Holzoptik, Markthallen-Flair und interaktive Stationen, wohin das Auge reicht. In der Fehrbelliner Straße 29 in Berlin-Spandau hat am heutigen Mittwoch de erste Nachhaltigkeits-Erlebnismarkt von Penny eröffnet. Auf 800 Quadratmetern soll hier bei den Kunden vor allem eines erzeugt werden: Awareness für mehr Nachhaltigkeit. Hierfür sind entlang der Laufwege – vom Eingang bis zur Kasse – 20 Info-Stationen platziert, die die wichtigsten Themen und Meilensteine des Discounters sichtbar, teils auch interaktiv erlebbar, machen.
So werden direkt in der Frische-Abteilung etwa die Vorteile der Naturgut Bio-Helden, den Obst- und Gemüsesorten mit Schönheitsmakeln, erläutert. Eine plakativ platzierte Tonne sensibilisiert Kunden wiederum dafür, dass Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums häufig noch genießbar sind.
Station Nummer zwölf widmet sich einem ganz besonderen Highlight des Erlebnismarktes: den „wahren Kosten“, die an acht Produkten ausgeschildert sind – jeweils für eine konventionelle und eine Naturgut Bio-Variante. Sie zeigen, was die Produkte unter Berücksichtigung bestimmter ökologischer Faktoren wirklich kosten. Hierzu haben Dr. Tobias Gaugler und sein Team von der Universität Augsburg die über die Lieferketten anfallenden Auswirkungen von Stickstoff, Klimagasen und Energie in den wahren Verkaufspreis mit eingerechnet.
Schnell wird deutlich: Die versteckten Kosten sind bei konventionellen Produkten deutlich höher als bei den Bio-Produkten. Ein Appell an die Kunden, zu letzteren zu greifen? „Es wäre wünschenswert, wenn die Kunden diese Schlussfolgerung ziehen“, sagt ein Sprecher des Discounters. In erster Linie wolle man aber mit den „wahren Kosten“ Bewusstsein für entstehende Folgekosten des Konsums erzeugen. „Die Ausschilderung ist ein Experiment. Wir hoffen, dass die Kunden sie trotz ihrer Komplexität verstehen. Wenn dies gelingt, kann über eine Ausweitung des Konzepts nachgedacht werden.“
Bewusstsein statt Bauern-Bashing
Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg betont überdies, dass diese Ausschilderung der hohen Folgekosten, gerade bei konventionell hergestellten Produkten, keineswegs als Bauern-Bashing zu verstehen ist. „Vielmehr soll die Aktion verdeutlichen, dass Landwirte entsprechend bezahlt werden müssen, um umweltschonend produzieren zu können. Hier sehen wir den Staat in der Pflicht. Diese Verantwortungsfrage muss wirtschaftspolitisch angegangen werden.“