Mehrweganteil bei Getränken sinkt weiter

Von Mirko Jeschke | Fotos: kelifamily / fotolia.de | Drucken

Die Abfüllung von Getränken in Mehrwegflaschen hat in Deutschland mit 42 Prozent einen neuen Tiefstand erreicht. Das gab das Umweltbundesamt (UBA) heute bekannt. Damit liegt der Mehrweganteil nach wie vor deutlich unter den gesetzlich vorgegebenen 70 Prozent. In einem Interview spricht UBA-Verpackungsexperte Gerhard Kotschik über die Folgen dieser Entwicklung und gibt Handlungsempfehlungen für Verbraucher ab.

Herr Kotschik, das Umweltbundesamt hat die jüngsten Zahlen der Getränkeabfüller ausgewertet: Was ist dabei herausgekommen?

Kotschik: "Auch im Jahr 2017 sind die Mehrweganteile weiter gesunken. Es gibt nur noch 42 Prozent Mehrweganteile, das sind 0,5 Prozent weniger als im Jahr 2016. Nur beim Bier haben wir noch einen recht hohen Mehrweganteil, mit etwa 82 Prozent. Bei Wässern und Erfrischungsgetränken ist es deutlich weniger."

Wie beziehungsweise worin werden die meisten Getränke denn inzwischen abgefüllt?

Kotschik: "Die meisten Getränke werden heute in Einwegkunststoffflaschen abgefüllt. 52 Prozent werden insgesamt in diesen Einwegflaschen, die mit 25 Cent Pfand belegt sind, abgefüllt. Auch die Dosen nehmen in letzter Zeit wieder zu, Einweg-Glasflaschen haben nur eine relativ geringe Bedeutung mit unter einem Prozent."

Wo sehen Sie das Hauptproblem der Einweg-Getränkeverpackungen?

Kotschik: "Einweggetränkeverpackungen erzeugen sehr viel Müll. Mehr als 25 Prozent der Verpackungsabfälle von privaten Endverbrauchern sind von Getränken. Mit Mehrweggetränkeverpackungen kann man diese Abfälle vermeiden. Und wenn man sie aus der Region wählt, dann vermeidet man auch unnötige Transportentfernungen."

Aus Umweltschutzsicht ist Mehrweg also der deutlich bessere Weg?

Kotschik: "Genau, die Vermeidung von Abfällen steht vor dem Recycling. Die Mehrweg-Glasflaschen können 50-mal befüllt werden, die Mehrweg-PET-Flaschen 20-mal - und damit wird sehr viel Abfall vermieden."

Seit dem 1. Januar 2019 gilt ein neues Verpackungsgesetz, das unter anderem auch Getränke-Mehrwegsysteme fördern soll. Was hat das bisher gebracht?

Kotschik: "Das Verpackungsgesetz wurde mit dem Fokus erarbeitet, mehr Recycling aus Verpackungen aus dem gelben Sack und den gelben Tonnen zu etablieren, eine zentrale Stelle 'Verpackungsregister' zu etablieren, die hier eine Aufsicht hat. Für Getränkeverpackungen hat sich geändert, dass wir eine Kennzeichnung am Regal haben, das führt zu mehr Transparenz bei den Verbrauchern, ob sie Einweg oder Mehrweg kaufen. Effektiv auf die Mehrweganteile wird es sich wahrscheinlich nicht so stark auswirken."

Und was können wir Verbraucher tun?

Kotschik: "Verbraucher sollten beim Einkaufen Mehrweg-Getränkeverpackungen bevorzugen. Man erkennt sie heute auch am Regal, es ist gekennzeichnet: Einweg oder Mehrweg. Mehrwegflaschen aus der Region vermeiden auch Transportentfernungen und schneiden aus Umweltsicht immer am besten ab."

Mehrweganteil bei Getränken 2017 weiter gesunken

Der Anteil von Mehrweggetränkeverpackungen ist über die letzten Jahre kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2017 wurden nur rund 42 Prozent der Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt. Der Anteil von Mehrwegflaschen lag damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Wert von 2016. Im Jahr 2010 lag er noch bei 48 Prozent. Da Getränkeverpackungen mehr als ein Viertel der deutschen Verpackungsabfälle ausmachen, würde ein höherer Mehrweganteil den Verpackungsabfall auch insgesamt deutlich reduzieren. Aus Umweltschutzsicht ist Mehrweg laut UBA der bessere Weg: Glasmehrwegflaschen können 50-mal und PET-Mehrwegflaschen 20-mal befüllt werden. Mehrwegflaschen aus der Region schneiden wegen geringer Transportemissionen aus Umweltschutzsicht am besten ab. Sie vermeiden unnötige Abfälle und sparen Energie und Rohstoffe.

Die meisten Getränke werden mittlerweile in Einwegkunststoffflaschen abgefüllt: Der Marktanteil liegt bei etwa 52 Prozent. Dosen erreichten einen Marktanteil von circa vier Prozent. Getränkekartons und Standbodenbeutel haben einen Anteil von etwa 1,5 Prozent. Einwegglasflaschen liegen in den pfandpflichtigen Getränkesegmenten bei deutlich unter einem Prozent.

Eine Ausnahme bei den geringen Mehrweganteilen bildet allein Bier, wo der Mehrweganteil bis heute noch bei knapp 82 Prozent liegt ist. Doch auch hier wird öfter zur Dose gegriffen: 2010 lag der Mehrweganteil noch bei gut 88 Prozent.

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