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Superkräfte zu verkaufen

Sie versprechen Gesundheit und sind ein echtes Kaufargument: Superfoods. Wir verraten, wie und welche Superfoods sich im LEH am besten verkaufen.

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Von Emmelie Öden | Fotos: Adobe Stock/Vaaseenaa, Adobe Stock/Elena Schweitzer

Wer vor einigen Jahren Quinoa oder Goji-Beeren kaufen wollte, wurde allenfalls im Reformhaus fündig. Heute gehören Superfoods in fast jedem Lebensmittelmarkt zur Standardausstattung. Denn längst sind sie beim Verbraucher keine Unbekannten mehr: Laut einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2020 haben 70 Prozent der Befragten schon einmal von dem Begriff Superfood gehört. Und ein Drittel von ihnen gibt an, sie mindestens einmal pro Woche zu verzehren.

Der Hype um die Superfoods reißt also nicht ab. Stattdessen erkämpfen sie sich einen festen Platz auf den hiesigen Speiseplänen – und für rund die Hälfte der Verbraucher sind sie bereits wichtiger Bestandteil einer gesundheitsbewussten Ernährung.
 

Was ist Superfood?

Der Begriff Superfood stammt aus dem Marketing und entbehrt bis heute einer offiziellen Definition. Auch gesetzlich gibt es keine Regelungen darüber, was Superfood ist oder sich als solches bezeichnen darf. Im Allgemeinen meint der Begriff pflanzliche Lebensmittel, die besonders hohe Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen oder sekundären Pflanzenstoffen aufweisen.

Anfänglich wurden vor allem exotische Lebensmittel als Superfood bezeichnet, darunter Açaí- und Goji-Beeren, die Pseudogetreide Amaranth und Quinoa, Chiasamen, aber auch Pulver aus Spirulina-Algen oder der Maca-Wurzel. Immer öfter liest man den Begriff im Zusammenhang mit heimischen Produkten. Hier gelten etwa Nüsse und Saaten sowie verschiedenes Obst und Gemüse als Superfood.

Der Nutzen der Superfoods ist klar: Sie wollen uns fit und gesund halten. Zwar sind sie sicherlich kein Allheilmittel, enthalten aber große Mengen an wertvollen Mikro- und Makronährstoffen. So haben etwa Heidelbeeren besonders viele Flavonoide, die freie Radikale binden können; Chiasamen bringen eine Menge Omega-3-Fettsäuren mit und Kurkuma einen hohen Curcumin-Gehalt, der vor Entzündungen schützen soll.

Auch proteinreiche Lebensmittel wie Hülsenfrüchte werden immer öfter zu den Superfoods gezählt, und sogar bestimmte Nahrungsergänzungsmittel aus Extrakten oder Zubereitungen pflanzlicher Superfoods können in diese Kategorie fallen.
 

Für alles zu haben

Da Superfoods vom Obst bis zum Tee so ziemlich alles sein können, ist ihre Verwendung extrem vielseitig. Entsprechend kommen sie in jeder Form und Warengruppe vor: pur oder als Beigabe, getrocknet, püriert oder gemahlen. „Gerade diese Vielseitigkeit ist es, die Superfoods so spannend macht und im Handel für Kaufimpulse im Regal sorgt“, beobachtet Dennis Lange, Marketingleiter der Bio-Zentrale. Diese setzt mit Produkten wie dem Riegel Superfood Cranberry Kokos, der mit Chiasamen verfeinert ist, etwa im Snackbereich auf die Allrounder.

Pure, wenig bis unverarbeitete Superfoods bilden noch immer die größte Gruppe der Kategorie. Darin sind etwa Nüsse, Saaten und Trockenfrüchte, Getreide und Pseudogetreide zu finden – ein Bereich, auf den sich Hersteller Kluth spezialisiert hat. „Wir bieten die Produkte ausschließlich in ihrer ursprünglichen Form an, sodass der Verbraucher sie zum Beispiel im Müsli oder zum Backen weiterverwenden kann“, fasst Marketingleiter Sven Schenkewitz zusammen.

Auch bei Seeberger geht es ursprünglich zu. Die Marke steht für natürliche Snacks wie die neuen Seeberger Kokoschips. Hierfür wird das Kokosfleisch lediglich gewaschen, geschnitten und getrocknet: „Ein gesunder Snack für bewusste Genießer und damit ein echtes Superfood“, meint Joachim Mann, Leiter Marketing bei Seeberger.
 


INFO

Superfood auf einen Blick

Superfoods gelten allgemein als gesundheitsfördernd, sind jedoch nicht klar definiert und haben keine gesetzlichen Regularien
Zugleich umfassen sie aber alle erdenklichen Warengruppen. Kurz: Superfood kennt kaum Grenzen. 

Noch immer verstehen viele Verbraucher unter Superfoods vor allem importierte Lebensmittel. Fakt ist aber: Heimische Produkte bieten oftmals vergleichbare gesundheitliche Vorteile.

Manche Superfood-Produkte, etwa bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, bestehen aus Extrakten oder Zubereitungen aus pflanzlichen Superfoods. Fehlende Standards bei Extraktionsverfahren können die gesundheitliche Bewertung dieser Produkte jedoch erschweren, weshalb sie nicht mit rein pflanzlichen Superfoods gleichzusetzen sind, aus denen sie gewonnen wurden.


 

Von Brot bis Curry

Immer beliebter werden Superfoods als Beigabe in Müsli, Brot und Co. Bio-Zentrale verarbeitet etwa Quinoa und Buchweizen in seinem Knusperbrot. Chia- und Leinsamen, Flohsamenschalen sowie Sonnenblumen- und Kürbiskerne landen dagegen in der Brotbackmischung Saatenbrot von Bio-Zentrale. Wer schon super in den Tag starten will, entscheidet sich für Frühstücksprodukte, die mit Superfoods aufwarten: etwa das Tartex Müsli Crunchy Amaranth Beeren Mix oder einer der 
herzhaften, proteinreichen Tartex Brotaufstriche auf Basis von Linsen, beides von der Allos Hof-Manufaktur.

Nach und nach erobern die Superfoods auch den verzehrfertigen Convenience-Bereich. Mit der Little Lunch Protein Bowl bietet die Allos Hof-Manufaktur eine schnelle und gesunde Mahlzeit mit Kichererbsen, Linsen und Bohnen als Superfoods an. Auch die Bio-Zentrale weiß mit Convenience zu überzeugen: Das Quinoa Curry, abgerundet mit Kichererbsen, Kokos und Ingwer, eignet sich für eine schnelle Mahlzeit. Schnell geht’s auch bei den Getränken zu: Die Ingwershots von Kloster Kitchen liefern Superfood-Energie quasi im Gehen. Dabei bleiben die Ingwerknollen als Stückchen mit allen Wirkstoffen erhalten.
 

Exotisch versus heimisch

Die Zeiten, in denen Superfood aus fernen Ländern importiert werden musste, sind vorbei. Auch wenn Quinoa, Goji und Açaí ihre Plätze im Supermarktregal behalten werden: Heimische Lebensmittel holen auf. Denn große Mengen an Nährstoffen sind nicht den Exoten vorbehalten. Der Vorteil der heimischen Food-Talente: Sie haben keinen langen Transportweg hinter sich, was Umwelt und Nährstoffgehalt schützt.

Diese Erkenntnis kommt auch bei den Konsumenten an, wie Dennis Lange von Bio-Zentrale beobachtet: „Unserer Ansicht nach rücken vor allem heimische Superfoods verstärkt in das Verbraucherinteresse – bedingt durch die zunehmende Beachtung der Konsumenten von Regionalität, Nachhaltigkeit und damit verbunden auch die Rückbesinnung auf Tradition.“

Und Sandra Spremberg, Marketingdirektorin der Allos Hof-Manufaktur, meint sogar: „Wir sind der festen Überzeugung, dass hiesige Superfoods wertvoller sind als exotische Superfoods: Sie punkten nicht nur im Vitamin- und Mineralstoffgehalt, Herstellung und Logistik sind einfach wesentlich nachhaltiger.“

In diesem Sinne rücken altbekannte Lebensmittel wie Hafer oder Johannisbeeren in neues Licht. Aber auch vergessene Produkte erhalten wieder Aufmerksamkeit. Allen voran ist es Hanf, der seit Kurzem eine wahre Renaissance erlebt. Seine Geschichte in der mitteleuropäischen Küche ist lang, doch unter anderem durch das zwischenzeitliche Anbauverbot geriet er in Vergessenheit.

„Hanfsamen kehren Stück für Stück in das Bewusstsein der Hersteller und Verbraucher zurück und eignen sich vor allem für Müsli, auf Salaten sowie in Suppen und Smoothies“, weiß Dennis Lange von der Bio-Zentrale. Auf den Trend reagiert hat bereits Seeberger mit seinem neuen Kerne-Mix Tomate & Hanf – ein Topping-Produkt, das die Hanfsamen als Superfood in den Fokus stellt.


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Superfood am PoS


Wer besondere Aufmerksamkeit auf das Segment lenken möchte, setzt auf eine eigene Platzierung, zum Beispiel thematisch im Block oder im Display. Warum nicht einmal ein eigenes Superfood-Regal ausprobieren?

Für den Kunden sind Superfoods nicht auf den ersten Blick erkennbar, da sie keine klare Kennzeichnung erfordern, wie etwa Bio-Produkte. Dadurch bietet sich eine eigene Platzierung, die den Nutzen der Produkte unterstreicht, umso mehr an. Wer Superfood ausschließlich in das übrige Sortiment einordnet, kann einen Regalplatz in der Sichtzone wählen. In jedem Fall hilft gezieltes Marketing am PoS, beispielsweise durch kleine, eventuell saisonal ausgerichtete Verkostungen, in denen man die Vielfalt zeigen kann.


 

Bio-Zentrale
Quinoa gilt als das Korn der Inkas und eignet sich besonders für herzhafte Speisen. Die weiße Quinoa von Bio-Zentrale ist nussig-mild im Geschmack und eine wertvolle Proteinquelle (Foto: Unternehmen).
Kluth
Chiasamen sind ein uraltes und natürliches Lebensmittel aus Lateinamerika. Sie sind glutenfrei und haben einen hohen Gehalt an Kalzium, Ballaststoffen sowie Omega-3-Fettsäuren (Foto: Unternehmen).
Little Lunch
Kichererbsen, Linsen und Bohnen sorgen in der Protein Bowl von Little Lunch für
eine Extraportion natürlicher Proteine. Ein herzhafter Eintopfgenuss für Sport-
begeisterte und Ernährungsbewusste (Foto: Unternehmen).
Seeberger
Voller Proteine und 100 Prozent legal kommt der Kerne-Mix Tomate & Hanf von Seeberger daher. Auch dank der knackigen Hanfsamen eignet sich der Mix als Topping auf Salaten oder einer Bowl (Foto: Unternehmen).

Unser Buchtipp


Mehr Wissenswertes rund um das Thema Superfoods, ihre Wirkung sowie regionale Alternativen finden Sie im Schwarzbuch Superfoods aus dem Leopold Stocker Verlag.

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