Lebensmittelsicherheit: Coffee-to-go-Becher bergen gesundheitliche Risiken

Von Nilofar Eschborn | Fotos: RUNDSCHAU | Drucken
  • "Lebensmittelsicherheit" "BVL"

    v.l.: Dr. Georg Schreiber (BVL), Prof. Dr. Michael Kühne (Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz), Dr. Helmut Tschiersky (BVL) und Nina Banspach (BVL)

Erst wurden sie als umweltfreundliche Alternative gelobt, nun sind sie als gesundheitsschädliches Produkt verschrien: Coffee-to-go-Becher und anderes Geschirr aus Bambus oder Mais übertragen bei hohen Temperaturen bedenklich viel Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel. Das ist eines der Ergebnisse amtlicher Überwachungen von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen 2018.

Der Genuss heißer Getränke oder Speisen aus Geschirr aus vermeintlich natürlichen Rohstoffen wie Bambus oder Mais birgt gesundheitliche Risiken wie Nierenschäden und Magenentzündungen. Darauf weist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag hin. Der gewöhnliche Coffee-to-go-Becher aus Bambus beispielsweise, den auch Handelsketten wie Rewe oder Edeka in ihrem Sortiment führen, enthält Melamin und Formaldehyd, das bei höheren Temperaturen in gesundheitlich bedenklichen Mengen in Lebensmittel übergehen kann. Genauer wurde der spezifische Migrationsgrenzwert für Melamin bei Schwerpunktuntersuchungen der Bundesländer im vergangenen Jahr in einem Viertel der Proben überschritten. Für Formaldehyd war dies in elf Prozent der Proben der Fall.

Für den Genuss von Heißgetränken wie Kaffee oder Tee ist die vermeintlich nachhaltige Alternative zu Einwegbechern also weniger zu empfehlen. Das heiße aber keinesfalls, dass der Weg zurück zum Plastik führt, betont BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky: „Die beste Lösung ist, Mehrwegbecher aus Edelstahl, Silikon oder Keramik zu verwenden.“

Bio-Putenfleisch enthält seltener antibiotikaresistente Keime

Ein weiterer Schwerpunkt der amtlichen Lebensmittelüberwachung lag 2018 auf Bio-Putenfleisch. Hier setzen sich die Ergebnisse aus den Vorjahren, in denen unter anderem Hähnchenfleisch untersucht wurde, fort: So wurden in Proben aus ökologisch wirtschaftenden Mastputenbetrieben und insbesondere in Proben von ökologisch erzeugtem Putenfleisch antibiotikaresistente Keime deutlich seltener nachgewiesen als in Proben aus der konventionellen Produktion. „Die Ergebnisse des Zoonosen-Monitorings 2018 verdeutlichen, dass die Anstrengungen, den Antibiotikaeinsatz beim Geflügel durch Verbesserungen der Tiergesundheit zu senken, weiter verstärkt werden müssen“, betont Prof. Dr. Michael Kühne, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, im Namen der Bundesländer.

Diskussion um Wilke-Skandal

Neben weiteren Schwerpunkten der Untersuchungen – nämlich Hygienemängeln in Großküchen und der Verbrauchertäuschung beim Döner-Verkauf – rückte auch der Wilke-Skandal in den Fokus der Diskussionen. Drei Menschen sind inzwischen verstorben, weil sie mit Listerien verseuchte Produkte des hessischen Wurstherstellers verzehrt haben. Entsprechend kritisiert wird nun das System der Lebensmittelkontrollen. Prof. Dr. Kühne kommentiert: „Wir brauchen keine neuen Organisationsstrukturen. Die Landkreise sind jederzeit in der Lage, eine Taskforce einzuschalten – und diese handelt sehr schnell. Was wir brauchen, ist deutlich mehr Personal. Es wird nur leider zunehmend schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“

Food Authent für mehr Sicherheit und Klarheit

Eine Folge von Skandalen wie um Wilke ist das getrübte Verbrauchervertrauen. Um genau das wieder zu festigen, will das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderte Projekt Food Authent einen praxistauglichen Lösungsansatz für die Kontrolle der Produkt-Echtheit bieten, indem ein chemischer Fingerabdruck der Lebensmittel erfasst wird. Mit dem Vergleich unverfälschter Lebensmittel können dann Abweichungen wie etwa der Zusatz chemischer Substanzen ermittelt – und verfälschte Lebensmittel einfacher identifiziert sowie verhindert werden.

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