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Fokussiert nachhaltig

Beim Thema Nachhaltigkeit ist der Lebensmittelhandel gefragt und gefordert. Jüngste Beispiele aus der Branche zeigen, wie Handlungsfelder aktuell genutzt werden ‒ und noch verstärkt genutzt werden können.

Von Sibylle Menzel; Mirko Jeschke | Fotos: AdobeStock/zimmytws

Nachhaltigkeit treibt ökologisch, ökonomisch und sozial sämtliche Akteure der Lebensmittelwirtschaft
um. Die Ziele sind längst umrissen: Es geht um Ressourcenschonen und -einsparen, um das Wohl von Mensch, Tier und Natur, verknüpft mit der Senkung der Treibhausgasemissionen, allen voran von CO2,
einem der Haupttreiber des Klimawandels.

Handelsmarken gegen die Krise

Der Handlungsbedarf besteht nicht nur aus klimapolitischer Sicht (siehe Info, S.28), nach zahlreichen Studienergebnissen steht fest: Für viele Kunden ist Nachhaltigkeit zum Kaufkriterium
vor allem bei Lebensmitteln geworden, vorangetrieben und verstärkt durch die Pandemie. Die Frage ist allerdings angesichts von Ukraine-Krieg, Inflation, Rohstoffmangel und Co.: wie lange noch?

Der GfK Konsumklimaindex 3/22 legt nahe, dass der Preis wieder in den kaufentscheidenden Fokus rückt. Gleichzeitig,das ist die gute Nachricht, bedeute es aber keineswegs das Ende für die Trendtreiber in Sachen Nachhaltigkeit wie etwa Bio oder Veggie/Vegan.

Eine Lösung, um Preisbewusstsein und verantwortungsvollen Konsum unter einen Hut zu bringen, liegt in den Marken des Handels. Veggie-Handelsmarken legen gegenüber Marken deutlich zu, ebenso Bio-Handelsmarken, die sich außerdem gegenüber dem derzeit sinkenden Bio-Gesamtmarkt behaupten (Q1/22 vs. Q1/21).

Der Handel bringt diese Warengruppen offensiv voran: 2021 wird beispielsweise Rewe für sein umfangreiches Sortiment an pflanzlichen Alternativprodukten von der Tierrechtsorganisation
Peta als „veganfreundlichster Supermarkt“ ausgezeichnet. Bezüglich des Absatzes mit biozertifizierten Produkten beansprucht mit Aldi Süd ein Discounter den Titel „Bio-Händler Nummer eins“. Seit dem Frühjahr dehnt Edeka den Radius für seine Bio-Marke Naturkind aus, dazu gehört, mit 60 Artikeln aus verschiedenen Warengruppen das Sortiment der Edeka- und Netto-Märkte zu erweitern. Insgesamt hält der LEH den größten Anteil am Bio-Markt: 61 Prozent waren es 2021 (BÖLW, Branchenreport 2022).

Die Klimakombi: regional & saisonal

Deutsche Konsumenten haben eine recht klare Vorstellung davon, was für sie nachhaltige Ernährung ausmacht. Eine Umfrage der Marktforscher von YouGov im Auftrag der Molkereigenossenschaft Arla Foods ergab: Für die Mehrheit, die sich mit dem CO2-Fußabdruck ihres Einkaufs beschäftigt, ist vorrangig die die Situation der Bauern und die Auswirkungen des Konsums überregionaler Produkte. Außerdem stärken mehr publizierte Rezepte die Attraktivität regionaler Lebensmittel.

Mit Emotionalität will Edeka derzeit Regionalität am PoS stärken: Mit dem TV-Spot „Folge dem Herzen“ wird zur Grillsaison für Fleisch und Wurst aus der Region geworben sowie für Gemüse ‒ anstelle industrieller Alternativen. Zusätzliche Aufwertung der Edeka-Regionalmarke sieht das Handelshaus in verbriefter Bio-Qualität: „Alle Erzeuger von Obst und Gemüse in Bio-Qualität gehören einem der Bio-Verbände Bioland, Demeter oder Naturland an.“

Seit Jahren erstellen Experten Ökobilanzen über die Klimawirkungen regionaler Lebensmittel. Ein kompliziertes Unterfangen über die gesamte Wertschöpfungskette. Während für Verbraucher überwiegend kürzere Transportwege mit geringerem CO2-Fußabdruck den Ausschlag für Regionalität geben, steht der Transport in seiner Klimaauswirkung nach Studienlage nicht zwangsläufig an erster Stelle. Obst oder Gemüse, das etwa aus einem mit fossilen Brennstoffen beheizten Gewächshaus stammt, kann weitaus negativer in seinem Klimaeffekt zu Buche schlagen als Transportweg und/oder -mittel. Demzufolge heißt die klimafreundliche Zauberformel: ein regionales Angebot mit Produkten der Saison.

Gut zu wissen: PoS schlägt Social Media

Häufig geht die Generation Z (16- bis 26-Jährige) hart mit älteren Menschen bezüglich nachhaltigen Konsums ins Gericht – dabei fällt er den Jüngeren selbst schwerer als angenommen.
Nach der ECC CLUB Studie 2022 „Future Needs der Generation Z“ werden nachhaltige Lebensmittel eher situationsbedingt und in Abhängigkeit vom Angebot vor Ort gekauft.

Nur rund jeder Vierte sucht und kauft gezielt nachhaltig. Gerade am PoS kann der Handel dabei als verlässlicher Partner für die oftmals von den vielen Wahlmöglichkeiten überforderte Generation Z fungieren, dem stimmen 71 Prozent der Befragten zu. Denn: Trotz hoher
Onlineaffinität liegt der PoS für 77 Prozent in puncto Inspiration noch vor den sozialen Netzwerken (Social Media: 67 %).

Dabei auch wichtig: die Preisgestaltung. Für 77 Prozent schlägt der Faktor Preis den Faktor Nachhaltigkeit.

An kaum einem anderen Thema wird so intensiv gearbeitet wie an Lösungen für nachhaltige
Verpackungen. „Verpackung“, sagt Thomas Reiner, „ist aus Nachhaltigkeitssicht ein Chefthema geworden.“ Für Marken, so der CEO der Packaging-Agentur Berndt+Partner Group, ist sie zum Nachhaltigkeitsbotschafter Nummer eins avanciert, und auch Verbraucher machen das Thema Nachhaltigkeit an der Verpackung fest.

Auch im Ladenbau, bei Einrichtungslösungen und nicht zuletzt beim Energiebedarf spielen für den LEH die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung eine immer größere Rolle. Dazu lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Juni-Ausgabe der RUNDSCHAU für den Lebensmittelhandel.
 

Ausgezeichnetes Nachhaltigkeitskonzept:
Das Green- Building-Konzept von Rewe
in Wiesbaden-Erbenheim mit eigener
Dachfarm. (Foto: Hans-Rudolf Schulz)
Was wie Gebäck aussieht, sind Hunde-Leckerli: Sein Unverpackt-Konzept führt Edeka Rentschler in Nebingen bei Tiernahrung fort. (Foto: Martina Kausch)
Ohne Verpackung geht’s auch: Kaufland testet in acht Filialen Unverpackt-Stationen.(Foto: Kaufland)
Moderner, nachhaltiger Ladenbau im E-Center Warnow Park, Rostock. (Foto: Christian Schmid)

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