Vier zentrale Fragen rund um Fleisch in Corona-Zeiten

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Pixabay | Drucken

Die Fleischbranche ist in diesen Tagen besonders von der Corona-Krise betroffen. Doch warum eigentlich genau diese Branche? Müssen Verbraucher nun eine Infektion über den Verzehr von Fleisch befürchten? Es folgen Antworten auf vier zentrale Fragen rund um Fleisch in Corona-Zeiten.

Frage 1: Warum ist die Corona-Infektionsrate in fleischverarbeitenden Betrieben so hoch?

Zunächst gerieten Tönnies und Co ins Kreuzfeuer der Kritik, weil in den fleischverarbeitenden Betrieben zahlreiche Werkvertragsmitarbeiter beschäftigt sind. Die Wohnsituation dieser Mitarbeiter ist oft prekär, da sich mehrere Personen eine Wohnung teilen. Zahlreiche Player der Branche, darunter auch Tönnies, haben daraufhin angekündigt, ab Januar 2021 auf Werkverträge zu verzichten. Doch nun entpuppt sich noch ein bisher übersehener Risikofaktor als mögliche Wurzel des Übels: die gekühlte Umluft in Zerlegebereichen. Vor allem in diesem Bereich ist die Corona-Infektionsrate dem Hygiene-Experte Martin Exner zufolge hoch, weil die auf sechs bis zehn Grad Celsius heruntergekühlte Raumluft durch Klimaanlagen zirkuliert, ohne aufbereitet oder mit Frischluft angereichert zu werden. Die Filtersysteme sind zudem nicht in der Lage, Viren zurückzuhalten. „Umluft kann ein Aerosol in Bewegung halten. Das ist ein bislang übersehener Risikofaktor“, erklärt Exner. Bestimmungen, die Klimaanlagen betreffen, seien daher auch bisher in keiner Regulierung aufgeführt. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter recht schwerer körperlicher Arbeit ausgesetzt sind und wegen lauter Geräusche auch schreien müssen, um zu kommunizieren – was wiederum Aerosole freisetzt.

Frage 2: Was genau sind eigentlich Werkverträge?

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes verpflichtet sich bei Werkverträgen ein Auftragnehmer gegenüber einem Auftraggeber zur Erstellung eines Werkes gegen Zahlung eines Werklohns. Der Auftragnehmer handelt dabei unternehmerisch selbstständig. Er entscheidet selbst, wie, mit wie vielen Leuten und mit welchem Zeitaufwand er die Arbeit erledigt. Außerdem wird die Arbeit nach dem Ergebnis beurteilt und nicht nach dem Aufwand der geleisteten Arbeit.

Frage 3: Geht von dem Fleisch aus den betroffenen Betrieben eine Gefahr für Verbraucher aus?

Der Lebensmittelverband Deutschland ist sich sicher: Das Fleisch könne bedenkenlos verzehrt werden. Dr. Sieglinde Stähle aus dem Bereich Wissenschaftliche Leitung erklärt: „Selbst wenn in den Betrieben möglicherweise kurzfristig unwissentlich infizierte Personen beschäftigt sind oder waren, geht von dem dort gewonnenen Fleisch und den daraus hergestellten Produkten keinerlei Infektionsrisiko aus.“ Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass Coronaviren über Frischfleisch bis zu den Kunden gelangen, dennoch seien selbstverständlich im Umgang mit frischem Fleisch grundsätzliche Hygiene- und Zubereitungsregeln zu beachten. Zum Beispiel, dass man sich gründlich die Hände waschen sollte, nachdem man rohes Fleisch angefasst und geschnitten hat und dass man verschiedene Schneidebretter für Fleisch und andere Zutaten verwendet beziehungsweise das Schneidebrett und Schneidewerkzeug gut reinigt. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung beruhigt: „Coronaviren können sich in oder auf Lebensmitteln nicht vermehren; sie benötigen dazu einen lebenden tierischen oder menschlichen Wirt. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt wäre deshalb eine Übertragung durch Schmierinfektion nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination theoretisch denkbar.“ Beim derzeitigen Ausbruch mit SARS-CoV-2 spiele der oral-alimentäre Übertragungsweg durch den Verzehr von Fleischwaren nach dem jetzigen Stand des Wissens keine Rolle.

Frage 4: In welchen Produkten steckt beispielsweise Tönnies-Fleisch?

Einige Verbraucher bleiben skeptisch und fragen sich, in welchen Produkten beispielsweise Tönnies-Fleisch verarbeitet wurde. Immerhin ist die Wertschöpfungskette einiger Fleischerzeugnisse nicht für jeden Kunden direkt ersichtlich. So steckt Tönnies-Fleisch beispielsweise in Produkten der Lidl- und Aldi-Eigenmarken „Landjunker“ und „Meine Metzgerei“, aber auch bei Rewe und Edeka ist es unter anderem in Gutfried-Produkten oder Tillman’s Toasty enthalten. In jedem Fall handelt es sich um Tönnies-Erzeugnisse, wenn die Produktverpackung mit den ovalförmigen Identitätskennzeichen NW 20202 EG, NW 20028 EG oder NW 20045 EG gekennzeichnet ist.

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