SanLucar-CEO Michael Brinkmann: "Wir sind sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung 2018"

Von Alexandra Stojic | Fotos: Pavla Vanicka | Drucken

Michael Brinkmann hat vor einem Jahr die Geschäftsführung der SanLucar Gruppe übernommen. Mit uns hat er über Erfolgserlebnisse, Ernteengpässe und die Frische-Offensive der Discounter gesprochen.

Herr Brinkmann, Sie haben vor rund einem Jahr Stephan Rötzer, den Gründer und bisherigen CEO der SanLucar Gruppe, in seiner Funktion als Geschäftsführer abgelöst. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis der vergangenen zwölf Monate?
Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten uns für das vergangene Geschäftsjahr ein Umsatzplus zwischen fünf und sechs Prozent vorgenommen, dieses auch erreicht und sind entsprechend sehr zufrieden. Zum ersten Mal hat das Unternehmen die 400 Millionen-Euro-Marke geknackt.

Sie haben ihr Berufsleben der Aufgabe gewidmet, Unternehmen zu internationalisieren und auf die wachsenden Herausforderungen des globalen Marktes vorzubereiten. Inwieweit ist Ihnen das mit SanLucar bisher gelungen?
Wir haben in den letzten Jahren einige neue Märkte von unserem SanLucar Konzept überzeugen können. So haben wir neue Kunden gewinnen können. Sowohl in Europa als auch in Regionen wie den Golfstaaten, Russland, Kanada und selbst China. Was wir in den vergangenen aber vor allem professionalisiert haben: Wir haben es geschafft, das Unternehmen von der Sortenauswahl bis zum Konsumenten hin durchzudenken.

Was meinen Sie damit?
Damit meine ich die gesamte Wertschöpfungskette: wie man etwas anbaut, wie man mit den Ressourcen umgeht, wie man einen geschmackvollen Apfel oder Mandarine produziert und das durch die gesamte Prozesskette. Wir haben es geschafft, dass die Qualität und der Geschmack standardmäßig immer hoch bleibt.

Das ist bei einem natürlichen Produkt wie Obst ja keineswegs so einfach.
Das stimmt und darin liegt die große Herausforderung, die wir nur deswegen annehmen können, weil wir Niederlassungen auf vier verschiedenen Kontinenten haben, und dort geerntet werden kann, wo die Produkte gerade saisonal sind und am besten schmecken. Und von dort aus werden sie dann direkt in unsere Verkaufsländer transportiert. SanLucar beliefert Handelspartner in 36 Ländern. Wobei Deutschland weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für uns ist.

Welche Produkte zählen zu Ihren Bestsellern?
Wir haben rund 100 verschiedene Obst und Gemüsesorten, wobei Zitrusfrüchte, Beeren, Trauben, Steinobst, Tomaten, Bananen und Ananas zu den Bestsellern gehören.

Im Gegensatz zu den Hitzewellen in Deutschland, war der Sommer 2018 in Spanien sehr regnerisch. Welche Auswirkung hatte das auf die Ernte der Zitrusfrüchte?
Das stimmt. Ein großer Teil der Zitrusfrüchte wird in Spanien angebaut. Der verregnete Sommer hatte zur Folge, dass wir nicht rechtzeitig ernten konnten und sich der Export um einige Wochen, im Vergleich zu 2017, verschoben hatte. Aber SanLucar handelt nach der Maxime: Wir liefern lieber keine Ware aus, als welche, die nicht unseren Standards und unserem Markenversprechen entspricht. Anders, als bei Produkten anderen Warengruppen, ist es für Obst und Gemüse besonders schwer, sich als Markenprodukt im Handel zu etablieren. SanLucar ist das geglückt.

Was meinen Sie, woran das liegt?
Stephan Rötzer hatte die Idee, entgegen aller Stimmen aus der Industrie, eine Marke zu schaffen, die der Verbraucher unmissverständlich mit Obst und Gemüse in Verbindung bringen würde. Man bekommt 12 Monate im Jahr das Produktversprechen, dass die Qualität immer gleichbleibt und vor allem dass es schmeckt. Es gibt nur sehr wenige Unternehmen in unserem Sektor, die sowohl das Kow-how über die Sorten haben als auch weltweit in den Anbaugebieten vor Ort sind und die Qualitätsstandards halten. Und das fordert ehrlicherweise auch viele Investitionen in Innovationen.

Wie sehen diese Innovationen aus?
Wir haben im Mai 2015 nördlich von Valencia ein eigenes Labor eröffnet, um alternative Methoden zur Frischehaltung von Obst nach der Ernte zu erforschen. Weltweit haben wir unsere eigenen Testfelder und unser Sortenforschungsteam für Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, aber auch Steinobst und Trauben.

Wie lange dauert es, bis eine neue Sorte dann in den Handel kommt?

Zwischen der Auswahl einer neuen Beerensorte und ihrer Vermarktung am POS können drei bis fünf Jahre liegen. Bei Baumobst kann es zwischen 10 und 12 Jahre dauern.
 
Apropos POS: SanLucar ist seit Jahren Lieferant für die Vollsortimenter. Macht Ihnen die Frischeoffensive der Discounter Angst?
Nein, absolut nicht. Aber, sie ist natürlich deswegen alleine schon gar nicht so schlecht, weil sie den Vollsortimenter dazu gezwungen hat, sich erneut selbst zu hinterfragen, das Geschäftsmodell zu überdenken und zu überlegen, was am Ende die Differenzierung ausmacht.

Und die wäre?
Der Vollsortimenter steckt immer noch mehr Geld in das Personal und damit die Bedienung und Beratung auf der Fläche als Aldi, Lidl & Co. Und damit kann sich der LEH immer noch profilieren. Und ich sehe diesen Wettbewerb als sehr gesund an. Und sich jeder auf seine Stärken besinnt und schaut, wie er diese weiter ausbauen kann. Außerdem sehe ich bei Fresh Cut und Convenience sehr große Chancen für den LEH. Lidl hat im vergangenen Jahr Fair Trade-Bananen eingelistet und damit für ein riesiges Medienecho gesorgt.

Besteht durch solche Initiativen nicht auch die Gefahr, dass die Discounter irgendwann am LEH vorbeiziehen?
Fair Trade ist prinzipiell eine gute Sache. Mich würde allerdings nur interessieren, ob die Bananen dann am Ende im Handel teurer sind und ob die Anbauer auch davon profitieren. Denn auch ein Discounter kann und sollte genau so viel gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wie die Vollsortimenter.
 
Die Produkte von SanLucar tragen aber zum Beispiel kein Bio- oder Fair Trade-Siegel. Warum haben Sie sich dagegen entschieden?
Die Themen Nachhaltigkeit, faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen sind eines der größten Anliegen von SanLucar. Allerdings sehen wir die Flut von Bio-Siegeln kritisch. Für unsere Standards sind die Kriterien für die Erteilung doch zu unterschiedlich. Wir bürgen mit Qualitätskontrolleuren dafür, dass unsere Produkte jederzeit hochwertig sind und haben unser eigenes Nachhaltigkeitsprüfsystem.

Zur Nachhaltigkeit gehört ja das Thema Verpackung. Sind diese bei Obst und Gemüse wirklich nötig?
Ja. Denn Verpackungen tragen zum Schutz der Produkte bei und reduzieren so die Verschwendung von Lebensmitteln aufgrund von fehlerhafter Lagerung und Transportschäden. Außerdem ist der Hygieneaspekt für viele Verbraucher sehr wichtig. Und wir als Marke wollen unsere Produkte für den Verbraucher erkenntlich machen. Wir haben inhouse eine Abteilung, die für die Weiterentwicklung unserer Verpackungen verantwortlich ist. Dazu gehört zum Beispiel auch unsere Naturtüte aus Steinobst, die aus Papier besteht und zwei Tragegriffe hat, die wiederum den Konsumenten einladen, die Früchte mitzunehmen, ohne sie dabei anzufassen.

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