den Namen gab. Aber um kulturhistorische Feinheiten geht es jetzt nicht. „Gesunde Ernährung wie High Protein, Tierwohl und unser CO2-Foodprint sind die Themen“, sagt Ohlendorf in bestem Marketing-Sprech. Und was bedeutet das für Bauer? „In Zukunft möchten wir uns wieder mehr auf unser Kerngeschäft fokussieren anstatt auf zu viele Neuprodukte, die am Ende keinen Erfolg hatten“, merkt Ohlendorf über die Strategie der Vergangenheit an. Tatsache ist: „Der große Bauer“-Fruchtjoghurt wird aktuell in 40 Sorten produziert, aber bei Verbrauchern wird Naturjoghurt immer beliebter.

Well-Being, Zucker und Verpackung

Ohlendorf beschreibt seine wichtigsten Themen: „Health and Well-Being und die Frage, wie kann man den Zucker rausbekommen und die Verpackung weiterentwickeln.“ Dazu gehören natürlich auch Schlagworte wie Protein, Regionalität und Bio. Als Regionalmarke hat sich Bauer bislang nicht platziert, und dass Bio wichtig ist, wurde auch nicht besonders kommuniziert. Nun aber gibt es Bauer bio mit Fruchtspiegel auf Naturjoghurt und Graspapiermanschette – vier Sorten, einschließlich Erdbeere. 600 Milchbauern liefern für die Bauer-Produkte rund 220 Millionen Kilogramm Milch jährlich, sie alle sind im Voralpenland ansässig. Da ist der Weg zum Verbraucher-Kopfkino mit grünen Wiesen vor Alpenpanorama doch eigentlich nicht weit? „Bio passt zu Bauer, es ist aber noch ein langer Weg, uns hier beim Verbraucher zu etablieren“, ist sich Ohlendorf sicher. Und wo platziert man dann den Crispy Milchshake im glänzenden weiß-braunen beziehungsweise rosa Kunststofftöpfchen? Außerdem das Thema Käse. „Wir machen zwar qualitativ guten Käse, sind aber auf dem Markt noch nicht präsent genug – daran arbeiten wir ebenfalls.“ Und dann gibt es die große Frage nach veganer „Milch“: „Die Produkte der pflanzlichen Milchalternativen werden künftig in Richtung 20 bis 30 Prozent Umsatzanteil gehen.“

„Die Bauers, die können’s“

Operative Themen stehen ebenfalls an. Ohlendorf will den Vertrieb weiter professionalisieren und hat neue Märkte im Ausland im Blick. „Heute liegt unser Export bei acht Prozent, die Frage ist: Wo können wir verkaufen?“ Insgesamt also eine Menge Arbeit, die bei Markus und Florian Bauer sowie den Geschäftsführern Michael Ohlendorf und Dr. Michael Münch ansteht. 300 verschiedene Frischprodukte produziert die Familienmolkerei Bauer aktuell. Lange hieß es in der TV-Joghurt-Werbung: „Die Bauers, die können’s“. Die Frage ist nun: Was können sie am besten?

Info

Michael Ohlendorf war nach dem Studium in Saarbrücken bei Langnese- Iglo, dann von 2005 bis 2018 Commercial Director bei Alpro. Bei Bauer ist er seit Juli 2019 Geschäftsführer Vertrieb und Marketing.

 

 

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