RUNDSCHAU Round Table TK: Enormes Potenzial in der Truhe

Von Mirko Jeschke | Fotos: RUNDSCHAU | Drucken

Seit Beginn der Corona-Krise erfreuen sich TK-Produkte einer besonders großen Beliebtheit. Welche Effekte die Pandemie, aktuelle Ernährungstrends und das Thema Nachhaltigkeit auf die Branche haben, hat unsere Expertenrunde diskutiert.

THESE 1: TREIBER CORONA

In der Pandemie entdecken viele Verbraucher die Vorzüge von Tiefkühlkost neu.

Markus Mischko: Essen ist Balsam für die Seele. In unruhigen Zeiten suchen die Menschen nach Stabilität und wollen gesünder essen. Starke Marken bilden dabei den Anker, an ihnen können sie sich orientieren. Die kennen sie und wissen, was sie in puncto Qualität bekommen. Insgesamt werden die Vorteile von TK bewusster wahrgenommen. Davon wird die Kategorie auch in Zukunft profitieren.

Judit Petit: Corona war ein Booster für die Kategorie TK. Die Verbraucher schätzen aufgrund der aktuellen Einschränkungen wieder die ureigensten Vorteile von Tiefkühlkost – einfache Bevorratung, Frische, Nährwert, Genuss und Geschmack, hochwertige Lebensmittel. Einerseits wollen sich immer mehr Konsumenten auch wegen der Pandemie qualitativ hochwertig und gesund ernähren. Andererseits gibt es diejenigen, die nun auf den Preis schauen müssen. Unsere Kategorie bietet hier für jeden das passende Angebot.

Sabine Weber: Die Frage ist doch, woher kommen die Gewinne eigentlich? Ist das eine Ausweitung von Penetration, ist es Frequenz, ist es Menge pro Einkauf? Wir beobachten, dass ein Großteil der Gewinne über Penetration entsteht. Das heißt, dass neue Haushalte Produkte probiert haben, die sie vorher nicht auf dem Einkaufszettel hatten. Wenn die Konsumenten eine positive Produkterfahrung gemacht haben, dürft en sie dieses Verhalten – Gerichte selbst zuzubereiten und dafür kleine Helfer wie TK-Produkte zu nutzen – durchaus in den Alltag nach der Pandemie mitnehmen.

Markus Engler: Die Pandemie wird eine nachhaltige Wirkung auf das künft ige Verbraucherverhalten haben. Es wird sicherlich Produkte geben, die eher eine Problemlösung darstellen, die etwa die Mittags- oder Zwischenversorgung sicherstellen sollen. Es gibt aber auch Produkte mit einem gewissen Genussfaktor. Das heißt, die Leute holen sich aktuell auch ein Stück weit Urlaubsgefühl nach Hause und lernen das Kochen wieder neu. Dabei entdecken sie ihr Qualitäts- und Gesundheitsbewusstsein und letztlich auch den Genuss.

Sabine Ahrens: Auffällig bei uns ist das exorbitante Wachstum bei Bio-Produkten. Das ist sicherlich dem Gesundheitstrend geschuldet, da sich Konsumenten in der Corona-Krise Lebensmitteln anders widmen. Gleichzeitig haben wir mit Mikrowellenprodukten noch eine ganz junge Warengruppe im Unternehmen. Hier steht die einfache Verwendung im Fokus. Die Mahlzeit muss schnell gehen und auch mal zwischendurch für die Kinder geeignet sein. Auch hier verzeichnen wir ungewöhnlich hohe Wachstumsraten, die seit März, April dauerhaft anhalten.

Andrea Schramm: Neben einer schnellen und einfachen Zubereitung geht es auch um Abwechslung. Wir wollen dem Endverbraucher die Vielfalt mit einem großen Produktportfolio zeigen und ihm damit eine Auswahl geben. Gerade junge Konsumenten dürft en künft ig einen intensiveren Blick in die Tiefkühltruhe wagen. Da man generell nicht mehr so oft , dafür strukturierter einkauft , sind vielleicht auch zunehmend Genussprodukte gefragt, die ein bisschen aus der Reihe schlagen, wie Fingerfood und Snacks.

Sabine Eichner: In der Vergangenheit hatten die Jüngeren ein etwas negativeres Bild von TK. Das ändert sich gerade – und das ist die große Chance. Nun können wir mit einer Vielfalt an hochwertigen Produkten wirklich punkten.

Josef Knappheide: Als sehr handelsmarkenlastiger Hersteller beobachten wir, dass die Verpackungseinheit Kilobeutel, die schon ausgestorben schien, seit März eine totale Renaissance erlebt. Es gab ja zuletzt den Trend hin zu kleineren Verpackungen, zunächst 500 Gramm, dann 250 Gramm und jetzt teilweise noch weniger. Hähnchen-Nuggets etwa laufen wieder im 1.000-Gramm-Beutel. Das heißt, der Verbraucher nutzt, wie wir es früher gesagt haben, die Frische auf Vorrat. Ich bin sicher, dass ein gewisser Anteil dieser Vorratskäufer nach Corona bleiben wird

Marvin Stenzel: Wir sehen ein ganz anderes Bewusstsein bei den Verbrauchern und haben definitiv ein Uplift in den Abverkäufen festgestellt, obwohl wir unser Marketingbudget heruntergefahren haben. Das bedeutet, die Leute befassen sich mit Low-Calorie- und High-Protein-Eis. Beim Thema Genuss fragen sich immer mehr Menschen, was und wie viel sie essen. Der Trend hin zu einer bewussten Ernährungsweise wird anhalten. Keiner wird mehr sagen, jede Menge Fett und Zucker in unseren Produkten sind plötzlich wieder gut.

THESE 2: VEGGIE & SNACKS

Der Trend zu vegetarischen und veganen Produkten sowie Snacks lockt Shopper verstärkt in die TK-Abteilung.

Knappheide: Gerade vegetarische und vegane Produkte werden zurzeit noch vorwiegend gekühlt angeboten. Bei Fleisch und Geflügel wollen alle nur noch...

Die komplette Diskussionsrunde des Round Table Tiefkühlkost finden Sie in unserem E-Paper

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Round Table Tiefkühlkost

  • Sabine Ahrens, Vertriebsleiterin LEH/Discount Schne-frost
  • Dr. Sabine Eichner, Geschäftsführerin Deutsches Tiefkühlinstitut (dti)
  • Markus Engler, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb Costa Meeresspezialitäten
  • Josef Knappheide, Verkaufsleiter LEH Vossko
  • Markus Mischko, Geschäftsführer Vertrieb Iglo
  • Judith Petit, Leiterin Handelsmarketing Nestlé Wagner
  • Andrea Schramm, Head of Marketing International Frostkrone Tiefkühlkost
  • Marvin Stenzel, Vertriebsleiter Pro Delight Food
  • Sabine Weber, Marketing Manager Retail McCain

 

Weiterführende Informationen vom dti zur Entwicklung der TK-Branche finden Sie hier.