Weniger Lebensmittelkontrollen trotz Wilke-Skandal

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Unternehmen | Drucken
  • "Julia Klöckner" "BMEL"

    Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, steht wegen des Referentenentwurfs unter Foodwatch-Kritik.

Einem neuen Referentenentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zufolge müssen Lebensmittelaufsichtsbehörden künftig seltener Pflichtkontrollen durchführen. Foodwatch entgegnet diesem Entwurf mit lauter Kritik.

Lebensmittelaufsichtsbehörden müssen künftig seltener Regelkontrollen bei Herstellern, Gaststätten und Händlern durchführen. Das geht aus einem neuen Referentenentwurf des BMEL hervor. Demnach würde künftig auch der Wursthersteller Wilke, der mit verseuchter Wurstware inzwischen drei Todesfälle zu verantworten hat, ebenfalls nur noch vierteljährlich anstatt monatlich kontrolliert werden.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert diesen Entwurf und sieht darin eine massive Schwächung der Lebensmittelkontrollen sowie ein erhöhtes Risiko für die Verbraucher. „Wenn es an Personal mangelt, wäre die naheliegende Lösung doch, mehr Personal in den Ämtern einzustellen – stattdessen will Frau Klöckner nun die Kontrollhäufigkeit dem Personalmangel anpassen“, erklärt Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Eine effizientere Lebensmittelkontrolle sei nur zu erreichen, indem ausreichend Personal eingestellt und die Transparenz über alle Kontrollergebnisse geschaffen werde, betont er.

Das BMEL dementierte auf Anfrage des Nachrichtenmediums Welt, dass die Zahl der Lebensmittelkontrollen insgesamt sinken werde. Vielmehr gehe es darum, die Kontrollen auf Betriebe mit höherem Risiko zu verlagern: Es solle weniger Regelbesuche bei unauffälligen Betrieben geben, somit gebe es mehr Spielraum, um auffällige Betriebe häufiger zu kontrollieren. Foodwatch erwartet allerdings, dass durch eine Verringerung der vorgegebenen Routinekontrollen künftig noch stärker als bisher am Personal gespart wird.

Zu wenig Lebensmittelkontrolleure

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Lebensmittelsicherheit am heutigen Dienstag bestätigte auch Prof. Dr. Michael Kühne, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, dass die Lebensmittelkontrollinstanzen unter Personalmangel leiden: „Wir brauchen keine neuen Organisationsstrukturen, aber deutlich mehr Personal. Es wird nur leider zunehmend schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“

Food Authent für mehr Sicherheit und Klarheit

Derweil hat das BMEL einen anderen Ansatz für mehr Lebensmittelsicherheit gefördert: Das Projekt Food Authent will einen praxistauglichen Lösungsansatz für die Kontrolle der Produkt-Echtheit bieten, indem ein chemischer Fingerabdruck der Lebensmittel erfasst wird. Mit dem Vergleich unverfälschter Lebensmittel können dann Abweichungen wie etwa der Zusatz chemischer Substanzen ermittelt – und verfälschte Lebensmittel einfacher identifiziert sowie verhindert werden.

„Ob dieser innovative Ansatz von Marktteilnehmern oder Behörden aufgegriffen wird, muss sich zeigen. Eine Garantie dafür gibt es nicht“, sagt Projektmitarbeiter Matthias Filter vom Bundesinstitut für Risikobewertung. „Unser übergeordnetes Ziel ist, den breiten Einsatz der Fingerprinting-Technologie in der Lebensmittelwirtschaft zu fördern, weil damit der Lebensmittelkriminalität bzw. dem Lebensmittelbetrug (Food Fraud) effektiv vorgebeugt werden kann.“

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