RUNDSCHAU Round Table AfG: Die neue Genuss-Mentalität

Von Mirko Jeschke | Fotos: RUNDSCHAU | Drucken

In Corona-Zeiten legen viele Konsumenten beim Getränkekauf großen Wert auf Genuss. Unsere Expertenrunde hat über die Halbwertszeit dieses Trends diskutiert, den Stellenwert von Nachhaltigkeit und den Nutzen einer Nährwertkennzeichnung.

THESE 1: CORONA-KONSUM

Trotz der Coronakrise wird sich die Nachfrage nach kalorienärmeren Erfrischungsgetränken weiter verstärken.

Guido Grebe: Unsere zuckerreduzierten Getränke, also leichte Limonaden, entwickeln sich stetig weiter und haben inzwischen eine große Stammverwenderschaft. Auch beim Mineralwasser hatten wir zuletzt auf LEH- und Getränkeabholmarkt-Seite ordentliche Zuwächse. Ich bin davon überzeugt, dass der Trend zu zuckerreduzierten Getränken, sofern die Zuckerreduzierung für den Kunden nachvollziehbar ist, deutlich zunimmt. Gleichzeitig wollen sich die Menschen in diesen Zeiten, wenn sie emotional betroffen sind und oftmals im Homeoffice arbeiten, auch gerne einmal mit einem süßen Produkt belohnen.

Mirco Wolf Wiegert: Dass der Megatrend hin zu kalorienreduzierten Getränken anhalten wird, beobachten wir auch. Gerade unsere Produkte sind jedoch eher Belohnungsartikel. Und dieser Moment der Belohnung wird weiter anhalten. Das heißt: Vollgesüßte Getränke werden noch mindestens diesen Sommer über profitieren.

Bernd Wilger: Ich kann zunächst die von IRI gewonnenen Erkenntnisse bestätigen, dass bislang vor allem klassische alkoholfreie Getränke, die nicht zuckerreduziert oder -frei sind, von der Krise profitiert haben. Allerdings ist das nur eine temporäre Aufnahme. Langfristig dürfte der Trend zu kalorienärmeren alkoholfreien Getränken anhalten.

Marcus Macioszek: Die Themen Gesundheit, Achtsamkeit und eine refl ektierte Lebensweise sind ein Megatrend, der auch in einer Phase wie der aktuellen Pandemie nicht in Turbulenzen gerät. Da passen Belohnungsgetränke dazu, aber auch klassische Basisgetränke wie das Mineralwasser. Im gesamten Wassersegment sehen wir derzeit eine eher positive Entwicklung, was schon beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass die Sommermonate 2018 und 2019 überaus stark waren.

Johannes Ehrnsperger: Genuss ist immer wichtig, besonders in Zeiten, in denen die Menschen sonst auf vieles verzichten müssen. Das zeigt sich in der Coronazeit auch am erhöhten Anteil an süßen Getränken, die für zu Hause gekauft werden. Die Menschen wollen sich trotz Shutdown belohnen und genießen. Solange es die aktuellen Einschränkungen gibt, wird der Trend, sich zu Hause etwas zu gönnen, bleiben. Gleichzeitig bedeutet der Megatrend „gesund leben“ ja eigentlich „bewusst leben“, das heißt, die Menschen wissen auch, wann sie Lebensmittel mit etwas mehr Zucker zu sich nehmen, und tun das dann in kleineren Mengen.

Klaus-Jürgen Philipp: Wir beobachten, dass vor allem die Fruchtsäfte, also 100-prozentige Säft e, zuletzt profitiert haben. Nach Sorten betrachtet hat sich zum Beispiel der Orangensaft besonders stark entwickelt. Es sind also durchaus eher gesündere, vitaminreiche Säfte, die in der Coronazeit zum Wachstum beigetragen haben. Bei einigen Handelspartnern haben wir ein 200- bis 400-prozentiges Wachstum bei einigen Artikeln registriert. Und diese enormen Entwicklungen sprechen dafür, dass der Verbraucher diese Produkte eher als gesunde oder Unterstützungsprodukte für seine Gesundheit angesehen hat.

Macioszek: Bereits nach der Finanzkrise 2008/2009 haben wir eine Entwicklung hin zu Qualität wahrnehmen können, also eine Art selektiven Konsum, bei dem die Leute sehr klare Kaufentscheidungen getroffen haben. Die Menschen haben sich gefragt, welche Produkte ihnen eine Wertigkeit entgegenbringen. Diese Entwicklung dürfte weiter fortschreiten, auch in einer Phase mit leicht rezessiven Tendenzen. Marken, aber auch Händler sollten deshalb die Themen Qualität und Wertigkeit nach vorne stellen und sich gegen Preisangebote weiterhin durchsetzen.

Martin Schneider: Marken werden bei Produkten des täglichen Bedarfs weiterhin eine große Rolle spielen. In einer Rezession müssen die Leute auf andere Dinge verzichten, größere und langfristige Investitionen wie Reisen werden eher zurückgestellt. Nun geht es darum, wie der Alltag zu Hause, das Wochenende gestaltet werden, womit wir wieder beim Thema Belohnung wären. Insofern sehe ich hier eine große Chance gerade für den LEH und die Hersteller, ihre Produkte in dieser Zeit weiter zu fördern und letztlich davon zu profi tieren.

THESE 2: NACHHALTIGKEIT

Das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen wird immer wichtiger. Konsumenten werden dafür aber nicht mehr bezahlen.

Macioszek: An Marken und insbesondere an Qualitätsmarken wird von Konsumentenseite inzwischen sehr stark der Anspruch formuliert: „Ihr müsst euch um das Thema kümmern.“ Aus unserer Perspektive kann heute keine relevante Marke...

Die komplette Diskussionsrunde des Round Table AfG finden Sie in unserem E-Paper.

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Round Table AfG

  • Johannes Ehrnsperger Geschäftsführer Lammsbräu
  • Guido Grebe, Geschäftsführer Gehring-Bunte
  • Marcus Macioszek, Marketingleiter Gerolsteiner Brunnen
  • Klaus-Jürgen Philipp, Geschäftsführer Rabenhorst
  • Martin Schneider, Director Beverages IRI
  • Mirco Wolf Wiegert, Geschäftsführer Fritz-Kulturgüter
  • Bernd Wilger, Inhaber Edeka Wilger
  • Marcelo Crescenti, Chefredakteur RUNDSCHAU
  • Mirko Jeschke, Chef vom Dienst RUNDSCHAU

 

Ausführliche Zahlen der IRI zur Entwicklung der AfG-Branche im ersten Halbjahr 2020 finden Sie hier.