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Auf die neue Eis-Zeit

Der kleine Eissnack zwischendurch hat es den Verbrauchern angetan ‒ viele Trendkreationen sind bei den Multipacks zu entdecken, daneben stehen Pints hoch im Kurs. Als absoluter Favorite in der Saison 2022 tut sich veganes Eis hervor.

Großzügige TK-Abteilung im E-Center Corth in Cadenberge (Foto: Jörg Brockstedt)

Die Hoffnungen auf einen warmen Sommer, Urlaubsfeeling und unbeschwerte Einkehr ins Eiscafé sind groß. All das fehlte 2021, für Absatz, Umsatz und Pro-Kopf-Verbrauch prognostiziert Ernst Kammerinke vom E.I.S. Eis Info Service der deutschen Markeneishersteller „signifikante“ Rückgänge. 1,8 Milliarden Euro bedeuten drei Prozent Umsatzminus in LEH und DM (KW 52/2021), das haben die Marktforscher von NielsenIQ bereits analysiert, mit Einbußen bei Familien- und Singlepackungen (– 5,3 % bzw. – 17 %). Kleineis in Multipackungen legte immerhin knapp ein Prozent zu (+ 979 Mio. Euro), ihrem Eissnack auf Vorrat sind Verbraucher seit Pandemiebeginn treu geblieben.
 
Trendsetter Riegel und Softeis. In der Vorschau auf die Eistrends 2022 geht der genussvolle Eissnack für zwischendurch oder unterwegs in die Pole-Position: Eishersteller, beobachtet Kammerinke, vergößern die Auswahl an Eisriegeln und setzen dabei auf Trendnoten wie etwa Salted Caramel. 

Selbst der Außer-Haus-Klassiker Softeis im Hörnchen zieht nach Kammerinke in dieser Saison in die TK-Truhe ein ‒ mit angesagtem Keksgeschmack, Keksstückchen und Schokosauce. Auch im Bereich Premiumstieleis tut sich einiges, auffällig ist hier, dass zahlreiche Hersteller dem gewachsenen Interesse der Verbraucher an der Herkunftsbezeichnung der Zutaten nachkommen.

Generell, so Björn Höhn, Marketingchef bei der Florida-Eis Manufaktur, steigt die Nachfrage nach Qualitätseis bei den Konsumenten kontinuierlich. Außerdem zählt Höhn Stücke im Eis zu den Trendformulierungen der Saison, wie Schokostückchen, Mandelsplitter, Karamellbonbons oder Fruchtstücke. 

Daneben sehen Eishersteller die Zukunft in den Tubes, Bechern mit bis zu 500 Millilitern Inhalt, die sowohl in Single- wie in Familienhaushalten gut ankommen. Das Angebot wird in diesem Jahr weiter ausgebaut, nach Kammerinke überwiegend mit hochwertiger Eiscreme auf Milchbasis, ergänzt mit Fruchtnoten, Fruchtsaucen und crunchigen Toppings.

„Die Kuh muss vom Eis“

Eines der größten Potenziale in der Eistruhe kommt allerdings ohne Milch aus. Veganes Eis behauptet sich zunehmend, oder wie es Björn Höhn von Florida-Eis formuliert: „Die Kuh muss vom Eis.“ Die wachsende Beliebtheit von Eis auf pflanzlicher Basis lassen die Umsatzzahlen erkennen: 2019 wurden hierfür über 57 Millionen Euro ausgegeben, 2021 bereits 80,7 Millionen Euro, der Marktanteil in deutschen Handelstruhen liegt gemessen am Umsatz mittlerweile bei 
4,6 Prozent (E.I.S./NielsenIQ). Bislang vornehmlich im 500-Milliliter-Becher und als Stieleis angeboten, kommen nun neben Haushaltspackungen vegane Alternativen bei den Impulseis-Klassikern hinzu.
 

Vegane Eis-Premieren

Unilever feiert mit dem ersten rein pflanzlichen Stieleis der Marke Likkies Premiere; die erste vegane Variante des Cremissimo-Klassikers Bourbon Vanille wurde bereits zum Veganuary, dem veganen Januar, gelauncht. Bei seiner Low-Calorie-Eismarke Breyers und der limitierten veganen Sorte Vanilla & Strawberry Pieces setzt Unilever zusetzlich auf die werbewirksame Unterstützung der Influencerin Diana zur Löwen. Auch die DMK Group hat ihr erstes veganes Markeneis entwickelt und dafür ihre Kooperation mit Katjes ausgedehnt.

Das „Katjes Grün-Ohr-Hase Eis“ schmeckt nach den bekannten Fruchtgummis, weißes Kirscheis, verstrudelt mit rosa Himbeereis und grüner Erdbeersoße, sorgt für die charakteristische Optik. Die schwedische Hafermarke Oatly, mit ihren Pflanzendrinks im deutschen LEH präsent, will sich nun auch mit fünf Eissorten in beliebten Geschmacksnoten wie Schokolade, Vanille oder Erdbeere etablieren. Andros So Good So Veggie, Experte für Joghurt-Alternativen, präsentiert ebenfalls seine ersten veganen eiskalten Kreationen auf Basis von Kokoksmilch. Florida-Eis wiederum setzt seinen veganen Weg fort, unter anderem mit einem Crème-Erdbeere-Basilikum-Eis. 

Ebenso Valsoia (Genuport), die italienische Eismarke lanciert ein Sandwicheis, das Eis, Schokolade und Keks verbindet, sowie ein Hörncheneis. „Veganes Eis“, sagt Rebecca Göckel, Co-Founder und CEO der Marke Nomoo, „ist für mich der Zukunftstrend im Eisbereich schlechthin.“ Außerdem sieht Göckel, mit veganem, laktose- und glutenfreiem sowie Bio-Eis im Portfolio, Eis mit Zusatznutzen am Trendhorizont aufkommen. Weiterhin Fahrt aufnehmen wird, da sind sich alle Branchenexperten einig, das Thema Nachhaltigkeit. 

Lifestyle, aber bitte nachhaltig

Insgesamt werde der Eismarkt immer fragmentierter, so die Beobachtung bei Froneri. Dabei immer entscheidender: die richtige Zielgruppenansprache. Die Fokuszielgruppe der neuen Mövenpick-Urban-Moments-Range etwa ist klar abgesteckt ‒ vornehmlich die 25- bis 40-Jährigen finden ein Quartett reichhaltiger Sorten, inspiriert von Foodtrends aus der modernen Gastronomie. 

Zusätzlicher Kaufanreiz ist gerade für jüngere Konsumenten auch beim Eisgenuss die Nachhaltigkeit. Noch mehr als in den Vorjahren rücken nachhaltige Verpackungen bei den Herstellern in den Fokus, stellt Ernst Kammerinke vom Eis Info Service fest. Nach Vorreitern wie der Florida-Eis Manufaktur mit kompostierbaren Bambusverpackungen und einer CO2-neutralen Eis-Produktion, reduzieren mittlerweile weitere Anbieter den Plastikanteil bei den Bechern, stellen auf recyceltes Material um, verwenden Kartonverpackungen oder verzichten dank neuer Verschlusstechnik auf Siegelfolien. 


INFO

Taste it: Die neuen Sorten

Klassisches Eis kommt in vielen neuen Sorten auf den Markt: Rhabarber mit Sahne plus Erdbeer-sorbet, Pfirsich-Maracuja mit Fruchtstückchen, Amarena-Kirsch mit Amarettini oder Eishörnchen mit Himbeer-Milchshake-Geschmack.

Bei veganem Eis ist Blaubeer-Kokos am Stiel angesagt, Melonensorbet, Himbeereis mit gefüllten Kakao-Doppelkeksen oder die beliebteste Geschmacksrichtung der Deutschen: Bourbonvanille in der 900-Milliliter-Packung.

Quelle: E.I.S.


 

INTERVIEW

Womit profilieren Sie in Ihrem Markt das Angebot von Speiseeis? 

Wir führen neben den gängigen Marken zahlreiche Sorten von regionalen Anbietern, überwiegend aus dem Berliner Raum, zum Beispiel Florida-Eis oder das Premiumeis von EisQueen. Ganz neu kommt in diesem Sommer ein Eis aus Jersey-Kuhmilch ins Sortiment, die von Natur aus laktosefrei ist. Das Eis, das es bislang nur in Eisdielen gab, wird in unmittelbarer Umgebung hergestellt.

Wie sieht es mit veganem Eis aus? 

Wir führen vor allem die veganen Varianten bekannter Eissorten beziehungsweise Marken, aber auch Produkte einiger Hersteller, die nur pflanzenbasiertes Eis herstellen, wie etwa Nomoo. 

Wie platzieren Sie veganes Eis?

Wir integrieren es ‒ beispielsweise ist neben klassischem Vanilleeis die vegane Variante gleich gut zu finden.


 

Noch mehr Eistrends? Welche Kreationen kommen 2022 in die Truhe?
Trends und Statements aus der Eisszene: www.rundschau.de/artikel/die-eis-saison-2022-ist-eroeffnet
 

Ben & Jerry’s
Brownie am Stiel: “Ben & Jerry’s Salted Caramel Brownie Peace Pop” ist Eiscreme mit Schokoladenstückchen, einem Kern aus Brownie-Teig-Sauce und mit salziger Karamell-Fettglasur (Foto: Unternehmen).
DMK/Katjes
Neue Lizenzmarke an Bord: Mit Katjes Grün-Ohr-Hase Eis bringt die DMK Group erstmals den Geschmack des veganen Fruchtgummis in die Eistruhe. Das Eis wird auf Haferbasis hergestellt (Foto: Unternehmen).
Oatly
Die schwedische Hafermarke Oatly gibt’s jetzt auch im Tiefkühlregal mit pflanzlichem Eis in den Sorten Strawberry (Abb.), Vanilla, Chocolate Fudge, Salted Caramel und Hazelnut Swirl (Foto: Unternehmen).
SD Sugar daddies
Die neuesten Bällchen in der O-Mochi-Range, mit japanischem Reisteig umhüllt, sind vegan und extrem fruchtig: Tango Mango enthält 40 Prozent Fruchtpüree aus der Alfonso-Mango (Foto: Unternehmen)

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