Nestlé Wagner-Chef Thomas Göbel: Immer in Bewegung

Von Alexandra Stojic | Fotos: Dietrich Bechtel | Drucken

Thomas Göbel sagt über sich selbst, er sei ein „Unruhegeist“. Gleichzeitig sorgt der Geschäftsführer des TK-Pizza-Herstellers Nestlé Wagner mit seiner besonnenen Art für Stabilität innerhalb des Unternehmens. Auch wenn die Zeiten mal nicht so rosig sind.

Auf der Hinfahrt zum vereinbarten Tre¬ffpunkt fragt man sich: „Bin ich hier wirklich richtig?“ Man fährt über Landstraßen, kommt an Wäldern und Hügeln vorbei und landet schließlich im 800-Seelen-Örtchen Braunshausen, das zur saarländischen Gemeinde Nonnweiler gehört. Das Gebäude, in dem der Termin mit Thomas Göbel, Geschäftsführer von Nestlé Wagner, stattfindet, ist unscheinbar. Von außen betrachtet würde niemand auf die Idee kommen, dass sich hinter der Fassade dieses geschichtsträchtigen Hauses die Geschäftsräume eines der größten deutschen TK-Pizza-Herstellers befinden.

Herausfordernde Zeiten

„Hier hat alles angefangen“, erzählt Thomas Göbel. Der gelernte Bäckermeister Ernst Wagner produzierte 1973, angeregt durch einen Italienurlaub der Gründerfamilie, in zehn Steinöfen die ersten TK-Pizzen. 1978 errichtete die Firma im Werk Braunshausen eine Pizza-Produktionslinie mit Schockfroster. Heute steht ein großes Werk im Nachbarort Otzenhausen, in das Nestlé 2012/13 circa 50 Millionen Euro investiert hat. Hier gehen knapp 1,2 Millionen Pizzen pro Tag vom Band. „Ich freue mich, dass wir es gescha¬fft haben, die Idee und die unternehmerische Leistung Ernst Wagners und seiner Familie zu einem Unternehmen weiterzuentwickeln, das heute fast 1.800 Mitarbeiter beschäftigt und dessen Produkte in ganz Europa bekannt sind“, sagt Göbel nicht ganz ohne Stolz. Und: „Das Image von TK-Pizza hat sich in Deutschland auch stark verändert. Die Kategorie macht immer mehr Spaß“, ergänzt er.

Auch wenn Pizza heute noch immer zu den beliebtesten Snacks der Deutschen zählt, für Nestlé Wagner war 2018 kein einfaches Geschäftsjahr, da der Umsatz aufgrund einiger Kundene¬ffekte leicht rückläufig war. „Es war ein herausforderndes Jahr für den Standort“, sagt der Manager, um im selben Atemzug hinzuzufügen: „Dieses Jahr ist bisher allerdings richtig gut angelaufen. Wir sind positiv unterwegs in Richtung erneutes Wachstum.“

Ins kalte Wasser geworfen

Allerdings, ergänzt er, dürfe man nie so richtig zufrieden sein und sich ausruhen auf den Erfolgen. Denn der Markt ist ständig in Bewegung. „Ich empfinde es als meine Aufgabe, dem Unternehmen und meinen Mitarbeitern in diesen unruhigen Zeiten eine gewisse Stabilität zu geben und gleichzeitig auch unser Geschäft weiterzuentwickeln“, so Göbel.

Seit Mai 2012 leitet der gebürtige Österreicher (aufgewachsen im Zillertal, Studium in Innsbruck) nun die Geschicke des TK-Pizza-Herstellers. „Bei meiner Einstellung wurde ich ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sich der heute 49-Jährige. Auf die Frage, was denn nun seine Aufgaben im Unternehmen seien, antwortete sein damaliger Chef: „Mach einfach alles so weiter wie bisher.“ Für den ambitionierten Manager hat sich allerdings schnell herausgestellt, dass „mach mal so weiter“ nicht funktionierte. Er hat kurzerhand wertvolle Arbeitsprozesse aus seiner früheren Konzernzeit beim Mittelständler adaptiert, ohne dabei die DNA des Unternehmens zu verändern. „Ich möchte den Spirit von Ernst Wagner beibehalten. Gleichzeitig bin ich auch ein Unruhegeist und immer auf der Suche nach neuen Ideen.“ So hat sich Göbel vor einiger Zeit zum Beispiel erfolgreich mit Rustipani (Kerniges Ofenbrot) und Frischeteigen auf ein neues Terrain gewagt.

Kein Stillstand

„Mit Eintönigkeit kann ich gar nicht umgehen. Und ich bin mit bestehenden Situationen nicht so leicht zufriedenzustellen. Ich entwickle die Dinge gerne weiter“, erzählt Göbel. Wer oder was ihn zu seinen zahlreichen Ideen inspiriere, wird er gefragt: „Mich inspirieren Menschen, die viel bewegen“, antwortet er. Wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb Stillstand für den Vater von drei Kindern (zwei Jungen, 17 und 14 Jahre alt, und ein Mädchen, 10 Jahre alt) nicht infrage kommt. Die besten Ideen fielen ihm ohnehin meistens beim Sport ein. Und, wer hätte es gedacht? Die nächsten Neuigkeiten befinden sich bereits schon wieder in der Produktion.

Info

Thomas Göbel begann seine Karriere 1997 als Trainee bei Nestlé in Österreich. Es folgten Stationen bei Cereal Partners und Maggi. 2012 löste er Gottfried Hares als CEO bei Nestlé Wagner ab.

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