Serie zum Mauerfall – Teil III: Ist der deutsche Lebensmittelhandel zusammengewachsen?

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Pixabay | Drucken

Anlässlich des 30-jährigen Mauerfall-Jubiläums beleuchtet die RUNDSCHAU, wie sich die damaligen Ostmarken heute behaupten. In Teil III der Serie zum Mauerfall hat die RUNDSCHAU sie gefragt, ob der deutsche Lebensmittelhandel in ihren Augen zusammengewachsen ist. Fest steht: Die Meinungen gehen auseinander.

Christof Queisser, Geschäftsführer von Rotkäppchen-Mumm: „Ja, der deutsche Lebensmittelmarkt ist zusammengewachsen, große Unterschiede beim Einkaufsverhalten der Menschen sind in ganz Deutschland kaum zu beobachten. Bestes Beispiel hierfür ist auch wieder der Erfolg von Rotkäppchen. In ganz Deutschland gehört Rotkäppchen einfach dazu, wenn Menschen miteinander besondere Momente genießen.“

Dr. Andreas Steffen, Geschäftsführer von Viba-Sweets: „Nein, nicht wirklich. Das hat aber unterschiedliche Ursachen. Da spielt die Markenbekanntheit eine Rolle genauso wie Verzehrgewohnheiten. Lakritze kann man auch nicht in ganz Deutschland gleich stark verkaufen.“

Darren Ehlert, Vorstand von Halloren: „Der Lebensmittelmarkt ist zwar seit der Wende zusammengewachsen, doch heute sind es Argumente wie Regionalität, die Produkte aus der Region besonders punkten lassen. Die Halloren Kugel ist deutschlandweit im Lebensmittelhandel zu finden, aber im Osten erfreut sie sich einfach einer besonderen Beliebtheit. Hier befindet sich unsere stärkste Kundengruppe.“

Claudia Heller, Marketingmanagerin von Dr. Quendt: „Im Zuge der Globalisierung kann man Deutschland auch als Region verstehen. Insofern sind wir der Meinung, dass dem so ist. Natürlich haben aber die Verbraucher in der engeren Region, also Mitteldeutschland, eine stärkere Verbindung zu unseren Produkten.“

Volker Leonhardi, Marketingverantwortlicher der Develey Senf & Feinkost GmbH: „Prinzipiell ja, aber die Geschmäcker der Verbraucher sind natürlich regional unterschiedlich. Das ist auch mit Kindheitserinnerungen verknüpft. So wird in den östlichen Bundesländern mehr Bautz´ner Senf konsumiert als im übrigen Deutschland. Wir bei Bautz´ner reagieren auf diesen Trend und stellen zum Beispiel Spezialitätensenfe wie den Kosakensenf oder den Kremser Senf sowie die eingeweckten Delikatessen speziell auf die ostdeutschen Vorlieben abgestimmt her.“

Marco Thiele, Geschäftsführer von Kathi: „Unsere Beobachtung ist, dass es nach wie vor große Unterschiede zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland im Lebensmittelmarkt gibt. Wir sehen dies vor allem in der noch geringen Bekanntheit unserer Marke in Westdeutschland begründet. Als inhabergeführtes und mittelständisches Familienunternehmen fehlt uns die finanzielle Schlagkraft, die für große nationale Werbekampagnen benötigt wird. In den ostdeutschen Bundesländern sind die Menschen dagegen mit Kathi Backmischungen aufgewachsen, sie kennen und schätzen unsere Produkte und sind emotional auf besondere Weise mit ihnen verbunden. Unser Selbstverständnis als Marke, die überzeugende Produktqualität verbunden mit authentischen Werten, ist jedoch auch eine Chance für Wachstum über regionale Grenzen hinaus.“

Mehr zum Thema „Mauerfall: 30 Jahre danach“ lesen Sie in der November-Ausgabe der RUNDSCHAU.

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