EHI-Studie: Schäden durch Ladendiebstahl gestiegen

Von Mirko Jeschke | Fotos: Unternehmen | Drucken

Rund 3,8 Milliarden Euro sind dem deutschen Handel im vergangenen Jahr durch Diebstahl entgangen. Dies zeigt eine Studie des EHI Retail Institute. Insgesamt beliefen sich die Inventurdifferenzen auf 4,4 Milliarden Euro.

Trotz hoher Investitionen in Prävention und Sicherheitsmaßnahmen mussten Handelsunternehmen im vergangenen Jahr nach Angaben des EHI Retail Institute enorme Inventurdifferenzen hinnehmen: „4,4 Milliarden Euro entgingen 2019 dem Handel durch Diebstähle und organisationsbedingte Verluste – das sind rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr“, kommentiert EHI-Sicherheitsexperte Frank Horst die Ergebnisse der aktuellen Studie „Inventurdifferenzen im deutschen Handel 2020“. Rein statistisch gesehen "wird durch jede Person in Deutschland ein Warenwert von knapp 30 Euro pro Jahr gestohlen.“

Schaden durch Diebstahl

Den Angaben zufolge steckt hinter den hohen Zahlen vor allem Diebstahl. Von den 4,4 Milliarden Euro Inventurverlusten (branchengewichtete Hochrechnung für den gesamten deutschen Einzelhandel) entstehen 3,75 Milliarden durch Entwendung. Waren im Wert von 2,44 Milliarden Euro werden durch Kundinnen und Kunden gestohlen, 950 Millionen werden von eigenen Mitarbeitenden entwendet und 360 Millionen Verlust gehen auf Diebstähle durch Lieferanten und Servicekräfte zurück.

660 Millionen Euro Schaden entstehen durch organisatorische Mängel, etwa durch falsche Preisauszeichnung. Dem Staat entsteht mit dem Diebstahl ein volkswirtschaftlicher Schaden von 510 Millionen Euro im Jahr durch die Mehrwertsteuer Ausfälle.

Die Inventurdifferenzen führen beim Einzelhandel zu erheblichen Einbußen bei der Rendite. Setzt man die entgangenen Verkaufspreise in Bezug zum Bruttoumsatz entsprechen sie in branchengewichteter Hochrechnung einem Wert von rund ein Prozent des Umsatzes. Zusammen mit den Ausgaben für Diebstahlprävention und Sicherungsmaßnahmen entgeht dem Handel so rund 1,32 Prozent seines Umsatzes.

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Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind die angezeigten Ladendiebstähle 2019 um 3,9 Prozent auf insgesamt 325.786 Fälle (Vorjahr 339.021) zurückgegangen. Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle seit 1997 nahezu kontinuierlich gesunken ist, haben sich schwere Ladendiebstähle in den letzten 13 Jahren nahezu verdreifacht. Durch die hohe Dunkelziffer von über 98 Prozent besitzt die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit.

Aus dem durchschnittlichen Schaden aller angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergibt sich, dass jährlich rechnerisch über 22,2 Millionen Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von 110 Euro unentdeckt bleiben. Klaurenner variieren – je nach Handelsbranche und Unternehmen – von Akkus und alkoholischen Getränken bis Zahnbürstenaufsätzen und Zigaretten.

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