Corona in Fleischbetrieben: 45 Infizierte bei Wiesenhof, tägliche Tests bei Westfleisch

Von Nilofar Eschborn | Fotos: Unternehmen | Drucken

Aufgrund eines Corona-Ausbruchs in einem niedersächsischen Wiesenhof-Schlachthof hatte die PHW-Gruppe Massentests veranlasst – nun ist das Ergebnis da: Von insgesamt 1.115 Produktionsmitarbeitern wurden 45 positiv auf das Coronavirus getestet. Die Branche reagiert mit täglichen Tests.

Die Reihentestungen bei Geestland Putenspezialitäten, einem Schlachthof der PHW-Gruppe im niedersächsischen Wildeshausen, haben ergeben, dass 45 von den insgesamt 1.115 getesteten Produktionsmitarbeitern mit dem Coronavirus infiziert sind. Hierbei handelt es sich um 5 Festangestellte und 40 Werkvertragsbeschäftigte. Am Mittwoch waren es noch 23 positiv getestete Mitarbeiter.

„Wir haben direkt nach Bekanntwerden des ersten Covid-19-Falles unverzüglich gehandelt, arbeiten eng mit der Behörde zusammen und wollen rasch Klarheit schaffen“, sagt Norbert Deeken, Geschäftsführer von Geestland Putenspezialitäten. „Daher haben wir uns ohne zu zögern zu dieser umfangreichen Maßnahme entschlossen.“ Durch die vollständige Testung aller Beschäftigten habe man nun eine Datengrundlage gewonnen, auf der sehr gut aufgebaut werden könne.

Überdies kündigt das Unternehmen an, dass von nun an jeden Morgen risikobasierte Corona-Tests durchgeführt werden, um so immer einen aktuellen Status zu erhalten. „Darauf aufbauend können wir jederzeit zielgerichtete Maßnahmen ableiten, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern und den bestmöglichen Schutz aller unser Beschäftigten sicherzustellen“, so Deeken.

Tägliche Corona-Tests auch bei Westfleisch

Auch der Fleischvermarkter Westfleisch aus Münster beginnt im Laufe der kommenden Woche mit täglichen Tests aller rund 5.000 Produktionsmitarbeiter und produktionsnah Beschäftigten. Bisher wurden in dem Unternehmen bereits wöchentliche Tests durchgeführt. „Mit unseren Tests an jedem Wochentag werden wir noch schneller infizierte Personen identifizieren und Infektionsketten entsprechend frühzeitig unterbrechen können“, sagt Steen Sönnichsen, geschäftsführender Vorstand der Westfleisch SCE. Er betont, dass es unvorsichtig wäre, nicht aus den Geschehnissen innerhalb und außerhalb unserer Branche zu lernen. „Wir beobachten alle Entwicklungen sehr genau, analysieren sie detailliert und passen dann entsprechend unsere Maßnahmen an“, so Sönnichsen. „Und klar ist auch: Stichproben allein reichen aktuell nicht aus.“

VDF unterstützt Abschaffung der Werkverträge

Indes arbeitet die Branche weiter daran, die Arbeitsbedingungen der in fleischverarbeitenden Betrieben beschäftigten Mitarbeiter weiter zu verbessern. So betont der Verband der Fleischwirtschaft (VDF), das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung zur Abschaffung der Werkverträge zu unterstützen.

„Mit unserem Fünf-Punkte-Plan haben wir der Bundesregierung am 16. Mai einen Vorschlag unterbreitet, die Regelungen und Standards der Wohnungen und Arbeitsschutzmaßnahmen für Mitarbeiter, die nicht in Deutschland ihren ständigen Wohnsitz haben, bundeseinheitlich und verbindlich für alle Unternehmen unserer Branche zu regeln und zu kontrollieren“, sagt VDF-Hauptgeschäftsführerin Dr. Heike Harstick. Überdies wolle die Fleischwirtschaft die Arbeitgeberverantwortung für die bei ihr beschäftigten Arbeitnehmer voll und ganz übernehmen. „Unser Ziel ist eine entsprechende gesetzliche Regelung, die für alle Unternehmen der Branche einheitlich verpflichtend ist und von staatlichen oder von neutralen Stellen wirksam kontrolliert wird. Wir wollen konstruktiv daran mitwirken, dass die notwendigen Regelungen schnell und zielgenau erlassen und umgesetzt werden“, so Harstick.

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