Fairtrade International: „Es besteht noch Potenzial“

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Unternehmen | Drucken
  • "Dario Soto Abril" "Fairtrade International"

    Darío Soto Abril ist seit Februar 2017 Chief Executive Officer (CEO) von Fairtrade International

Darío Soto Abril, CEO von Fairtrade International, spürt, dass das Interesse an fairem Handel wächst – doch es gibt noch Luft nach oben. Er ruft die Branche dazu auf, sich zu vernetzen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Herr Soto Abril, seit drei Jahren sind Sie nun CEO von Fairtrade International. Wie hat sich seitdem das Bewusstsein der Konsumenten für Fairtrade verändert?

Es ist spürbar, dass sich immer mehr Konsumenten mit Fairtrade beschäftigen. In den vergangenen zwei Jahren ist das Bewusstsein für das Fairtrade-Siegel gewachsen, vor allem in Nordamerika und Australien. Umfragen ergeben, dass inzwischen neun von zehn Menschen etwas gegen die Armut und für die Umwelt tun wollen.

Einige Lebensmittelhersteller und -händler locken Konsumenten bereits mit dem Fairtrade-Siegel auf vielen Produkten. Aber tun sie auch genug für Transparenz?

In den letzten Jahren haben wir bereits sehr viel erreicht. Das Bewusstsein für fairen Handel könnte aber tatsächlich noch größer sein, wenn in Supermärkten mehr Transparenz geschaffen wird. Sie kann Verständnis und schließlich auch noch mehr Engagement beim Konsumenten erzeugen.

Welcher Lebensmittelhersteller ergreift besonders viel Initiative für fairen Handel?

Wir arbeiten erfolgreich mit zahlreichen Marken zusammen, ein gutes Beispiel ist Tony’s Chocolonely aus Amsterdam – eine Marke, die eine faire Schokoladenherstellung unter der Botschaft „das Ende der Sklavenarbeit“ plakativ auf Produkten und im Web thematisiert.

Und welcher Händler gehört in Deutschland zu den Best-Practice-Beispielen?

In Deutschland gibt es viele Best-Practice-Beispiele: Aldi, Lidl und Penny ebenso wie Rewe, Kaufland und Edeka. Sie alle zeigen großen Einsatz gegenüber den Bauern in Produktionsländern, indem sie zahlreiche Fairtrade-Produkte beziehen. Angefangen von Blumen über Kaffee bis hin zu Kakao und vieles mehr.

Gibt es denn einen Lebensmittelbereich, in dem noch mehr Einsatz für einen fairen Handel wünschenswert wäre?

In allen Bereichen besteht durchaus noch Potenzial, die Lebensbedingungen der Produzenten weiter zu verbessern. Aktuell arbeiten wir verstärkt in den Bereichen Bananen, Kaffee und Kakao. In letzterem sind beispielsweise die Preisschwankungen sehr hoch, was den Bauern zu schaffen macht.

Die IFC 2020 in Berlin steht bevor, an der Sie auch teilnehmen werden. Warum raten Sie dazu, dieses Event zu besuchen?

Es ist eine wunderbare Chance, Fairtrade- Experten zu treffen, sich die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen vor Augen zu führen – und vor allem zu netzwerken sowie innovative Ideen auszutauschen.

Sicher wird auch der Klimawandel eine große Rolle auf der Konferenz spielen. Wie hängt er mit fairem Handel zusammen?

Der Klimawandel betrifft uns alle, besonders die Bauern auf der Südhalbkugel. Eine Studie hat gezeigt, dass 2050 die Hälfte des Kaffeeanbaugebiets verschwunden sein wird, wenn wir weiterhin nichts gegen den Klimawandel tun. Wir alle haben ein großes Interesse daran: die Bauern, weil sie ein gesichertes Einkommen brauchen, und die Händler, weil sie auch in 30 Jahren noch Kaffee verkaufen wollen. 30 Jahre sind zwar nicht lang, aber lang genug, um etwas zu bewirken. Möglichen Lösungen werden wir uns auf der IFC widmen.

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Am 25. März 2020 findet unter dem Motto „Next Global Level – faire Wirtschaft schafft Zukunft für alle“ die achte International Fairtrade Conference (IFC) in Berlin statt. Hersteller, Händler, Start-ups und Multiplikatoren diskutieren gemeinsam mit Fairtrade-Experten wie Darío Soto Abril Lösungen. Im Anschluss werden im Rahmen einer Gala die International Fairtrade Awards verliehen. Mehr unter www.fairtrade-deutschland.de

Das Interview erschien in der Februar-Ausgabe der RUNDSCHAU. Hier geht’s zum kompletten E-Paper.

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