Stefan Hipp: Tradition mit Vision

Von Dominique Snjka | Fotos: Axel Griesch | Drucken
  • Stefan Hipp ist Gesellschafter des Babynahrungsherstellers Hipp.

Mit der Idee von einer ökologischen Landwirtschaft ist Stefan Hipp aufgewachsen. Auf den Höfen, die Hipp beliefern, ist der Gesellschafter des Babynahrungsherstellers oft zu Besuch. Für die Zukunft hat er eine Vision.

Aus dem Konferenzraum im oberen Stockwerk kann Stefan Hipp buchstäblich auf seine Kindheit zurückblicken: In unmittelbarer Nachbarschaft zum Unternehmenssitz liegt hinter einem grünen Hügel der Bauernhof, auf dem der Gesellschafter von Deutschlands größtem Babynahrungshersteller Hipp aufwuchs. Der Werbeslogan, der seinen Vater Prof. Dr. Claus Hipp und die Babymarke in den 90er-Jahren berühmt machte, ist für den Junior zur Wirklichkeit geworden: „Dafür stehe ich mit meinem Namen.“

Vor sieben Jahren trat der 50-Jährige erstmals an der Seite seines Vaters im Fernsehen auf. Heute spricht er in der Werbung nicht nur den berühmten Satz, sondern steht mit seinem jüngeren Bruder Sebastian als nächste Generation auch operativ und strategisch an der Spitze des Unternehmens. Claus Hipp und sein Bruder Paulus Hipp fungieren als geschäftsführende Gesellschafter.

950 Millionen Euro setzt die Hipp Gruppe mit Säuglings-Milchnahrung, Beikost, Getränken und Pflegeprodukten jährlich um. Der Marktanteil bei Baby- und Kindernahrung liegt bei 45 Prozent. 50 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland. In Deutschland hat sich die Firma über sechs Jahrzehnte einen Namen im Ökolandbau gemacht. So hatte Claus Hipp den familieneigenen Hof Mitte der 50er-Jahre gegen einigen Widerstand auf Ökolandbau umgestellt – als einer der ersten in Deutschland.

Als Hipp 1956 seine Säuglingsnahrung mit ökologisch erzeugten Rohstoffen herstellte, war das ein Novum für die Branche. Heute verfügt die Marke über ein eigenes Bio-Siegel, dass strengere Grenzwerte festsetzt, als es das Gesetz vorgibt.

Als Schüler bewirtschaftete Stefan Hipp einen Garten, wo er Karotten und Blumenkohl zog. „Wie eine Pflanze wächst, hat mich von klein auf fasziniert. “ Als Kind saß er gerne im Büro seines Vaters und sah ihm bei der Arbeit zu. Er wuchs mit seiner Vision einer biologischen Landwirtschaft auf: Saubere Lebensmittel, saubere Umwelt. „Meine Zukunftsvision wäre, dass so viele Lebensmittel wie möglich in der ökologischen Landwirtschaft erzeugt werden.“

8.000 Bio-Vertragslandwirte beliefern das Familienunternehmen im oberbayerischen Pfaffenhofen. Regelmäßig besucht Hipp die Höfe. „Uns ist wichtig, dass wir jeden Erzeuger unserer Rohstoffe ganz genau kennen.“ Mit den Höfen, die ihn beispielsweise mit Karotten beliefern, hat schon sein Großvater zusammengearbeitet. Die Produktionsstätten befinden sich unter anderem in Deutschland, Kroatien und Österreich. 3500 Beschäftigte arbeiten für das Hipp, nach eigenen Angaben weltweit größter Verarbeiter von organisch-biologischen Rohstoffen.

Bio ist ein Kaufargument. Doch die Konkurrenz im Supermarktregal zwischen Quetschies und Milchnahrung wächst. Zeit, neue Wege einzuschlagen: Kürzlich ist Hipp in die Verpflegung von Kindergärten eingestiegen. Seit diesem Jahr richtet Hipp auch im Lebensmittelhandel sein Augenmerk auf eine ältere Zielgruppe. Gebäck, Getränke, Eis und Kindergerichte erweitern das Sortiment um die Altersgruppe der Vier- bis Siebenjährigen. „Seit vielen Jahren haben wir die Kompetenz für Säuglingsnahrung. Gleichzeitig haben wir aber gesehen, dass es auf dem Markt aus unserer Sicht kaum geeignete Produkte für Vier- bis Siebenjährige gibt.“ In einem Familienunternehmen gehe es nicht in erster Linie um Veränderungen, sagt Hipp. „Entscheidend ist, Innovationen zu schaffen und gleichzeitig traditionelle Werte beizubehalten.“

Zurück

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren ...