Serie zum Mauerfall – Teil II: Wie wichtig ist die ostdeutsche Heritage?

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Pixabay | Drucken

Anlässlich des 30-jährigen Mauerfall-Jubiläums beleuchtet die RUNDSCHAU die Entwicklung damaliger Ostmarken seit der Wende. In Teil II der Serie zum Mauerfall berichten sechs Marken, welche Rolle die ostdeutsche Heritage heute noch für sie spielt.

Darren Ehlert, Vorstand von Halloren, sagt: „Die Heritage spielt eine große Rolle. Sie steckt allein schon im Namen, denn Halloren werden auch die Mitglieder der Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle genannt. Und wir haben mit der Halloren Kugel ein Signature-Produkt, das zu DDR-Zeiten entstanden ist. Doch noch wichtiger ist: Das Unternehmen gab es schon vor der Mauer. Deshalb sehen wir unsere Heritage mehr im Sächsischen als im Ostdeutschen."

Dem stimmt Claudia Heller, Marketingmanagerin von Dr. Quendt, zu: „Regionalität spielt generell eine immer größere Rolle. Insbesondere bei den sächsischen Spezialitäten legen wir großen Wert auf die Originalrezepturen. Wir wollen aber weniger als Ostmarke, sondern als starke Regionalmarke aus Sachsen wahrgenommen werden.“

Auch Dr. Andreas Steffen, Geschäftsführer von Viba-Sweets, zieht die regionalen Wurzeln dem Ost-Image vor: „Die ostdeutsche Herkunft ist für uns weniger bedeutend. Aber selbstverständlich sehen wir uns als Thüringer Hersteller. Unser Produkt hat als wesentliche ergebende Zutaten Haselnüsse und Kakao. Beides sind Rohstoffe, die nicht in Thüringen und bei Haselnüssen auch nicht in ausreichender Qualität und Quantität in Deutschland zur Verfügung stehen. Daher steht bei uns Qualität und Genuss im Fokus der Kommunikation. Mit unseren eigenen Viba-Läden zeigen wir schon die regionale Flagge - immerhin befinden sich fast 50 Prozent unser mittlerweile 41 Läden in Thüringen.“

Marco Thiele, Geschäftsführer von Kathi, berichtet, dass auch das für Backmischungen bekannte Unternehmen in der Region verwurzelt ist: „Wir sind stolz auf unsere Heimat, aber es sind unsere Produkte, welcher in ihrer Qualität den Verbraucher überzeugen müssen. Unser Erfolgsrezept besteht daher vor allem aus Leidenschaft, Innovation und Backkompetenz. Als mittelständisches und in dritter Generation inhabergeführtes Familienunternehmen ist Kathi aber seit jeher fest in seiner Heimatregion verwurzelt. Diese besondere Verbundenheit mit der Region ist fest in der Firmenphilosophie verankert und spiegelt sich in allen Bereichen des Unternehmens wider: ob Sponsoring, Teilhabe an der städtischen Gestaltung oder der Bezug von regionalen Rohstoffen sowie die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen.“

Und auch Volker Leonhardi, Marketingverantwortlicher der Develey Senf & Feinkost GmbH, betont, wie wichtig die Heimatverbundenheit für Bautz’ner ist: „Die regionale Verbundenheit ist uns sehr wichtig. Daher baut Bautz’ner die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern kontinuierlich aus: Heute stammt ein Großteil der verwendeten Senfsaat von unseren Vertragsbauern aus der Oberlausitz und aus Mecklenburg-Vorpommern. Somit beträgt der Anteil der regionalen Saat knapp die Hälfte des Gelbsenfbedarfs für den Bautz’ner Mittelscharf. Auch das regionale Engagement ist der Traditionsmarke wichtig.“

Christof Queisser, Geschäftsführer von Rotkäppchen-Mumm, setzt wiederum auf nationale Aktivitäten: „Die Heimat unserer Marke Rotkäppchen ist Freyburg (Unstrut) in Sachsen-Anhalt. Hier schlägt das Herz der Rotkäppchen Sektkellerei, die jährlich von rund 100.000 Fans aus ganz Deutschland besucht wird. Darauf sind wir sehr stolz. Doch für die Markenkommunikation von Rotkäppchen hat die Heritage noch nie eine aktive Rolle gespielt. Heute ist Rotkäppchen für Fans in ganz Deutschland eine Love-Brand, die mit nationalen Aktivitäten am POS, Events und auch in Social Media immer wieder begeistert.“

Mehr zum Thema „Mauerfall: 30 Jahre danach“ lesen Sie in der November-Ausgabe der RUNDSCHAU.

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