Rila-Chef Bernd Richter im Porträt: Gespür für Trends und Technik

Von Marcelo Crescenti | Fotos: Reinhard Rosendahl | Drucken

Rila-Chef Bernd Richter kann sowohl Motoren auseinanderbauen als auch feine Trends im Spezialitätenmarkt aufspüren. Der Firmenchef in zweiter Generation baut das Geschäft methodisch auf und setzt auf Teamarbeit.

Bernd Richter hat kein Problem mit dem Begriff „Trüffelschwein“. Nicht umsonst hat er seinem Unternehmen das Motto „Die Genussentdecker“ verpasst. Rila ist in den vergangenen Jahren mit viel Feingespür für Trends gewachsen und zählt heute zu den Großen in Sachen Feinkost. Die Firmengeschichte mutet sagenhaft an: Gründer Helmut Richter brachte als Lkw-Fahrer Köstlichkeiten aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland mit und legte so den Grundstein für das Unternehmen. Sohn Bernd baut das Geschäft nun konsequent aus und setzt auf drei Standbeine: Ethnic Food, Fine Food und Bio Food.

Chemie und Programmierung

Dabei war keineswegs ausgemacht, dass Bernd Richter in die Fußstapfen des charismatischen Seniorchefs treten würde. Der umtriebige Manager hatte schon immer eine Passion für Technik, für Computerprogrammierung und auch für Chemie. Bereits in jungen Jahren zerlegte er Motoren und baute Mopeds selbst um, dazu machte er Chemie-Experimente, die er wohl heute lieber nicht wiederholen würde. Schließlich wurde er Energiegeräte-Elektroniker und arbeitete im Elektroniklabor einer Maschinenbaufirma, für die er fast nach Amerika gegangen wäre. Dann ereilte ihn aber doch der Ruf des elterlichen Betriebs, in den er als Technischer Leiter einstieg, zuständig für Logistik, IT und Verpackung. „Manche Programme, die heute noch im Unternehmen laufen, habe ich vor langer Zeit selbst geschrieben“, schmunzelt Richter. Später übernahm er die Leitung des Unternehmens. Was Technik und Feinkost verbindet? „Die Neugierde“, sagt Richter. „Um Trends aufzuspüren, muss man o en sein, Interesse am Genießen haben, reisen, recherchieren, probieren.“

Fernkost-Studie als Basis

Nur auf sein Gespür stützt sich Richter beim Ausbau des Geschäfts freilich nicht, sondern geht planmäßig vor. So diente die 2018 erschienene Fernkost-Studie, erstellt in Zusammenarbeit mit dem Rheingold Institut und der Food-Forscherin Hanni Rützler, als Basis für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Das Sortiment wurde neu geordnet, die Verpackungen geändert. Dahinter steht nun ein Team von Produktmanagern, die Trends in Produktideen umsetzen. So entstanden zum Beispiel die Wok-Würfel zur schnellen Zubereitung von Speisen im asiatischen Wok, oder die Idee, fertigen Porridge im Glas anzubieten. „Mainstream ist für uns nicht interessant“, sagt Richter. Rila setzt im Spezialitätenmarkt auf Nischen mit Potenzial.

Der nahbare Geschäftsmann setzt auf Teamarbeit: „Das ist mir sehr wichtig.“ Eine offene Fehlerkultur gehöre zum Unternehmensalltag genauso wie die stetige Weiterentwicklung von Mitarbeitern: „Wer hungrig und kompetent ist, bekommt seine Chance.“ Noch dieses Jahr wird die Belegschaft in ein neues Verwaltungsgebäude am Firmensitz im nordrhein-westfälischen Stemwede einziehen. Mittlerweile zählt Rila – nach der Übernahme des Großverbrauchs-Spezialisten Menzi aus Versmold 2018 – vier Produktionsbetriebe.

Positives in der Krise

Die Coronazeiten sind – wie für die gesamte Lebensmittelbranche – auch für Rila eine Herausforderung. Trotzdem kann Bernd Richter auch der Krise etwas Positives abgewinnen: „Die Konsumenten kochen wieder und beschäftigen sich mehr mit dem Essen. Das ist eine gute Entwicklung für die Branche“, sagt der passionierte Motorradfahrer, der sich in seiner Freizeit auch gerne dem Luft- und Tauchsport widmet.

Zur Person

Bernd Richter leitet den Feinkost-Spezialisten Rila. Sein Vater Helmut Richter gründete das Unternehmen mit Sitz in Stemwede (NRW).

 

 

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