Artikel

Alternativen im Trend

Veggie und Veganes füllen zunehmend die Regale - wir stellen eine Auswahl der aktuellsten Lancierungen vor.

Außerdem drei Fragen an PHW-Vorstand Marcus Keitzer über das Fleisch der Next Generation: Cultured Meat.

Von Sibylle Menzel | Fotos: AdobeStock/A. Bruno

Die Nachfrage wächst: Veggie, so die Konsumforscher von GfK, hat 2021 eine Käuferreichweite von 50 Prozent erreicht, 12 Prozentpunkte mehr als 2019, im gleichen Zeitraumvergleich legte der Umsatz um 103 Prozent zu. Unter Veggie subsumiert GfK unter anderem Fleisch und Käseersatz, vegetarische Brotaufstriche, vegane Pizza oder TK-Snacks.

Innovatives kommt gut an, Beispiel Tiefkühlkost: „Im TK-Bereich beeindruckt aktuell die positive Entwicklung bei den Fischersatzprodukten, die es erst seit 2020 im Markt gibt“, stellt Martin Weiß, Experte für Tiefkühlkost bei GfK, fest.

Was gibt es Neues auf dem Markt? Nachfolgend stellen wir eine ganze Reihe der jüngsten Lancierungen aus verschiedenen Warengruppen vor. Auch in der Mai-Ausgabe der RUNDSCHAU für den Lebensmittelhandel gibt es eine Vielzahl neuer Produkte zu entdecken, Außerdem gehen wir der Fragen nach, wie die Produktvielfalt bestmöglichst platziert werden kann. Verkaufen Sie es gut!

 


 

Das neue, vegane Saatenbrot von Alnavit wird aus glutenfreien Hafervollkornflocken, Hirse und wertvollen Saaten gebacken.
Bresso 100% Pflanzlich wird auf Mandelbasis hergestellt. In den Sorten Knoblauch & Kräuter (Abb.) und Kirschtomate & Chili.
Seit Mai bietet Dr. Oetker eine neue, pflanzliche Alternative zum Kochen und Verfeinern: Creme Vega mit Gartenkräutern.
Barista de Coco ist neu im Sortiment von Dr. Georg - eine pflanzliche Alternative für Milchschaumgenuss.
Ab Juni 2022 setzen Kühldisplays von endori Kaufimpulse für die pflanzlichen Fleisch- und Fischalternativen.
Das Produkt-Portfolio von Lätta bekommt Verstärkung: Die neue Lätta Vegan ist das erste rein pflanzliche Produkt der Marke.
Die Joghurt-Alternativen LUGHURTs der Marke LUVE von Prolupin bringt ein zuckerfreies Produkt in den Handel. Außerdem wird der Zuckergehalt bei den Fruchtvarietäten reduziert.
Zuwachs im MaxiNutrition-Sortiment: MaxFive ist eine Range veganer Lifestyle Drinks in vier fruchtigen Sorten.
Natuco kommt mit Suppen, Würzmixe, Saucen und Brühen in Bio-Qualität in den Handel: Hohe Gemüseanteil, der Fleischanteil stammt von Freilandhühnern und Weiderindern.
Obela geht auf Gewürzreise: Das vegane Hummus Indischer Art ist mit Mango und würzigem Curry verfeinert.
Klassischer Geschmack von Mett mit leichter Zwiebelnote: Die Vegane Pommersche fein von der Rügenwalder Mühle ist auf Basis von Erbsen hergestellt.

"Die Akzeptanz ist unverzichtbar"

Wie sieht die Zukunft von alternativen Proteinquelle wie Cultured Meat aus? Drei Fragen an PHW-Vorstand Marcus Keitzer:

Wie könnte Verbrauchern das Verständnis bzw Akzeptanz von Cultured Meat (CM) schmackhaft gemacht werden?

Das Thema Ernährung ist von Tradition und Gewohnheit geprägt. Daher ist die Akzeptanz von Cultivated Meat in der Bevölkerung für eine erfolgreiche Transformation unverzichtbar. Aus unserer Sicht kann in diesem Prozess eine gemeinsame Kommunikation von Politik und Ernährungswirtschaft ein wesentlicher Hebel sein, um die Verbraucher hinsichtlich der potenziellen Vorteile von CM aufzuklären. Denn aus einer Nahrungsmittelquelle allein wird der Protein-Bedarf der wachsenden Bevölkerung mit prognostizierten 10 Milliarden Menschen in 2050 nicht gedeckt werden können.

Die Bewertung jedes Rohstoffes muss den Maßstäben der Nachhaltigkeit mit den entsprechenden Säulen Ökologie, Ökonomie und der sozialen Komponente unterliegen. Umweltauswirkungen und Tierwohl sind wichtige Schlüsselbereiche. Als mögliche Vorteile von CM bezogen auf Klima und Ressourcenschonung gelten z.B. die geringeren CO2-Emissionen im Vergleich zu Rind und Schwein, auf dem Niveau von Hähnchen, wie eine Studie von CE Delft nahelegt. Eine emotionale Komponente wird von CM über alle Fleischarten hinweg bedient, dass eben kein Tier getötet werden muss. Wir sehen CM in der Zukunft nicht als Substitut, sondern als ergänzende, hochwertige Proteinquelle.

Wie beurteilen Sie denn den Einfluss, den Corona auf die Einstellung der Verbraucher bezüglich konventionellem Fleisch genommen hat?

Bereits seit mehr als zehn Jahren geht der Verbrauch an Schweinefleisch in Deutschland kontinuierlich zurück: Das ist erstmal kein Corona-Effekt. Diese Rückgänge wurden lange Zeit durch die hohen Zuwächse im Geflügelfleischverbrauch kompensiert und zum Teil überkompensiert. Das gelang in den letzten drei Jahren nicht mehr vollständig.

Sicherlich haben Faktoren wie „Friday‘s for Future“ und daran anknüpfend Corona in vielen Märkten für Veränderungen gesorgt und auch Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei Konsumenten bewirkt.

Wir beobachten, dass sich der Trend zu bewusster und nachhaltiger Ernährung fortsetzt. Darüber hinaus ist der Gesundheits- und Fitnesstrend immer noch sehr valide. High-Protein-Produkte wie Geflügel bleiben deshalb angesagt.

Und ein weiterer wichtiger Faktor für die Verbraucher ist die Herkunft der Produkte. Nach dem Prinzip „Alles aus einer Hand“ befinden sich zum Beispiel bei Wiesenhof alle Stationen des Herstellungsprozesses komplett in Deutschland und überwiegend im eigenen Unternehmen.

Bei Fleischersatzprodukten lässt sich feststellen: Der Markt boomt und wächst seit Jahren stetig. Wir sehen in diesem Marktsegment noch viel Potenzial.

Und wie schätzen Sie derzeit die Marktentwicklung und Verbraucherakzeptanz bezüglich Insekten als alternative Proteinquelle ein?

Den Markt für den direkten Verzehr von Insekten - zum Beispiel auch als Insekten-Burger - schätzen wir im europäischen Raum als schwierig ein: Wir sind es einfach nicht gewohnt, Insekten zu essen. Es wäre schon eine große Herausforderung, die Akzeptanz dafür zu steigern. Allerdings bietet Insektenprotein in der Fütterung von Tieren wie etwa Geflügel eine sinnvolle und zukunftsträchtige Ergänzung.

In der PHW-Gruppe beschäftigen wir uns bereits seit längerem mit diesem Thema, unsere 2018 eingegangene Beteiligung an der kanadischen Enterra Feed Corporation bildete hierfür den Grundstein. Derzeit prüfen wir zusätzlich den Aufbau europäischer Lieferketten, um den Rohwarenstrom entsprechend zu diversifizieren und im Sinne einer nachhaltigen Beschaffung zu organisieren.   

Artikel teilen

Gut informiert durch die Krise