Stefan Leitz: Rotkohl und Rolling Stones

Von Alexandra Stojic | Fotos: Jörg Brockstedt | Drucken

Feinkosthersteller Kühne hat sich einer Verjüngungskur unterzogen. Stefan Leitz, Vorsitzender der Geschäftsleitung, hat dabei nicht nur am Produktportfolio geschraubt, sondern das Unternehmen von innen „entstaubt“.

 

Gurken gehören botanisch gesehen zur Familie der Kürbisgewächse. Das grüne Gemüse wurde bereits vor mehr als 3.000 Jahren in Indien und Ägypten angebaut. Immerhin seit über 115 Jahren zählt die Gurke auch zum Portfolio des Lebensmittelherstellers Carl Kühne. Die Gewürzgurke ist eines der bekanntesten Produkte der Hamburger.

Kühne gehört heute zu den größten Herstellern im Bereich Feinkost und Essig in Europa. Mit Rotkohl, Sauerkraut und Co. alleine schafften es die Hamburger nicht mehr, auf Wachstumskurs zu bleiben. „Bei meinem Einstieg im Jahr 2013 waren die Umsätze leicht rückläufig“, gibt Stefan Leitz, Vorsitzender der Geschäftsleitung, offen zu. Einer der Gründe: Die bald 300 Jahre alte Marke hatte Staub angesetzt, das Durchschnittsalter der Käufer lag bei 50 plus.

Verjüngung von innen

Was folgte, war ein scharfer Strategiewandel: Neue Produkte, ein moderner Markenauftritt und ein Kulturwandel mussten her – und das alles, ohne dabei den traditionellen Markenkern zu verändern. Die Verjüngung des Unternehmens sollte eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Das Konzept ging auf: Ausgerechnet Trendprodukte wie Gemüse-Chips oder Knusper-Erbsen unter der Submarke Enjoy kurbeln nun die Umsätze des Traditionsunternehmens wieder an. Das Firmengebäude wurde einem Facelift unterzogen. Die Graufacetten von einst sind bunten Graffitis gewichen. Treiber der Prozesse war Stefan Leitz. Er hat nebenbei außerdem eine freiwillige Duz-Kultur eingeführt und die Krawattenpflicht abgeschafft. „Verjüngung muss von innen kommen“, pflegt er zu sagen. Und ergänzt: „Die Gesellschafter haben erkannt, dass die Veränderung nötig war, und meinem Team und mir einen gewissen Freiraum gelassen.“

Dass die Staubschicht bei Kühne nun nach und nach abgetragen wird, ist nicht nur am jungen und frischen Spirit spürbar, der jetzt durch die offenen Büros der Zentrale in Hamburg weht. So gibt Stefan Leitz gerne die Anekdote zum Besten, wie er und seine Kollegen aus der Kühne-Chefetage das alljährliche Führungskräfte- Meeting unter dem Motto „Kühne rockt“ aufgelockert haben, indem sie in Jeans, Rolling-Stones-Shirt und Arm-Tattoo-Strümpfen durch die Agenda führten. Dem Vernehmen nach gehört Stefan Leitz zu den Managern, die die Gemeinschaftserfolge in den Vordergrund stellen. „Wir sind Teamplayer. Außerdem sollten Führungskräfte meiner Meinung nach ihren Mitarbeitenden viel mehr vertrauen. Dadurch braucht es auch weniger Kontrollen“, weiß er.

Querdenker erwünscht

Der Fußballfan – Stefan Leitz und sein Sohn sind Besitzer einer HSV-Dauerkarte – sieht in seiner täglichen Arbeit Parallelen zu dem Trainerposten. Auch er beschäftigt sich mit der Frage: „Wie stelle ich ein Team zusammen?“ „Bei Kühne sind Typen entscheidend. Das darf gerne der Papagei unter den Pinguinen sein“, erklärt er.

Heißt: Gemeinsame Visionen sind wichtig. Unterschiedliche Ideen und Querdenker aber ebenso. Denn nur so könnten Veränderungen in einem Unternehmen überhaupt erst entstehen und vorangetrieben werden. Apropos Veränderungen: Auch 2019 ist bei Kühne der Wandlungsprozess noch längst nicht abgeschlossen.

Info

Als Vorsitzender der Geschäftsleitung ist Stefan Leitz seit 2013 für Carl Kühne verantwortlich. Er kam nach Stationen bei Procter & Gamble, Wella – Gillette/Braun und Unilever.

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