Coronavirus bei Tönnies: Klimaanlage ist bisher übersehener Risikofaktor

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Pixabay | Drucken

Ein Hygiene-Experte hat bei einem Tönnies-Besuch einen bislang übersehenen Risikofaktor identifiziert, auf den die Corona-Infektionen in fleischverarbeitenden Betrieben zurückzuführen sein könnten: die gekühlte Umluft in Zerlegebereichen.

Bei einem Besuch bei Tönnies im Kreis Gütersloh hat der Hygiene-Experte Martin Exner einen bisher unbekannten Risikofaktor in fleischverarbeitenden Betrieben entdeckt. Seinen Erkenntnissen zufolge ist die Corona-Infektionsrate insbesondere in Zerlegebereichen hoch, weil die auf sechs bis zehn Grad Celsius heruntergekühlte Raumluft durch Klimaanlagen zirkuliert, ohne aufbereitet oder mit Frischluft angereichert zu werden. Die Filtersysteme sind zudem nicht in der Lage, Viren zurückzuhalten. „Umluft kann ein Aerosol in Bewegung halten. Das ist ein bislang übersehener Risikofaktor“, erklärt Exner. Bestimmungen, die Klimaanlagen betreffen, seien daher auch bisher in keiner Regulierung aufgeführt.

Neben den klassischen Maßnahmen wie der Abstandswahrung und dem Tragen von einem Mundschutz würden daher auch entsprechende Systeme wie eine Hochleistungsfiltration oder eine Behandlung mit UV-Licht notwendig werden, um das Coronavirus aufzuhalten. Auch bei anderen fleischverarbeitenden Betrieben müsse dieser Risikofaktor nun überprüft werden, so Exner.

1553 Corona-Infizierte bei Tönnies: Bisher galten Werkverträge als des Übels Wurzel

Bei Tönnies haben sich bisher mehr als 1550 Mitarbeiter im Werk Rheda-Wiedenbrück mit dem Coronavirus infiziert. Bisher wurde die hohe Infektionsrate auf die Arbeitsbedingungen der Werkvertragsmitarbeiter zurückgeführt, weshalb der Fleischkonzern sowie zahlreiche andere Player der Branche zu Beginn dieser Woche verkündeten, ab Januar 2021 auf Werkverträge zu verzichten.

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