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Store-Check: Edeka Stadler + Honner, Unterföhring – Ein Leuchtturm an der Isar

Mit ihrem achten Markt sind Stephan Stadler und Hans-Jürgen Honner in der Metropolregion München angekommen. Sie zeigen nicht nur ein Top-Sortiment, sondern auch neue Konzepte.

Von Martina Kausch | Fotos: Hans-Rudolf Schulz

Eines steht fest: Edeka Südbayern ist nicht Edeka Südwest. Diese etwas kryptische Formulierung drückt aus: Leuchtturmmärkte des LEH, zu denen der Verbraucher pilgert, sind im Südwest-Verbund deutlich häufiger zu finden als bei den Kollegen im bayerischen Süden der Republik.

Doch das hat sich am 11. März dieses Jahres geändert. Direkt im Gewerbegebiet Feringastraße auf gleicher Isar-Seite wie die privaten Medienunternehmen in Unterföhring hat das Händlergespann Stephan Stadler und Hans-Jürgen Honner auf 7.500 Quadratmetern einen ehemaligen Marktkauf-Standort eröffnet, der in der Metropolregion München seinesgleichen sucht. Man möchte es nicht glauben, aber abgesehen von Delikatessenhäusern, die mit Genossenschaftsgedanken nun wirklich nichts zu tun haben, bewegen sich die allermeisten Märkte an der Isar bundesweit betrachtet auf gutem Durchschnittsniveau. Das wissen offenbar die User, die im Netz ihre Meinung über den neuen Markt posten: „Seit ich in München bin nichts Vergleichbares entdeckt. Einfach topp!!“ schreibt einer, „preislich auch in Ordnung“ ein anderer. Kunden vergleichen, und Discounter gibt es auch hier um die Ecke. 

Der Standort im über 40 Jahre alten Feringa­center in Unterföhring ist von außen nicht der Traum, aber es gibt einige – wieetwa Zurheide in der Nürnberger Straße in Düsseldorf –, die im Industriegebiet in einem in die Jahre gekommenen Shoppinggebäude liegen und trotzdem super drehen. Schließlich gibt es hier wie dort neben der Lebensmittel-Einkaufsfreude noch ein Parkhaus, gutes Essen und viel zu sehen. Stephan Stadler und Hans-Jürgen Honner haben den Markt vor der Pandemie geplant und wollten – auch angesichts der Imbisssituation im Umkreis – einen Schwerpunkt auf das gastronomische Konzept legen. Aktuell wird das To-go-Geschäft bespielt, eingerichtet ist das Restaurant bereits, und das Personal leistet mit neuem Pizzaofen bereits Überzeugendes. Jeder Kunde gelangt nur an der Gastronomie vorbei in den Markt und kann sich für die Stärkung vor oder nach der Shoppingtour entscheiden. Die wenigsten  werden wohl diesem massiven Angebot widerstehen können. 
 

Start mit O&G, Bio und Frühstück

Der Kundenlauf im Markt beginnt mit einem ersten Areal, in dem auf 1.200 Quadratmetern die Sortimente Obst und Gemüse, Bio und Frühstück zusammengefasst sind. Aufgeräumt, superfrisch und regelmäßig besonders dekoriert wird die Ware präsentiert, das breite Bio-Angebot ist gut auszumachen. Clever gelöst: Steht der Kunde vor den (geschmackvoll grünen) Bio-Regalen mit Gurken und Tomaten, fällt sein Blick sofort auf das Bio-Trockensortiment samt Frühstücksprodukten, das große Unverpackt-Angebot und den Bio-Mopro-Kühlschrank. 
 

Hans-Rudolf Scholz
Einladend gestaltete Backstubn
Aufgeräumte Kassenzone
Opulente und aufgeräumte Obst- und Gemüseabteilung
Guad & gschmackig: In-Shop-Farming der nächsten Generation
Im Fokus: regionale Spezialitäten
Ein echter Hingucker: das Inhouse-Farming-Gewächshaus von &ever
Frisches To-go-Angebot
Gelebte Transparenz in Sachen Tierwohl
Neues Konzept für die Käsetheke: alles fertig portioniert und abgepackt
Prickelnde Entspannungsinsel im Markt: die Champagnerbar
Feines Sortiments-Upgrade dank Shop-in-Shop-Lösung mit Depot
Aufgeräumt und übersichtlich: die Drogerie-Abteilung
Augenmerk auf anspruchsvollen Ladenbau auch beim Tabak- und Presseregal
Corona-konform und optisch ansprechend: der Kassenbereich
Immer eine gute Idee: ein Blümchen für die Lieben dahoam
Einladend wie in einer Konditorei: der Backshop
Es lebe das Handwerk: hier wird selbst gebacken!
Hochwertig gestalteter Gastro-Bereich
Natürlich auch im Angebot: To-go-Snacks für den kleinen Hunger ...
...und leckere, frisch zubereitete Pizza aus dem eigenen Ofen.
Hereinspaziert!
Auch die Fleischtheke ist ein echter Hingucker
Feine Auswahl für Tierliebhaber
Der Kaffee wird direkt im Markt geröstet...
... und getrunken
Gastro & Handel gehen Hand in Hand

Salat im Topf zu verkaufen

Für im Markt wachsendes Gemüse und Kräuter sorgt &ever, das Start-up, mit dem Vapiano-Gründer Mark Korzilius seit einigen Jahren auf dem Feld des Indoor-Farming tätig ist. Hier hat das Unternehmen sein nach eigenen Angaben weltweit erstes Grow-Center im LEH gebaut. 13 Sorten Salat und Kräuter sollen die Kunden im Topf hier kaufen können, wenn die Anlage mit Vollauslastung läuft. Wer auf Bio steht, bekommt in diesem ersten Marktbereich also schon alles, was er möchte, einschließlich Tee, Kaffee sowie Obst und Gemüse to go. Von hier aus kann man auf kurzem Weg über die Drogerieabteilung und die Presseregale zur Kasse eilen – und unterwegs noch vor Ort zubereitete Sushis mitnehmen.


Käsetheke – einmal anders

Allerdings wäre in diesem Markt der kurze Weg schade. Auf dem weiteren Marktrundgang kommt man nun zur Frischetheke, allerdings tatsächlich ohne traditionelle Käsetheke. Fleisch, Wurst, Feinkost gibt es frisch, Käse wird im Wesentlichen als Prepack angeboten, frisch vor Ort geschnitten und verpackt. Wer den Lieblingskäse als extragroßes Stück haben möchte, bekommt es aber selbstverständlich frisch, versichert Marktleiter Reinhold Pigorsch. Auch das Angebot an SB-Fleisch ist sehr groß. Dabei profitieren die Inhaber von besonderen familiären Beziehungen der Familie Stadler nach Spanien. Viele und außergewöhnliche Produkte werden direkt importiert, darunter auch Wurst- und Schinkenspezialitäten sowie besondere Cuts vom Ibericoschwein.

Die Händlerfamilien Stadler und Honner, aus Niederbayern stammend und nun Inhaber von acht Märkten, haben vor einigen Jahren in München einen Markt in der Ungererstraße neben der U-Bahn nach Schwabing übernommen und so den ersten Schritt in die Bayernmetropole gemacht. Und gestaunt, was dort über den Ladentisch geht. Nun gibt es die getrockneten Spitzmorcheln für rund 30 Euro pro 50 Gramm auch in Unterföhring, und auch sonst ist das Sortiment gewaltig.  3,5 Regalmeter sind allein dem Kaffee gewidmet, im Markt gibt es außerdem eine Rösterei. Auch auf Regionales legt man im Gemüse-, Honig- und Trockenwarensortiment Wert, sogar Quinoa aus Bayern ist im Angebot. Andererseits gibt es viel im Bereich der Internationalen Spezialitäten, auch rosa Salz aus Australien muss offenbar im Regal stehen.
 

Viel Flair durch Holz und Deko

Insgesamt wirkt der Markt trotz seiner Größe durch Holzoptik, dunkle Böden und passend dimensionierte Wandgestaltungen angenehm kleinteilig. Sogar einen Kunstmaler haben die Kaufleute mit einem Münchenpanorama beauftragt, und für die auch nach der Entkernung des 40 Jahre alten Gebäudes tragenden Säulen hat man sich eine Verkleidung mit Holz- und Kunstpflanzen-Etagen ausgedacht. An vielen Stellen spürt man Deko-Freude, wie bei dem ausgehöhlten Parmesan, der als Schale für Prepack-Stücke dient. Sizilien-Limoncello-Flair vermittelt in der Spirituosenabteilung ein „halber“ quietschgrüner Roller neben der Bar, an der es nach Corona Wein-, Gin- und Whisky-Verkostungen geben soll. Dass als Shop im Shop ein Anbieter für Haus- und Garten-Deko integriert wurde, macht das Nonfood-Sortiment attraktiver. Bezahlen können die Kunden an 14 Kassen und sechs Selfscan-Kassen. Und als ob es nicht bereits genügend Spektakuläres in diesem neuen Leuchtturmmarkt an der Isar gäbe, sorgt dahinter ein Florist für den opulenten Schlusseindruck.

 

MARKTDATEN:
 

Edeka Stadler + Honner, Feringastraße 16,­ 85774 Unterföhring
Öffnungszeiten: Montag bis  Samstag 7 bis 20 Uhr
Eröffnung: 11.03.2021
Verkaufsfläche: 7.500 m2 (inkl. 640 m2 Getränkeabteilung)
Zahl der Mitarbeiter: 115 
Artikelanzahl: Rund 50.000
Anzahl Bio-Artikel: Rund 6.000
Besonderheiten: Grow-Center, Rösterei, Gastroabteilung mit 18,30 m Imbisstheke mit Pizza, 5,20 m Asiatheke, 13,60 m­ Bar­anlage und Gourmetrestaurant

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