Studie: Onlinehandel mit Lebensmitteln profitiert kaum von Corona

Von Sibylle Menzel | Fotos: Pixabay | Drucken

Dem Online-Lebensmittelhandel hat Corona nur zu zeitweisem Schub verholfen - so lautet das Fazit einer wissenschaftlichen Studie der Uni Köln, die das Thema durchleuchtet. Einer der Gründe: Begrenzte Kapazitäten.

Eine Studie zum deutschen Online-Lebensmitteleinzelhandel in Corona-Zeiten zeigt: Trotz überproportionalem Wachstum ist ein genereller Trend zur Expansion des Online-Lebensmittelhandels nur schwach erkennbar.

Die von einem Forschungsteam der Uni Köln untersuchte Zeitspanne vom 10. März bis 15. Mai 2020 umfasste die „stay home“-Maßnahmen zur COVID-19-Eindämmung und stellte damit laut der Autorenschaft einen günstigen Moment („Window of Opportunity“) für den gesamten Onlinehandel dar - zeitweise auch für den Online-Lebensmittelhandel: Laut den Marktforschern von Nielsen fand im März beispielsweise ein Wachstum von rund 150 Prozent statt. Trotzdem, so die Forscher der Uni Köln, ist der Übergang vom stationären Lebensmitteleinzelhandel hin zum Lebensmittel-Onlinehandel geringfügig.

„Dass der Online-Lebensmittelhandel nicht stärker profitieren konnte, liegt an den begrenzten Kapazitäten der Unternehmen, die nicht so plötzlich auf die gestiegene Nachfrage reagieren konnten, aber auch an den bestehenden Konsummustern der Kundinnen und Kunden. Für viele Menschen ist gerade der Lebensmitteleinkauf ein wichtiges Erlebnis, das sinnliche Erfahrungen, wie etwa das Fühlen der Ware, anspricht. Es ist außerdem ein soziales Erlebnis, was gerade während der ‚stay home‘-Maßnahmen wichtig war“, erklärt Prof. Dr. Martina Fuchs vom Wirtschafts- und Sozialgeographischen Institut, Uni Köln.

Sowohl größere als auch kleinere Unternehmen versuchten mit der gestiegenen Nachfrage zurechtzukommen, erweiterten dabei aber selten ihr Liefergebiet. Der Online-Lebensmittelhandel fände also auch unter Corona-Bedingungen vor allem in städtischen Regionen statt.

Und schließlich kommt das Forscherteam zu dem Schluss, dass unter anderem die Unvorhersehbarkeit der weiteren Pandemie-Entwicklung bislang als Hemmnis für eine Expansion wirkte: „Die Lebensmittelhändler konnten nicht absehen, dass sich umfangreiche Investitionen lohnen würden, da sich eine ‚Rückkehr zur Normalität‘ abzeichnete“, sagt Fuchs.

Forscher Prof. Dr. Peter Dannenberg ordnet die Ergebnisse ein: „Unsere Studie konnte zeigen, dass es zwar generell einen Digitalisierungsschub während Covid-19 gegeben hat, sich aber kein Umbruch im Lebensmitteleinzelhandel zeigt. Das ist – aus geographischer Sicht – gerade mit Blick auf die Förderung der Versorgung ländlicher Räume in Deutschland ein wichtiger Punkt.“

Zur Studie: Die Untersuchung entstand im Rahmen eines Projekts, das die voranschreitende Digitalisierung des Einzelhandels und seiner Lieferketten untersucht sowie die Auswirkungen dieser Änderungen auf die lokale Arbeit und deren Gestaltung für die Branchen Fashion und Lebensmittelhandel. Das Projekt startete im Februar 2020 und läuft zwei Jahre.

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