Start-up-Investor Frank Thelen: Von der "Höhle" an den PoS

Von Alexandra Stojic | Fotos: Freigeist | Drucken
  • Frank Thelen mit den Gründern von Ankerkraut: Anna und Stefan Lemcke zählen zu den Erfolgsgeschichten der TV-Sendung "Die Höhle der Löwen". Im vergangenen Jahr hat das Gewürz-Start-up 12 Millionen Euro umgesetzt.

  • Frank Thelen ist seit über 20 Jahren als Investor tätig.

  • Denis Gibisch, Frank Thelen und Daniel Gibisch (v.l.) haben sich 2014 bei "Die Höhle der Löwen" kennengelernt. Die Brüder haben dort ihr Suppen-Start-Up vorgestellt. Heute erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 25 Millionen Euro.

Sobald das Wort Start-up fällt, denken viele an Frank Thelen: Der TV-Juror ist seit über 20 Jahren als Investor aktiv. Mit uns hat er über glaubwürdige Produkte, verpassten Traffic und wichtige Lektionen gesprochen.

Herr Thelen, in wie viele Food Start-ups haben Sie bisher investiert?
 Ich habe in insgesamt zehn Food Startups investiert. Darunter sind auch einige, die extrem erfolgreich auf dem Markt sind.
 
Welche sind das?
Das ist definitiv zum einen Little Lunch. Die Suppen sind mittlerweile sehr erfolgreich und in über 15.000 Märkten verfügbar. Auch das Porridge von 3Bears ist ein absoluter Schnelldreher. Aber vor allem die Produkte von Ankerkraut erwirtschaften aktuell unfassbar gute Umsätze.
 
Hört sich fast so an, als sei jedes Ihrer Investments ein voller Erfolg?
Nicht ganz. Wir haben auch schon Startups verloren oder werden in Zukunft welche verlieren. Ich möchte an der Stelle immer wieder betonen, dass das eben auch zu Startups gehört.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach erfolgreiche Startups von weniger erfolgreichen?
Immer, wenn ein Produkt mit besonders viel Herzblut hergestellt wird, sich die Gründer zu 100 Prozent ihrer Idee verschreiben und Tag und Nacht am Erfolg arbeiten, dann hat dieses Startup per se schon einmal die besseren Erfolgschancen. Mit diesem Enthusiasmus kann dann auch kein Großkonzern mithalten.

Inwieweit spielt die Story hinter dem Produkt eine Rolle?
Sagen wir es so: Eine gute Story alleine reicht nicht aus, wenn das Produkt nicht gut ist. Denn die Endverbraucher spüren, wenn Gründer hinter ihrer Marke oder ihrem Unternehmen stehen oder es sich um ein erfundenes Konzept einer Marketingagentur handelt.

Was macht denn einen guten Gründer aus?
Ich muss Feuer und Leidenschaft sehen. Aber nicht das Feuer und die Leidenschaft für das schnelle Geld sondern für das Produkt, das der Gründer anbietet. Ein guter Gründer findet eine Lösung für ein Problem, das ihm oder ihr begegnet ist und arbeitet dann hart daran, diese Lösung umzusetzen. Das ist das, was ich spüren muss, um zu investieren.

Nun kommen Sie ursprünglich aus der Technik-Szene. Warum sind ausgerechnet Food-Startups für Sie als Investor so spannend?
Food-Startups passen gut zur Show „Die Höhle der Löwen“. Und bei einem Massenmedium wie dieser Sendung sind Produkte aus dem Lebensmittelbereich für die Zuschauer schneller zu verstehen und wecken damit eine größere Aufmerksamkeit beim Publikum, das diese Produkte am Ende ja bei seinem Händler um die Ecke kaufen soll. Außerdem kann ich bei einem Food-Startup recht schnell einschätzen, ob dieses Produkt auf dem Markt wirklich Erfolg haben kann.

Würden Sie sagen, dass sich durch Ihre Bekanntheit und die der Show Vorteile bei Listungsgesprächen im Handel ergeben?
Definitiv. Wir sind fast jeden Tag in den Medien und daher erreichen unserer Startups eine viel schnellere Bekanntheit als Gründer, die auf eigene Faust arbeiten. Außerdem laufen mit den großen Handelsketten Kooperationen, die uns den Weg ins Regal erleichtern. Aber auch wir haben, im Vergleich zur ersten Staffel, sehr viel lernen müssen.

Was meinen Sie damit?
Zu Anfang konnten wir die Liefermengen und –zeiten unserer Produkte nicht richtig einschätzen. Da war dann dieses eine Produkt, das der Zuschauer aus der Sendung kannte, wir aber noch nicht in Vollauflage liefern konnten. Heute ist es so, dass wir die Produkte zu 99 Prozent bei allen Händlern direkt nach der Show skaliert bekommen.

Wie lange dauert es, bis ein Produkt nach dem abgeschlossenen Deal schlussendlich im Handel landet?
Nach dem abgeschlossenen Deal geht die Arbeit richtig los: Wir sprechen quasi täglich mit den Gründern, mit Produktionspartnern, sichern die Rohware. Und am Ende sind es dann vier bis acht Monate, bis es das Produkt in den LEH schafft. Man darf wirklich nicht unterschätzen, wie viel harte Arbeit dahintersteckt.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie sehr ehrgeizig sind und stets die „Extra-Meile“ gehen. Was treibt Sie an?
Mich begeistern Themen und Menschen. Außerdem bin ich getrieben durch meine Ideen, die mir immer wieder in den Kopf schießen. Die Produkte, Märkte und Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf, treiben mich an.

In den 15 Jahren, die Sie bereits als Investor aktiv sind, haben Sie unzählige Ideen und Produkte gesehen. Gibt es überhaupt noch Ideen oder Produkte, mit denen man Sie überraschen kann?
Absolut. In der Show bin ich immer noch super überrascht, auf welche Ideen Erfinder und Gründer kommen. Ich werde fast täglich überrascht. Und dafür bin ich unfassbar dankbar, dass ich so viele tolle Dinge sehen darf, so viel lernen kann. Auch, dass unsere Startups im LEH einiges aufgemischt haben und durchaus Traffic am PoS generieren. Und Händler, die Startups nicht sinnvoll platzieren, so dass der Kunde weiß, dass er diese Produkte dort bekommt, verpassen diesen Traffic.

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