Artikel

Store-Check: Hypermarkt Oberwart – modern, ländlich, großzügig

Mit dem neuen Markt in Oberwart im Südburgenland setzt Österreichs führender Hypermarktbetreiber Interspar neue Maßstäbe für das One-Stop-Shopping. Ein klarer Schwerpunkt liegt auf Regionalität.

 

Modern mit einem Touch von alpenländischer Gutsherrnküche präsentiert sich die Theke im neuen Interspar-Hypermarkt. Foto: Claudia Jörg-Brosche
Von Claudia Jörg-Brosche | Fotos: Claudia Jörg-Brosche

Oberwart, ein kleines Städtchen im südlichen Burgenland (Österreich), liegt malerisch in eine grüne, sanfte Hügellandschaft eingebettet. Etwas außerhalb, neben Grünland und Kreisverkehren, hat Interspar für den neuen Hypermarkt als Teil des neuen Shopping-Areals EO rund 13 Millionen Euro investiert. Die Strategie: One-Stop-Shopping mit deutlichem Fokus auf Ware aus der Region. 

Ungewöhnlich: Start mit Nonfood

Im Eingangsbereich des Interspar-Gebäudes empfängt das mit viel hellem Holz und taubenblauer Polsterung ansprechend gestaltete Interspar-Restaurant mit 110 Sitzplätzen innen und 48 auf der Terrasse. Eine Rezeption als Empfang ist Anlaufstelle für Kundenfragen, Reservierungen und auch als Lotto-Abgabestelle. Der Kundenlauf durch die 3.185 Quadratmeter große Verkaufsfläche startet ungewöhnlicherweise mit Nonfood.

Zu den Interspar-Warenwelten in Oberwart zählen ein besonders großes Sortiment an Elektro- und Haushaltsgeräten, Heimtextilien, Küchenutensilien, Kosmetika sowie Schreib- und Spielwaren.

Hier ist auch Platz für Sonderthemen: „Im Zuge der Themenspiegelung gestalten wir den Eingangsbereich alle vierzehn Tage neu und bauen das Sortiment komplett um, jeweils zur Jahreszeit passend“, erklärt Filialleiterin Elisabeth Lukschander.

„Im Frühling etwa platzieren wir hier alles zum Thema Reinigung und Frühjahrsputz, im Advent Weihnachts-Dekoartikel. Weitere Themen sind beispielsweise Backen und Tiernahrung“, so die Quereinsteigerin, die 2014 zu Interspar kam und zum Juli 2022 die Geschäftsleitung im Hypermarkt Oberwart übernahm.

Ihr Credo ist die persönliche Kundenbetreuung: „Findet sich ein Kunde nicht zurecht und fragt einen Mitarbeiter, so soll dieser dem Suchenden nicht nur Auskunft geben, sondern ihn persönlich zum gewünschten Artikel begleiten. Das ist gerade in einem neuen Markt dieser Größenordnung sehr wichtig.“

Der Uhudler und seine Varianten

Eine weitere Besonderheit in Oberwart ist das große Angebot regionaler Produkte. Insgesamt 46 Lieferanten aus der direkten Umgebung (einem rund 30-Kilometer-Umkreis) befüllen die Regale mit der Aufschrift „Von dahoam das Beste!“ mit 260 Produktsorten. Das rote Symbol eines herzförmigen Apfels weist den Weg.

„Diese Interspar-Initiative unterstützt seit zwölf Jahren landwirtschaftliche Betriebe und kleine Lebensmittelmanufakturen. Das wird von den Konsumenten immer mehr nachgefragt, stärkt die heimische Wirtschaft und kommt dank kürzerer Transportwege der Umwelt zugute“, weiß Lukschander.

Einige Beispiele sind in der Weinwelt zu finden, einschließlich der typischen Spezialität aus der Region namens Uhudler. Der hellrote Roséwein wird aus sogenannten Direktträger-Trauben (unveredelt, reblausresistent) gekeltert. Charakteristisch ist sein intensives Aroma nach Walderdbeeren. Den Uhudler gibt es als Uhudlerbrand, als Essig, Fruchtaufstrich und sogar als Nudel-Variante mit Uhudler-Traubenschalenmehl. 

Fünf Regalmeter im Zentrum des Marktes sind den „Von dahoam“-Produkten vorbehalten, die von den Produzenten selbst angeliefert werden. Feines aus dem Umland finden Kunden auch in der Backstube mit drei regionalen Lieferanten. 

Thermalwasser für Gewächshäuser

Die Obst- und Gemüseabteilung bietet neben rund 30 bis 35 Prozent Bio-Produkten (Tendenz steigend), einschließlich Demeter-Ware, das lokale Label „Bad Blumauer Thermal Fruchtgemüse“ mit Auberginen, Gurken, Paprika und Tomaten aus dem 30 Kilometer nahen Kurort Bad Blumau.

Das Produktionsunternehmen wirbt damit, die Glashäuser und -tunnel mit 125 Grad heißem Thermalwasser zu beheizen und dieses nach der Wärmeentnahme wieder in die Erde zurückzupumpen. Viele Sorten des auf diese Weise gezogenen Gemüses gibt es exklusiv bei Interspar und Spar in der Region.


"Bewusstseinsbildung ist wichtig, um Karton- statt Folienverpackungen bei den Kunden weiter zu etablieren."

Elisabeth Lukschander, Filialleiterin


Besonders viele Gedanken macht man sich bei Interspar über das Thema Verpackung bei Obst und Gemüse. Das Unternehmen sei sehr bemüht, hier möglichst auf Plastik zu verzichten, berichtet Klaus Leitgeb, Regionalleiter Frischebereich Steiermark und Südburgenland.

Neben Plastikbeuteln lägen auch Papiertüten bereit, abbaubar und zu hundert Prozent aus recyceltem Material. Produkte der Eigenmarken, besonders der Bio-Linie Spar Natur pur und Spar Premium, seien mittlerweile fast durchgehend in Kartonboxen verpackt. Zusätzlich verwende man abbaubare Verpackung aus Maisstärke.

Im ländlichen Raum des Burgenlandes arbeite man intensiv an der Bewusstseinsbildung, um Karton- statt Folienverpackungen beispielsweise auch bei Cocktailtomaten zu etablieren. 


"Wir wollen dem Kunden die Scheu vor ganzen Fischen nehmen. Wir filetieren sie, und der Kunde kann die Karkasse mitnehmen."

Elisabeth Lukschander, Filialleiterin


Service an der Frischfischtheke

Besonders begehrt ist frischer Fisch aus Österreich: In der Bedienung gibt es aus heimischer Aquakultur Forellen und Saiblinge. „Wir wollen dem Kunden die Scheu vor ganzen Fischen nehmen. Wir filetieren sie, und der Kunde kann die Karkasse mitnehmen“, sagt Elisabeth Lukschander. Beim Käse spielt Regionalität eine geringere Rolle als beim Fleisch- und Wurstangebot: Hier gibt es von Wollschwein-Salami bis zur Pannonischen Hausblunz’n einiges an heimischer Ware. In der Bedienung gefallen regionale Sonderprogramme von Murbodner Rindfleisch, Alpenochs, Lammfleisch, Duroc-Schwein oder Geflügelteile vom Weidehuhn aus der nahen „Genussregion“ Krusdorf. Vor Weihnachten kommen Puten und Gänse aus Krusdorf dazu. Wie in einem gläsernen Tresor reifen im Dry-Ager über mindestens 21 Tage die besten Stücke vom Rind (z. B. T-Bone-Steaks). Die Auswahl an Bio-Fleisch und -Wurst ist also überraschend groß; auch die Initiative für mehr Tierwohl („TANN schaut drauf“) ist mit zahlreichen Produkten vertreten. 

Als Besonderheit steht in der SB-Vitrine ein Glas mit hundert Prozent reinem Wagyu-Rinderfett. „Ja, der allgemeine Ernährungstrend geht in Richtung pflanzlicher Fette“, bestätigt Elisabeth Lukschander auf Nachfrage. „Aber unsere Fleischermeister schwören auf das Wagyu-Fett zum Braten. Der Geschmack ist unvergleichbar.“

Zwischen LED und Asphalt

Natürlich punktet der neue Markt mit LED-Beleuchtung, modernster Kühl- und Klimatechnik, einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach sowie nach Unternehmensangaben der Pflanzung von hundert heimischen Jungbäumen. Schade allerdings, dass der Markt, der gut fünf Kilometer vom Hauptplatz Oberwart entfernt liegt, nur per Auto zu erreichen ist. Lediglich sporadisch verkehrt ein öffentlicher Bus. Und schade auch, dass durch die gigantischen Asphaltparkflächen für fast 500 Pkw enorm viel Boden versiegelt wurde.
 


MARKTDATEN

Interspar-Hypermarkt Oberwart, Burgenland

Adresse: Europastraße 2, 7400 Oberwart/Österreich
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 7.40 Uhr bis 20 Uhr, Samstag 7.40 Uhr bis 18 Uhr
Eröffnung: Mai 2022
Verkaufsfläche: 3.185 m²
Zahl der Produkte: 50.000, davon über 2.700 Bio-Produkte
Zahl der Mitarbeiter: 85
Zahl der Parkplätze: 488, 10 E-Ladestationen


 

Über 1.000 Fleisch- und Wurstspezialitäten bietet der Markt. Dazu gehören unter anderem
Wollschwein-Salami, Pannonische Hausblunz’n und Murbodner Rindfleisch. Foto: Claudia Jörg-Brosche
Fahnen am Regal weisen den Kunden auf lokale Produkte hin – auch beim Pastasortiment. Foto: Claudia Jörg-Brosche
Urban Style aus Metall und Holz prägt die
umfangreiche Weinabteilung. Foto: Claudia Jörg-Brosche
Ein Eyecatcher ist die geschmackvolle Inszenierung von (regionalem) Obst und Gemüse. Foto: Claudia Jörg-Brosche
Aus der Weinregion Burgenland: regionaler Uhudler in allerlei heimischen Varianten. Foto: Claudia Jörg-Brosche
Foto: Claudia Jörg-Brosche

Artikel teilen

Gut informiert durch die Krise